Glasbearbeitung und Software 50 Jahre Hegla: Großer Auftritt auf der glasstec 2026

Hegla wird 50 Jahre alt – und feiert das Jubiläum auf der glasstec in Düsseldorf mit einem Feuerwerk an Neuheiten. Von Dünnglas-Schneidtechnik über KI-gestütztes ERP bis hin zu Laseranwendungen für nachträglichen Vogelschutz und Mobilfunkglas reicht das Programm.

Die Galactic TG ermöglicht das prozesssichere Schneiden von Dünnglas ab 0,5 Millimeter. Verwendet wird es als Mittelscheibe von schmalen Dreifachgläsern.
  - © Hegla

Der Glasmaschinenhersteller Hegla nutzt die glasstec, um Modulanlagen und Fertigungslinien im Livebetrieb vorzuführen. Dass das Unternehmen zeitgleich seinen 50. Geburtstag feiert, macht den Messeauftritt zu einem besonderen Anlass. "Die glasstec ist eines der wichtigsten Events unserer Branche. Somit gibt es zwei gute Anlässe für ein Wiedersehen in Düsseldorf", sagt Geschäftsführer Toni Schön.

In guter Tradition blicke Hegla in die Zukunft und präsentiere im Livebetrieb Modulanlagen und Linien mit hoher Wertschöpfung für die Kunden. Am Stand in Halle 14 sind auch die Partnerunternehmen Hegla-Hanic, Hegla Boraident und Hegla RS Technology vertreten – mit Neuheiten aus den Bereichen Software, Laseranwendungen und Glasbearbeitung.

Dünnglas-Schneidtechnik für schlankes Dreifach-Iso

Zwei Trends beobachtet Schön bei den Kunden: Einerseits optimieren sie vorhandene Lösungen, andererseits rücken Marktnischen in den Fokus, um zusätzliche Wertschöpfung zu erzielen. Beide Strategien verbinde das Dreifach-Isolierglas mit Dünnglas als Mittelscheibe. Der schmale Aufbau und das geringe Gewicht ermöglichen dem Hersteller zufolge den Austausch energetisch veralteter Zweifachgläser gegen besser dämmende Dreifach-Einheiten in bestehenden Fenstern. Weiteres Marktpotenzial bieten demnach Neubauten, die nicht länger auf schwere Verglasungen ausgelegt sein müssen.

Mit der Schneidanlage Galactic TG zeigt Hegla Schneidtechnik für Dünnglas ab 0,5 Millimeter Dicke. Eine automatische Flurbeschickung, der Spezialschneidkopf Singlecut TG sowie eine Fächerwagenübergabe machen den Bearbeitungsprozess nach Unternehmensangaben prozesssicher. Das so zugeschnittene Dünnglas lasse sich anschließend beispielsweise auf einer Glaston-Linie zu Isolierglas verarbeiten.

Vollautomatischer VSG-Zuschnitt mit Laserdiodenheizung

Maximale Automation und hohen Durchsatz verspricht Hegla mit der Anlage Prolam Neo LSR für den Zuschnitt von Verbundsicherheitsglas (VSG). Die Maschine schneide VSG vollautomatisch im autonomen Takt. Die patentierte Laserdiodenheizung erziele eine mindestens 20 Prozent höhere Produktivität im Vergleich zur herkömmlichen Heiztechnik. Als weiteren Effekt erzeuge die fokussierte Erhitzung systematisch eine hochwertige Glaskantenqualität: Die Folie werde punktgenau erwärmt und ohne Delamination separiert. Auf der glasstec nimmt ein Roboter das Glas automatisch ab und sortiert es bedienerlos in Fächerwagen.

ERP-System Glass365 mit KI-Funktionen

Hegla-Hanic stellt mit Glass365 ein vollständig neu programmiertes ERP-System vor. Die Software basiert auf Microsoft Dynamics 365 Business Central und kombiniert nach Herstellerangaben die intuitive Bedienung der Microsoft-Umgebung mit dem langjährigen Glas-Know-how des Bochumer Softwarehauses. Modular aufgebaut, decke Glass365 alle typischen Einsatzbereiche flachglasverarbeitender Betriebe ab – von der Auftragserfassung mit Preisberechnung über die Lagerverwaltung und das Finanzwesen bis hin zur Produktion und zur Datenverwaltung im CRM.

Für hohen Komfort, zur Fehlervermeidung und für automatisierte Abläufe stehen KI-Funktionen bereit. So lassen sich beispielsweise Bestellungen aus Dateianhängen oder E-Mails auslesen und nach Nutzerfreigabe ins System übernehmen. Auch das automatisierte Erstellen von Angeboten sei ebenso möglich wie ein KI-basierter Check des Lagerbestands inklusive Bestellvorschlag für Rohglas. Das browserbasierte System steht dem Hersteller zufolge auf jedem digitalen Endgerät zur Verfügung. Die Installation erfolge wahlweise lokal auf einem Server, cloudbasiert oder hybrid. Zusätzlich gebe es Zugriff auf den Microsoft Marketplace, in dem weitere Apps mit vordefinierter Datenintegration zum Download bereitstehen.

Die Prolam Neo LSR bietet maximale Automation und hohen Durchsatz für den Zuschnitt von Verbundsicherheitsglas im autonomen Takt der Anlage. - © Hegla
Für hohen Komfort, zur Fehlervermeidung und für automatisierte Abläufe stehen KI-Funktionen bereit, etwa für das Erstellen von Angeboten. - © Hegla

Vogelschutz und Mobilfunkdurchlässigkeit nachträglich per Laser

Hegla Boraident zeigt mit Retrowinguard eine Lösung, die Scheiben auch nachträglich – also im bereits eingebauten Zustand – mit einem Schutzmuster gegen Vogelschlag versieht oder durch Laserstrukturierung den vollen Mobilfunkempfang wiederherstellt. „Der Handlungsbedarf zeigt sich regelmäßig erst nach der Montage neuer Fenster", sagt Dr. Thomas Rainer, Leiter Organisation und Entwicklung bei Hegla Boraident. „Sind diese erst einmal eingebaut, fehlt es am Empfang." Die integrierte Wärmeschutzbeschichtung blockiere das Durchdringen der Mobilfunkwellen. Mit einem haarfeinen, kaum sichtbaren Muster strukturiere Retrowinguard die metallische Schicht auch im eingebauten Fenster und stelle so den vollen Empfang wieder her.

Meist erst Jahre später zeige sich der Bedarf für ein Vogelschutzglas, erläutert Rainer: "Sobald die neu gepflanzten Büsche und Bäume größer sind und sich in den Fenstern spiegeln, werden sie zur tödlichen Falle." Zum Schutz vor einer Kollision trage das System per Laserdruck auch bei montierten Einheiten noch ein Schutzmuster auf. Die Wirksamkeit sei in den USA geprüft und durch die American Bird Conservancy (ABC) zertifiziert.

Bearbeitungszentrum ohne Rüstzeiten

Hegla RS Technology präsentiert das Bearbeitungszentrum RS 8.14 VSS, das nach Herstellerangaben jede Art der Nassbearbeitung als Einzelstück oder in Serienproduktion kosteneffizient abdeckt. Ob Säumen, Schleifen, Polieren, Bohren, Fräsen, Innenausschleifen oder Stufenschleifen – alle Glasdicken zwischen 1,1 und 19 Millimeter lassen sich dem Unternehmen zufolge qualitativ hochwertig und präzise veredeln. Das Glas positioniert der Bediener außerhalb des Arbeitsbereichs auf dem Ausrichttisch; Be- und Entladen erfolgen anschließend gleichzeitig.

Zu den Vorteilen zählt das Variosaugersystem: Passend zum Format und zur Kontur aktiviert das System die jeweiligen Sauger und fixiert das Werkstück – jegliche Rüstzeit entfalle. In Verbindung mit dem automatischen Werkzeugwechselmagazin lassen sich so auch Sondergläser mit hohem Durchsatz und ohne manuellen Eingriff bearbeiten. Die patentierte Multi-Channel-Kühlung führe selbst bei hoher Drehzahl die Prozesswärme zuverlässig ab und sorge für eine gleichbleibende Kantenqualität bei sehr hohem Vorschub. Für die Serienproduktion lasse sich die Anlage im Zweikopf-Betrieb nutzen, wodurch sich abhängig vom Glasformat eine Verdopplung der Kapazität erreichen lasse. Für maximale Automation sei die Erweiterung um eine automatische Beschickung sowie eine weiterführende Förderstrecke möglich, die nachgelagerte Prozesse direkt anbinde.