Firmenjubiläum 20 Jahre Heavydrive: Vom Drei-Mann-Betrieb zum Global Player

Im Jahr 2006 hatte Günter Übelacker die Idee, ein leichtes Transportgerät für Glaselemente zu entwickeln. Heute ist sein Unternehmen ein international tätiger Spezialist für die Glasmontage. Die Firmengeschichte zeigt, wie sich Heavydrive einen Namen bei spektakulären Bauprojekten auf der ganzen Welt gemacht hat.

Fassadenmontage am Skypark Business Center Luxemburg. - © Heavydrive

Heavydrive feiert sein 20-jährige Bestehen. Der Spezialist für Transport- und Hebetechnik in der Glasmontage zählt nach eigenen Angaben mittlerweile zu den weltweit führenden Unternehmen der Branche. "Gerade in den vergangenen Jahren waren wir mit vielen Herausforderungen wie der Corona-Krise, Lieferengpässen und Logistikschwierigkeiten aufgrund der weltpolitischen Lage konfrontiert", sagt Geschäftsführer Günter Übelacker. Er betont, dass sich das Unternehmen auf einem hart umkämpften Markt etabliert habe und mit neuen Montagelösungen gestärkt in die Zukunft gehe.

Von der Geschäftsidee zur Produktserie HDL

Die Firmengeschichte startete im Februar 2006 in Pfreimd in der Oberpfalz. Der Maschinenbauer Übelacker entwickelte ein leichtes, stabiles Gerät für den Transport von Glaselementen – die Produktserie HDL. Den Bedarf weckte eine Marktlücke: Die seinerzeit verfügbaren Mini-Raupenkrane konnten Lasten zwar anheben und positionieren, jedoch nicht unter Last verfahren. Die Nachfrage sei entsprechend hoch gewesen, heißt es vom Unternehmen.

In den Folgejahren erweiterte Heavydrive den Gerätepark kontinuierlich um Mini-Krane, Vakuum-Sauganlagen, Kontertraversen, Glasroboter, Kettenzüge und Montagelifte. Der Hersteller spezialisierte sich auf Lösungen für anspruchsvolle Montagen mit extrem großen, schweren sowie speziell geformten oder beschichteten Scheiben. Mit den Anlagen lassen sich nach Unternehmensangaben auch fertige Baumodule setzen. Aktuell bietet Heavydrive Anlagen für die Montage von Glaselementen mit einem Gewicht von bis zu acht Tonnen.

Nachhaltigkeit prägt das Produktportfolio von Beginn an: Die meisten Geräte arbeiten akkubetrieben und damit emissionsfrei, was auch den Einsatz in Innenräumen ermöglicht.

Komplettpaket statt reiner Gerätelieferung

Parallel zum Sortiment baute Heavydrive das Serviceangebot aus. Das Unternehmen bietet inzwischen ein Komplettpaket, das von der Beratung in der Planungsphase über die Entwicklung individueller Montagelösungen bis zu Transport, Logistik und Einsatz auf der Baustelle reicht. "Eine Montage ohne Zwischenfälle gelingt nur, wenn alles akkurat geplant ist und man in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden steht", sagt Übelacker. Berücksichtigt würden dabei nicht nur die Scheibenmaße, sondern auch Baustellengegebenheiten wie Zugänge, Vorsprünge oder klimatische Bedingungen.

Die digitale Kommunikation mit dem Kunden trieb das Unternehmen in den vergangenen Jahren ebenfalls voran. Im Jahr 2017 brachte Heavydrive eine eigene App heraus, die inzwischen in Englisch, Französisch und Spanisch verfügbar ist. Kunden können darüber per Video-Chat direkt mit Experten Kontakt aufnehmen und über einen Gerätefinder online die passende Anlage auswählen.

Internationale Referenzprojekte von Mekka bis Montreal

Die individuellen Montage- und Transportlösungen für jede Baustellensituation stießen international auf großes Interesse. Bereits ein Jahr nach der Gründung war Heavydrive bei einer Fassadenverglasung in der Londoner City im Einsatz. Kurz darauf folgte der Transport eines Kunstobjekts in das Guggenheim Museum New York. Zur Referenzliste zählen auch der Mekka Clock Tower in Saudi-Arabien, die Elbphilharmonie in Hamburg, das Skypark Business Center in Luxemburg, die U-Bahn in Paris, der Montreal Tower in Kanada, die St. Jakobshalle in Basel, das Jüdische Museum in Frankfurt am Main sowie der Golfclub auf der saudi-arabischen Insel Sindalah.

Einsatz am NEOM Golfclub auf Sindalah. - © Heavydrive

Besonders gefragt sind dem Unternehmen zufolge Lösungen für die Montage extrem großer, schwerer oder speziell geformter Glaselemente. Im kroatischen Rovinj setzte Heavydrive ein 15 Meter langes, 3,2 Meter hohes und 5,2 Tonnen schweres Fassadenelement. Um die Scheibe an der Wasserfront in 19 Meter Höhe zu montieren, transportierte das Team sie über das Gebäude hinweg zur Montageöffnung. In der Dolomitenregion 3 Zinnen in Südtirol gelang mit den Anlagen die Montage einer 1.700 Kilogramm schweren Schrägfassade in 2.050 Meter Höhe. Auch Einsätze bei Hitze oder eisigen Minusgraden sind möglich.

Expansion am Stammsitz und international

Die wachsende Nachfrage nach den Heavydrive erforderte mehrfach räumliche Vergrößerungen. Im Jahr 2010 zog das Unternehmen innerhalb Donauwörths auf ein 10.000 Quadratmeter großes Betriebsgelände, im Jahr 2016 folgte der Umzug an den heutigen Stammsitz in Tapfheim mit 18.000 Quadratmeter Fläche. Dort betreibt das Unternehmen einen Maschinenservice inklusive UVV-Prüfung, einen Waschplatz für Klein- und Großgeräte, Schweiß- und Lackierwerkstätten zur individuellen Anpassung sowie einen Testbereich zur Kontrolle der Saugleistung. Den Stammsitz versorgt eine eigene Photovoltaikanlage.

Die internationale Expansion begann im Jahr 2018 mit der ersten Tochtergesellschaft in der Schweiz. Es folgten Standorte in den USA, Dubai, Kanada und zuletzt im Jahr 2025 in Norwegen. "Durch unsere Präsenz im Ausland hat der Kunde vor Ort eine fachkundige, persönliche Beratung in Landessprache", sagt Übelacker. Zudem ließen sich die Anlagen schneller liefern, da weite Transporte und das zeitaufwendige Organisieren von Zollpapieren entfielen. Seit dem Jahr 2023 bietet das Unternehmen einen internationalen Wartungsservice an, der firmeneigene Anlagen sowie Fremdgeräte weltweit repariert und überprüft.

Für die Zukunft plant Heavydrive nach eigenen Angaben den weiteren Ausbau des internationalen Geschäftsbereichs sowie die Entwicklung von Montageanlagen für noch größere und schwerere Glaselemente. Auch im Bereich Robotik möchte das Unternehmen weiter investieren.