Produktion bleibt erhalten Hilzinger übernimmt Müller Fenster aus Essen

Erst im vergangenen Jahr feierte der Essener Fensterbauer Müller sein 100-jähriges Bestehen, im März 2026 folgte der Insolvenzantrag. Der badische Branchenriese Hilzinger übernimmt nun den Betrieb – und holt auch die Gründerfamilie zurück auf die Gesellschafterebene.

Hilzinger übernimmt den insolventen Essener Traditionsbetrieb Müller Fenster und sichert 57 Arbeitsplätze. - © Hilzinger

Hilzinger mit Hauptsitz im badischen Willstätt hat die insolvente Gebrüder Otto und Heinrich Müller Holzbearbeitung aus Essen übernommen. Rückwirkend zum 1. Juni 2026 wird der Traditionsbetrieb als Müller Fenster und Fassaden unter dem Dach der Unternehmensgruppe fortgeführt. Das Essener Familienunternehmen hatte im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen gefeiert und im März 2026 wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag stellen müssen.

Wirtschaftliche Ausgangslage und Hintergründe der Insolvenz

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gehen nach Einschätzung der Beteiligten überwiegend auf externe Faktoren zurück, die nur begrenzt beeinflussbar gewesen seien. Gleichzeitig verfüge Müller über solide Markt- und Produktionsvoraussetzungen. Auch die Auftragslage sei sehr gut gewesen: Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen ein Umsatzvolumen von zirka 36 Millionen Euro bei einem Auftragsbestand von zirka 41 Millionen Euro. Der Betrieb hatte sich konsequent in Richtung industriell automatisierter Fertigung weiterentwickelt.

Müller Fenster und Fassaden war im Jahr 2024 im Rahmen einer Unternehmensnachfolge an einen Finanzinvestor veräußert worden. In den vergangenen Wochen führten die bisherigen Gesellschafter-Geschäftsführer Stephan und Matthias Müller, die Geschäftsführung von Hilzinger sowie der Insolvenzverwalter vertrauliche Gespräche, die nun in einer Übernahmevereinbarung mündeten.

Produktion und Investitionen am Standort Essen

Im Essener Werk entstehen Fenster- und Türsysteme aus Holz und Holz/Aluminium in 32 Systemen mit Holzdicken von 68, 78, 92, 110 und 120 Millimeter. Die Tageskapazität liegt nach Unternehmensangaben bei 250 Fenstern.

Die technischen Voraussetzungen gelten als herausragend: In den vergangenen zwei Jahren flossen zirka 25 Millionen Euro in moderne Maschinen, Software, Prozessverbesserungen und Fertigungstechnologien. In Fachkreisen zählt die Anlage dem Unternehmen zufolge zu den modernsten Europas. Der bisherige Schwerpunkt am Standort lag auf der Fertigung und Montage anspruchsvoller Großprojekte, insbesondere im öffentlichen Bereich und für Generalunternehmer.

Strategische Ausrichtung und Synergien

Diese Ausrichtung soll laut Hilzinger erhalten bleiben. Zugleich verfolgt die Gruppe das Ziel, den Betrieb breiter aufzustellen, bestehende Abhängigkeiten zu verringern und Synergien innerhalb der Unternehmensgruppe zu nutzen – etwa in den Geschäftsfeldern Fachhandel sowie freie Bau- und Wohnungswirtschaft. So sollen die wirtschaftlichen Potenziale ausgeschöpft und in absehbarer Zeit wieder nachhaltig positive Ergebnisse erzielt werden. Hilzinger sieht in dem Betrieb zudem die Möglichkeit, Kapazitäten im Segment Holz und Holz/Aluminium weiter auszubauen.

Rückkehr der Gründerfamilie auf Gesellschafterebene

57 Beschäftigte übernimmt Hilzinger. Stephan und Matthias Müller bleiben dem Unternehmen erhalten und verantworten weiterhin die operativen Geschäfte am Standort. Darüber hinaus sollen beide im Rahmen der neuen Gesellschafterstruktur wieder am Unternehmen beteiligt werden und die Entwicklung sowohl operativ als auch auf Gesellschafterebene begleiten. Damit blieben die unternehmerische Kontinuität und die Verbundenheit der Gründerfamilie langfristig gesichert.

Geschäftsführer am Standort Essen ist Roman Hilzinger, unterstützt von Matthias und Stephan Müller. Mit der Übernahme wächst Hilzinger auf insgesamt 49 Standorte mit zirka 1.510 Beschäftigten.

Stimmen zur Übernahme

"Wir freuen uns sehr über den Zuwachs innerhalb unserer Unternehmensgruppe und heißen alle neuen Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen", sagt Roman Hilzinger. Müller verfüge über eine beachtliche Tradition und habe zahlreiche Gemeinsamkeiten mit Hilzinger sowie ein hochqualifiziertes Team und außergewöhnliche technische Möglichkeiten. Gemeinsam werde man das Unternehmen weiterentwickeln und die vorhandenen Stärken gezielt ausbauen.

"Wir sind glücklich und sehr zufrieden, dass wir mit Hilzinger einen Partner gefunden haben, der unsere Werte, unser Qualitätsverständnis und unsere Denkweise teilt", sagen Matthias und Stephan Müller. Die Integration in die familiengeführte Unternehmensgruppe eröffne neue Perspektiven für Mitarbeitende, Kunden und Geschäftspartner.