Eine thüringische Holding stellt Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Davon betroffen sind auch mehrere Fenster- und Türenbaubaubetriebe in Sachsen. Für einen Traditionsbetrieb ist es bereits der dritte Rückschlag binnen zwei Jahrzehnten.

Die in Meiningen (Thüringen) ansässige Holding MS-Time GmbH hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt (405 IN 914/26). Davon betroffen sind auch fünf Unternehmen in Sachsen, wie die Sächsische Zeitung (SZ) berichtet. Demnach gehören zur Holding das Fensterbauunternehmen FT Nickel mit Sitz in Weißwasser im Landkreis Görlitz, Alusysteme Metallbau Bellmann und FTM Fenster- und Türenbau Mulda, beide mit Sitz im mittelsächsischen Brand-Erbisdorf, Refafett in Großschirma (Landkreis Mittelsachsen) sowie Korsche Fensterbau im erzgebirgischen Zschopau.
Weitere Beteiligungen der Gruppe liegen in Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Insgesamt beschäftigt die Firmengruppe den Angaben zufolge zirka 260 Mitarbeiter.
Geschäftsführer sieht „operative Überforderung" als Ursache
Der geschäftsführende Gesellschafter von MS-Time, Harald Bremer, räumt im Gespräch mit der SZ ein, dass die Holding in der Baukrise zu schnell gewachsen sei. Man sei hohe Verbindlichkeiten eingegangen – bei gleichzeitig deutlich steigenden Zinsen. Das sei zulasten der Liquidität gegangen. Zudem hätten die einzelnen Firmen der Gruppe nicht im erwarteten Umfang zusammengearbeitet.
So sei es zu einer „operativen Überforderung" gekommen. Qualitätsmängel, der damit verbundene Zahlungsverzug durch Auftraggeber und fehlende Liquidität hätten eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die sich im jüngsten Halbjahr beschleunigt habe. "Als uns ein 14-Millionen-Euro-Auftrag in Berlin geplatzt ist, ging es nicht mehr weiter", sagt Bremer im Gespräch mit der SZ. Die Zahlungsfähigkeit der Gruppe sei damit für dieses Jahr nicht mehr gesichert gewesen. Es folgte der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung.
Traditionsstandort Weißwasser bereits zum dritten Mal insolvent
Für den traditionsreichen Fensterbauer Nickel, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1899 zurückreichen, ist es laut SZ bereits die dritte Insolvenz seit dem Jahr 2005. MS-Time hatte den Standort im Jahr 2024 übernommen und als FT Nickel neu gegründet. Laut Bremer geschah dies in einer Phase, in der die gesamte Gruppe bereits unter großem finanziellem Druck stand. Hinzugekommen sei der Markteinbruch beim Wohnungsbau.
Wirtschaftsjurist Flöther überwacht das Verfahren
Die Verfahren für alle sächsischen Firmen sowie die weiteren Produktionsstandorte der Holding laufen beim Amtsgericht Leipzig. Als Sachwalter setzte das Gericht den Wirtschaftsjuristen Lucas F. Flöther ein, der die weiterhin von Bremer geführten Geschäfte überwacht und begleitet.
Im Unterschied zu einer regulären Insolvenz bleibt bei einer Eigenverwaltung die bisherige Geschäftsführung im Amt und saniert das Unternehmen selbst. Bremer lasse sich dabei von „erfahrenen Spezialisten für Gruppensanierungen beraten". Das Ziel sei es, die vorhandenen Kompetenzen in den Bereichen Holz- und Aluminiumbau zu stärken und gleichzeitig „von finanziellen Zwängen zu entkoppeln".