KI und Robotik stellen viele Arbeitsplätze in Frage. Schülerinnen und Schüler fragen sich, welche Berufe noch eine gesicherte Zukunft haben. Das Handwerk gewinnt dadurch wieder an Attraktivität. Für die Glasbranche ist das eine gute Nachricht. Netzwerke wie glaserhandwerk.org fördern den Austausch der Betriebe untereinander. Das Portal zukunft-glaser.de soll den Ausbildungsberuf und die Lehrbetriebe sichtbar machen. Initiator ist der Koblenzer Glasermeister Daniel Zitto.

Lange Jahre haben Fachkräftemangel und Nachfolgeprobleme zu vollen Terminkalendern in den Handwerksbetrieben geführt. Die Kunden merkten das durch Wartezeiten und steigende Preise.
Die Erkenntnis: Es könnte sein, dass das Handwerk gar nicht so unattraktiv ist, wie jahrelang behauptet. Zudem haben die Handwerkskammern, Schulen und viele Initiativen mehr Werbung für die Ausbildung gemacht. Andere Baugewerke haben im Schulterschluss mit Partnern aus der Industrie eigene Werbe-Plattformen für ihre Lehrberufe erstellt.
Mit zukunft-glaser.de werden jetzt auch der Ausbildungsberuf Glaser und Glaserin und die Lehrstellen der Betriebe sichtbarer. Initiator der Plattform ist Daniel Zitto, vierte Generation der Familie in der Glas-Zitto GmbH mit Werkstätten in Koblenz und Neuwied.
Ein Schlüsselmoment brachte ihn ins Handeln. "Auf einer Azubimesse stand ich mit meinem Stehtisch neben einem Showtruck der Maler, daneben ein Tieflader der Bundeswehr mit einem Hubschrauber", sagt Zitto. "Und die Polizei lud zum Probesitzen im Wasserwerfer ein. Da wurde mir klar, gegen welche Konkurrenz wir um die jungen Menschen kämpfen. Allein werde ich nicht die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Aber wenn wir im Glaserhandwerk gemeinsam auftreten, werden wir sichtbarer."

Daniel Zitto gründete 2024 das Netzwerk glaserhandwerk.org, in dem sich heute bereits deutschlandweit über 110 Glasermeister und Inhaber von Glasereien regelmäßig zu allen Themen des betrieblichen Alltags austauschen. Immer wieder wurde diskutiert über Personal, Nachwuchs und Nachfolge.
Daniel Zitto war also nicht allein. "Alle Betriebe haben die gleichen Sorgen. Weniger Bewerbungen auf die Lehrstellen, dadurch keine Auswahl und schlechtere Erfolgschancen bei der Ausbildung. Aus Frust bilden viele Betriebe gar nicht mehr aus."
Auch die zweite Säule der dualen Ausbildung spürt die rückgängigen Schülerzahlen. Deshalb sind die Glasfachschulen Rheinbach und Hadamar bereits Partner der Plattform. Dort wird gemeinsam mit den Medienfachklassen Content produziert, der dann auf Social Media für den Ausbildungsberuf werben soll.
Mit der Bohle AG hat Daniel Zitto einen langjährigen Partner der Glasbranche für die Initiative gewonnen. Das Unternehmen beliefert Glasereien seit vielen Jahren mit Glasbeschlägen und Werkstattbedarf und kennt die Sorgen der Betriebe aus erster Hand.
"Wenn die Betriebe weniger ausbilden, fehlen uns morgen die qualifizierten Kunden – wir sitzen alle im selben Boot. Deshalb unterstützen wir die Initiative Zukunft Glaser gerne", sagt Fabian Dursch von Bohle. Daniel Zitto ist zuversichtlich: "Wir haben in der Branche viele kräftige Arme und wenn wir in die gleiche Richtung rudern, nehmen wir richtig Fahrt auf."
Oft wird in diesem Zusammenhang der Ruf nach den Innungen laut. Und auch diesen macht die Plattform ein Angebot zur zentralen Veröffentlichung der Betriebe. Lokal kann dann der gemeinsame Auftritt genutzt werden, um auf Messen und in Schulen unter einer zentralen Marke für den Nachwuchs zu werben.