Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2025 deutet sich für den deutschen Fenstermarkt eine Trendumkehr an. Branchenverbände und Marktforscher rechnen in zwei Szenarien mit einem Plus zwischen 1,9 und 3,1 Prozent – welches davon eintritt, hängt vor allem von den geopolitischen und energiepolitischen Rahmenbedingungen ab.
Der deutsche Fenstermarkt hat im Jahr 2025 mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 12,88 Millionen Fenstereinheiten (FE = 1,3 mal 1,3 Meter) leicht nachgegeben. Für 2026 wird im Basisszenario ein Plus von 3,1 Prozent auf 13,28 Millionen FE erwartet. Der Außentürenmarkt legte 2025 um 0,4 Prozent auf 1,141 Millionen Türen zu und soll 2026 um 2,9 Prozent auf 1,174 Millionen Stück wachsen.
Die abschließenden Zahlen für 2025 und die angepassten Prognosen für 2026 stellte Jörg Flasdieck von der Heinze Marktforschung am 28. April 2026 auf der Fachtagung Statistik und Markt von Verband Fenster + Fassade (VFF) und Bundesverband Flachglas (BF) in Frankfurt vor.
Zwei Szenarien für 2026
Die Verbände VFF, BF sowie pro-K und FVSB, die gemeinsam mit Heinze die Daten erhoben haben, rechnen bewusst mit zwei Szenarien. Das Basisszenario stützt sich auf eine robuste Marktentwicklung und die zugrunde liegenden Marktmodelle. Das Alternativszenario berücksichtigt mögliche moderate Belastungen durch anhaltende geopolitische Unsicherheiten, steigende Beschaffungs- und Energiepreise sowie die daraus folgenden Preiswirkungen.
Im Alternativszenario liegt der Fenstermarkt 2026 bei 13,13 Millionen FE (plus 1,9 Prozent), der Außentürenmarkt bei 1,162 Millionen Einheiten (plus 1,8 Prozent). Steigende Baugenehmigungen, ein vielfach stabiles bis leicht wachsendes Geschäft im Jahr 2025 und positive Impulse aus den Marktmodellen sprechen den Verbänden zufolge für eine grundsätzlich positive Entwicklung im Jahr 2026. Entscheidend bleibt, dass die politischen und förderpolitischen Rahmenbedingungen verlässlich bleiben und keine neue Verunsicherung im Markt entsteht.
Sanierungsmarkt zieht an, Neubau dreht ins Plus
Die Markterwartung für 2026 hat sich im Vergleich zur Vorgängerstudie vom Oktober 2025 belastbar aufgehellt. Der Sanierungsmarkt bei Fenstern wächst nach aktueller Prognose 2026 um 2,7 Prozent – im Oktober 2025 waren noch 1,1 Prozent erwartet worden. Der Neubaumarkt im Wohnbau gab 2025 nochmals um 1,3 Prozent nach, soll 2026 jedoch eine Trendumkehr auf plus 5,5 Prozent zeigen.
Der von der Bundesregierung umgesetzte Bauturbo mit verbesserten Rahmenbedingungen für den Neubau und die befristete Wiedereinführung der EH55-Förderung für bereits genehmigte Bauvorhaben zeigen im bisherigen Jahresverlauf allerdings nur schwache Wirkungen.
Den Verbänden zufolge kommt es jetzt vor allem darauf an, jede neue politische Verunsicherung des Markts zu vermeiden. Ebenso wichtig sei, dass sich die Krise im Nahen Osten nicht weiter zuspitzt, sondern sich bis zum Sommer entschärft. Bleiben diese zusätzlichen Belastungen aus, bestehen gute Chancen, dass sich die Robustheit des Marktes 2026 auch in einer positiven Entwicklung niederschlägt. Die aktuellen Daten weisen für den Fenstermarkt in allen Segmenten des Wohn- und Nichtwohnbaus sowohl im Neubau als auch in der Sanierung ein Wachstum aus.
"Die Lage ist insgesamt nicht so negativ, wie vielfach befürchtet. Die Baubranche ist zuletzt zugleich von Zinsanstieg, steigenden Diesel- und Energiepreisen sowie weiteren Unsicherheiten getroffen, zugleich blieben die Preisentwicklungen bislang relativ überschaubar", sagt VFF-Geschäftsführer Frank Lange. Voraussetzung für eine positive Marktentwicklung 2026 bleibe, dass sich die politischen und förderpolitischen Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern und zusätzliche Unsicherheiten im regulatorischen Umfeld ausbleiben.
BF-Geschäftsführer Jochen Grönegräs ergänzt: "Die Glasindustrie wird derzeit natürlich – wie zuletzt nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 – durch steigende Energiekosten getroffen, deren Auswirkungen abzuwarten sind. Aber Glas und Fenster werden ja gebraucht – es muss gebaut und es muss saniert werden!"
Außentüren: Sicherheitstechnik bleibt Wachstumstreiber
Im Außentürenmarkt verläuft die Entwicklung vergleichbar. Für 2026 wird im Wohnungsbau ein Wachstum von 2,9 Prozent prognostiziert, getragen von einer soliden Modernisierung (plus 2,4 Prozent) und einem Neubau-Plus von 4,5 Prozent. Besonders das Neubausegment im Wohnbau verbessert sich nach einem Rückgang von 1,3 Prozent im Jahr 2025 auf ein erwartetes Plus von 5,5 Prozent.
Die Studie weist über den Jahresvergleich stabil für 62,3 Prozent aller Türen eine erhöhte Sicherheit aus. "Im Bereich der Sicherheitstechnologie sehen wir weiter Wachstumschancen. Mit der richtigen politischen Flankierung kann dieser Bereich einen zusätzlichen Beitrag zur Markterholung leisten", sagt Stephan Schmidt, Geschäftsführer des FVSB.
Sven Weihe, Geschäftsführer des pro-K Industrieverbands, verweist auf die differenzierte Datenerhebung bei den Rahmenmaterialien: "Innovative Materialien und Produktlösungen haben weiterhin hohe Marktanteile. Eine stärkere Berücksichtigung nachhaltiger Kunststoffanwendungen, die über ein besonderes Anforderungsprofil verfügen, könnte neue Impulse setzen, gerade im Sanierungsmarkt."
Eine angepasste Prognose für 2026 stellen die Verbände auf der nächsten VFF-Fachtagung Statistik und Markt am 29. September 2026 vor.
