Nach Jahren des Rückgangs zieht der deutsche Fenster- und Außentürenmarkt laut einer Marktprognose der führenden Branchenverbände wieder an. Die stärksten Impulse kommen aus einem Segment, das auch in den kommenden Jahren den Takt vorgeben dürfte.

Der deutsche Fenster- und Außentürenmarkt stabilisiert sich und kehrt auf einen moderaten Wachstumspfad zurück. Das geht aus der aktuellen Marktprognose hervor, die von Heinze erhoben und dem Verband Fenster + Fassade (VFF), dem Bundesverband Flachglas (BF), dem Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) sowie dem Pro-K Industrieverband gemeinsam herausgeben werden.
Demnach wächst der Fenstermarkt im Jahr 2026 voraussichtlich um 2,2 Prozent auf 13,16 Millionen Fenstereinheiten (FE = 1,3 mal 1,3 Meter). Für das Jahr 2027 rechnen die Verbände mit einem weiteren Plus von 1,5 Prozent auf dann 13,35 Millionen FE. Im Jahr 2025 lag der Absatz noch bei 12,88 Millionen FE.
Auch der Außentürenmarkt entwickle sich positiv: Nach 1,141 Millionen Stück im Jahr 2025 steige die Nachfrage im Jahr 2026 voraussichtlich auf 1,169 Millionen Stück (+2,5 Prozent) und im Jahr 2027 auf 1,183 Millionen Stück (+1,2 Prozent).
Modernisierung bleibt der Stabilitätsanker
Die Prognose berücksichtigt nach Verbandsangaben die aktuellen Entwicklungen am Bau- und Finanzmarkt. Dabei bleiben Bauzinsen ein wichtiges Risikothema: Steigende Hypothekenzinsen könnten die Realisierungsquoten belasten. Gleichzeitig hellten sich Lage und Erwartungen in Teilen des Bau- und Wirtschaftsmarkts auf.
Im Detail zeigt die Studie ein differenziertes Bild. Der Wohnbau legt im Jahr 2026 auf 9,33 Millionen FE zu (+2,2 Prozent) und erreicht im Jahr 2027 voraussichtlich 9,43 Millionen FE (+1,1 Prozent). Der Neubau stabilisiert sich nach den Rückgängen der Vorjahre: Insgesamt steigt der Neubaubereich von 4,00 Millionen FE im Jahr 2025 auf 4,01 Millionen FE im Jahr 2026 (+0,2 Prozent) und 4,09 Millionen FE im Jahr 2027 (+2,1 Prozent). Für das Jahr 2027 erwarten die Verbände zusätzliche Impulse durch Arbeitstageeffekte und das Sondervermögen, vor allem im öffentlichen Bau.
Die Modernisierung bleibt mit 9,15 Millionen FE im Jahr 2026 (+3,0 Prozent) und 9,26 Millionen FE im Jahr 2027 (+1,2 Prozent) das mengenmäßig wichtigste Marktsegment. Im Nichtwohnbau hingegen fällt der Neubau im Jahr 2026 mit einem Rückgang von 2,7 Prozent schwächer aus, während die Sanierung im Nichtwohnbau deutlich um 5,3 Prozent zulegt.
Außentüren profitieren von Sanierungswelle
Beim Außentürenmarkt spiegelt sich ein ähnliches Muster wider. Im Wohnbau wächst der Markt im Jahr 2026 auf 924.000 Außentüren (+2,3 Prozent) und im Jahr 2027 auf 932.000 Stück (+0,8 Prozent). Der Neubaubereich erhöht sich von 243.000 Stück im Jahr 2025 auf 246.000 Stück im Jahr 2026 (+1,1 Prozent) und 251.000 Stück im Jahr 2027 (+2,2 Prozent). Die Modernisierung erreicht 924.000 Stück im Jahr 2026 (+2,8 Prozent) sowie 932.000 Stück im Jahr 2027 (+0,9 Prozent). Der Nichtwohnbau entwickelt sich im Jahr 2026 mit +3,2 Prozent und im Jahr 2027 mit +2,6 Prozent stabil – getragen vor allem von der Modernisierung.
Verbände fordern Planungssicherheit und Bürokratieabbau
"Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Wohnbau wieder stabilisiert und durch steigende Baugenehmigungen neue Impulse erhält. Entscheidend ist jetzt, dass die Politik Planungssicherheit schafft und verlässliche Förderbedingungen für Investoren und private Bauherren erhält", sagt VFF-Geschäftsführer Frank Lange. Sorge bereite ihm weiterhin der Nichtwohnbau, insbesondere bei Büro- und Verwaltungsgebäuden. Hier komme es darauf an, dass die öffentliche Hand stärker in Verwaltungsgebäude, Schulen, Kliniken und Krankenhäuser investiere und Sanierungen konsequent angehe. Gleichzeitig blieben geopolitische Risiken, mögliche Energiepreissteigerungen, höhere Produktkosten, Inflation und steigende Zinsen Unsicherheitsfaktoren, die den vorsichtig positiven Marktausblick wieder eintrüben könnten.
BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs ordnet die Zahlen ein: "Die leichte Erholung ist ein wichtiges Signal, aber von einem wirklichen Aufschwung sind wir noch weit entfernt. Für die Flachglasbranche bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt." Umso wichtiger sei es, dass die Modernisierung inzwischen wieder stärker zum Tragen komme. Gerade im Gebäudebestand liege ein enormes Potenzial. Die Sanierung sei deshalb nicht nur klimapolitisch, sondern auch industriepolitisch eine große Chance.
FVSB-Geschäftsführer Stephan Schmidt hebt hervor: "Die erfreuliche Verbesserung bei den Außentüren sowohl im Neubau als auch in der Sanierung zeigen deutlich den Bedarf im Wohnbau, der aber noch nicht annähernd gedeckt ist." Dafür müssten mehrere Faktoren erfüllt sein, allen voran eine Bürokratieentlastung. Ohne diese werde Bauen zunehmend noch teurer, als es ohnehin schon sei.
Pro-K-Geschäftsführer Sven Weihe ergänzt: "Die Stellschrauben zum Ankurbeln des Wohnungsbaus liegen auf der Hand, etwa die Reduktion von Baukosten durch den Verzicht auf Überstandards, beschleunigte, weil konsequent digitalisierte Genehmigungsprozesse sowie eine schnellere Bereitstellung von Bauland." Setze die Politik diese Punkte endlich um, dürfte sich der Fenster- und Außentürenmarkt weiter stabilisieren.
Detailbericht erscheint Mitte Oktober
Der vollständige Fenster- und Außentürenmarktbericht mit allen Detailanalysen und Auswertungen erscheint Mitte Oktober 2026. Eine aktualisierte Einschätzung zum Markt 2026 sowie eine weitere Prognose für das Jahr 2027 stellen die Verbände auf der nächsten VFF-Fachtagung Statistik & Markt am 27. April 2027 vor. Die Grundlage bilden dann die Konjunkturentwicklung, die Zins- und Inflationslage sowie ordnungs- und förderpolitische Maßnahmen.
