Der Bund plant, die Zuschüsse für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung im Haushalt 2027 deutlich zusammenzustreichen. Warum Tischler Schreiner Deutschland Alarm schlägt und was das für Ausbildungsbetriebe bedeutet.

Tischler Schreiner Deutschland (TSD) fordert die Bundesregierung auf, die im Haushaltsentwurf 2027 vorgesehenen Kürzungen bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) und den überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) zurückzunehmen. Der Bundesinnungsverband des Tischler- und Schreinerhandwerks hat sich dazu in einem Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gewandt. TSD warnt vor steigenden finanziellen Belastungen für Ausbildungsbetriebe und einer Schwächung der Fachkräftesicherung im Handwerk.
Millionenkürzungen im Haushaltsentwurf
Die Kabinettsvorlage zum Bundeshaushalt 2027 senkt den ÜLU-Bundeszuschuss von 90 Millionen Euro im Jahr 2026 auf knapp 80 Millionen Euro. Auch der Ansatz für die Investitionsförderung der Bildungsstätten sinkt – von 55 auf 47,8 Millionen Euro. Nach dem bisherigen Förderprinzip entlasten Bund und Länder die Betriebe jeweils mit bis zu einem Drittel der ÜLU-Kosten. Die Realität sieht dem Verband zufolge jedoch anders aus: Laut der jüngsten Kostenanalyse des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik (HPI) trägt der Bund derzeit nur 23 Prozent statt der angestrebten 33 Prozent. Das Gleiche gelte für die Länder. Die Differenz müssten die Betriebe selbst schultern.
Beispielrechnung: Mehr als die Hälfte bleibt beim Betrieb
Was das konkret heißt, verdeutlicht TSD anhand einer Beispielrechnung aus dem Tischler- und Schreinerhandwerk: Über die acht Lehrgangswochen der ÜLU fielen je Auszubildenden zirka 7.100 Euro Lehrgangskosten an. Selbst bei einer vollständigen Beteiligung von Bund und Ländern blieben zirka 3.600 Euro beim Betrieb. Damit tragen die Ausbildungsbetriebe bereits heute mehr als die Hälfte der Lehrgangskosten, so der Verband. Hintergrund ist, dass der Bund die Grundstufe nicht fördert und sich die Kostensätze seit dem Jahr 1999 je nach Lehrgang auf das Doppelte bis nahezu Vierfache erhöht haben. Jede weitere Kürzung verschiebe diese Rechnung zusätzlich zulasten der Betriebe.
„Ausgebildet wird im Betrieb. Die Betriebe zahlen die Vergütung, stellen Ausbilder, Werkstatt und Material und tragen ihren Anteil an den Lehrgangskosten. Wer jetzt bei der fachlichen Qualifizierung unseres Nachwuchses spart, macht das Ausbildungsengagement für kleine Betriebe zur Kostenfrage – und das in einem Handwerk, das gegen den Trend ausbildet", sagt TSD-Präsident Thomas Radermacher.
ÜLU als unverzichtbarer Baustein der dualen Ausbildung
TSD-Hauptgeschäftsführerin Dr. Katharina Gamillscheg unterstreicht die Rolle der ÜLU für die Qualität der Berufsausbildung: „Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der dualen Ausbildung. Sie stellt sicher, dass Auszubildende unabhängig von der Größe ihres Ausbildungsbetriebs alle wesentlichen Fertigkeiten und Technologien ihres Berufs erlernen. Sie ergänzt die betriebliche Ausbildung dort, wo einzelne Betriebe nicht alle Inhalte selbst vermitteln können."
Forderungen an die Bundesregierung
TSD fordert, den ÜLU-Bundeszuschuss für 2027 mindestens auf dem vom Bundestag beschlossenen Niveau von 90 Millionen Euro zu halten. Die Förderpauschalen müssten so bemessen sein, dass der Betriebsanteil ein Drittel der tatsächlichen Kosten nicht übersteige. Zudem müssten beide Förderlinien in der mittelfristigen Finanzplanung verankert und die ÜBS-Investitionsmittel wieder auf 55 Millionen Euro angehoben werden.
„Der Bundestag hat die Mittel für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung für 2026 erhöht, die Länder haben nachgezogen. Diesen Weg gilt es fortzusetzen. Die gemeinsame Verantwortung für die berufliche Bildung muss auch 2027 Bestand haben. Gerade in Zeiten, in denen Defizite im Bildungssystem offen zutage treten, dürfen wir die Stärken der beruflichen Bildung nicht infrage stellen", betont Radermacher.
Tischler- und Schreinerhandwerk bildet überdurchschnittlich aus
Das Tischler- und Schreinerhandwerk zählt nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zu den ausbildungsstärksten Gewerken: Die Ausbildungsquote lag im Jahr 2025 bei 23,75 Prozent – deutlich über dem Handwerksdurchschnitt von 14,91 Prozent. 8.212 Betriebe bildeten 16.631 Auszubildende aus. Der Beruf gehöre sowohl bei Männern als auch bei Frauen seit Jahren zu den meistgewählten Ausbildungsberufen im Handwerk. TSD vertritt nach eigenen Angaben zirka 13.500 Mitgliedsbetriebe. Das gesamte Gewerk umfasst bundesweit zirka 35.000 Betriebe, beschäftigt zirka 207.000 Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 26,7 Milliarden Euro.