Rosenheimer Tür- und Tortage 2026 in Münster Neue Regeln, neue Chancen: Türenbranche im Wandel

Automatisierung, Cybersicherheit, Klimaresilienz und die neue Bauproduktenverordnung setzen Hersteller von Türen und Toren unter Zugzwang. Wie die Branche darauf reagieren sollte, diskutierten Fachleute auf den Rosenheimer Tür- und Tortagen – die diesmal gar nicht in Rosenheim stattfanden.

Die Rosenheimer Tür- und Tortage in Münster – ausgerichtet vom ift Rosenheim in Kooperation mit dem Prüfinstitut Schlösser und Beschläge Velbert (PIV) – informierten die Fachteilnehmer zu neuesten Trends aus Technik, Normung und Wirtschaft. - © ift Rosenheim

Am 10. und 11. Juni 2026 trafen sich Vertreter der Tür- und Torbranche zu den Rosenheimer Tür- und Tortagen erstmals im westfälischen Münster. Damit rückte der Branchentreff geografisch näher an zahlreiche Teilnehmer heran. Ausgerichtet hat die Veranstaltung das ift Rosenheim in Kooperation mit dem Prüfinstitut Schlösser und Beschläge Velbert (PIV). Referenten aus Forschung, Normung und Praxis lieferten Einordnungen und strategische Impulse zu den aktuellen Herausforderungen.

Heusler sieht Resilienz als Marktchance

Unter dem Motto "Mit Wissen und Erfahrung in die Zukunft", welches das ift Rosenheim auch anlässlich seines 60-jährigen Jubiläums verwendet, eröffnete Institutsleiter Prof. Dr. Winfried Heusler die Tagung. Er spannte den Bogen von sechs Jahrzehnten Branchengeschichte zu den anstehenden Weichenstellungen. Wachsende Resilienzanforderungen durch den Klimawandel und den Schutz kritischer Infrastrukturen über das KRITIS-Dachgesetz bezeichnete Heusler nicht nur als Herausforderung, sondern auch als konkreten Marktvorteil.

Die Ziele der neuen Bauproduktenverordnung (BauPVO) sowie der kommenden Normungsarbeit – mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung – begrüßte er grundsätzlich. Er warnte jedoch vor einer bürokratischen Überforderung kleiner und mittelständischer Unternehmen. "Wir wollen Fenster, Türen und Tore herstellen und nicht Dokumente ausfüllen", sagte der Institutsleiter.

Sicherheit aus mehreren Blickwinkeln

Dass Sicherheit für Türen und Tore kein Randthema ist, machte die Zahl der Vorträge zu diesem Komplex deutlich. Auf dem Programm standen Einblicke in die polizeiliche Beratungspraxis zur Einbruchhemmung, der Schutz vor Vandalismus, Cybersicherheit sowie die Schutzwirkung elektronischer Komponenten. Den regulatorischen Rahmen setzt das seit März 2026 in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz. Darin gelten Türen und Tore in sicherheitskritischen Sektoren als kritische physische Schnittstellen und stehen damit unter verschärfter rechtlicher Beobachtung.

Digitalisierung, Normung und Nachhaltigkeit

Weitere Schwerpunkte bildeten Digitalisierung, Normung und Nachhaltigkeit. KI-Anwendungen sorgen nach Angaben des ift Rosenheim bereits heute für mehr Sicherheit und Energieeinsparung und veranschaulichen den Stand der Digitalisierung in der Branche. Auf der Normungsseite richteten die Referenten den Blick auf die laufende Zusammenlegung der Produktnormen für Innen-, Außen- und Automatiktüren sowie auf die Auswirkungen der neuen BauPVO.

Vorträge zu Klimaresilienz, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeitsnachweisen verdeutlichten die wachsende Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit. Für die Gebäudezertifizierung nach der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) sind künftig die Daten aller verwendeten Komponenten erforderlich. Hersteller von Türen und Toren müssten sich daher damit befassen, wie ihre Daten in die Planung und Bewertung von Gebäuden einfließen können.

Konjunktur, Praxis und Vergaberecht

Marktforscher Martin Langen lieferte einen konjunkturellen Ausblick. Ergänzend gab es Impulse zu Praxisthemen wie Barrierefreiheit und Brandschutz. Prof. Christian Niemöller rundete das Fachprogramm mit einem Überblick zu den wesentlichen Neuerungen im Vergaberecht ab.

Am Abend des ersten Veranstaltungstages kamen die Teilnehmer in den Ufer Studios am Emskanal zusammen. Bei mediterranem Flair bot sich Gelegenheit, das Gehörte im direkten Gespräch weiterzudenken. Auch in den Pausen blieb genügend Raum für Networking und fachlichen Austausch.

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