Der Flachglashersteller hat am Standort im belgischen Lodelinsart eine neue Fertigungslinie für das Vakuumisolierglas (VIG) Fineo in Betrieb genommen. Was das für die Lieferzeiten bedeutet, lesen Sie hier.

Damit vervierfacht sich die Kapazität, die Lieferzeiten halbieren sich auf zwei Wochen und der Ug-Wert erreicht bis zu 0,44 W/m²K. Die verfügbaren Glasformate reichen von 0,01 Quadratmeter bis 1.600 mal 3.000 Millimeter.
"Die Anlage ist exemplarisch für eine neue Generation der industriellen Glasproduktion", sagt Stefan Lips, Sales Director Europe. Ziel der Erweiterung seien wettbewerbsfähigere Preise und ein breiteres Produktportfolio: mehr Solarbeschichtungen sowie neue Varianten für alle Segmente von der Restaurierung bis zum Neubau.
Die neue Linie integriert modernste Technologien und Funktionen. Ein wesentlicher Fortschritt liegt in der Evakuierung bei niedrigeren Temperaturen. Dadurch wurde der Produktionszyklus von zwanzig auf fünfzehn Stunden reduziert, mit der Perspektive, zehn Stunden zu erreichen. In der Folge wird die Produktionskapazität entsprechend steigen.
Aufbau und Fertigungsprinzip nach dem Motto 'Less is more'
Fineo ist eine neue Generation von Isolierglas mit einem nur 0,1 Millimeter dünnen Vakuumraum zwischen zwei Scheiben. Anders als bei anderen Vakuumgläsern gibt es keine Evakuierungsöffnung, was zu geringerer visueller Beeinträchtigung führt. Während des Evakuierungsprozesses wird der Glasrand hermetisch verschmolzen, um dauerhaft hohe Dämmwerte ohne Wartung, eine hohe Tageslichttransmission und den schlanken Charakter von Fassaden sicherzustellen. Dieses Vakuumglas bietet eine Wärmedämmung auf dem Niveau moderner Dreifachverglasung und ist zugleich nur ein Viertel so dick und etwa halb so schwer.
Fineo ermöglicht zudem eine deutliche Reduzierung der Dicke neuer Rahmen und Fenster und senkt damit den Rohstoffbedarf erheblich. "Diese Eigenschaften reduzieren den CO₂-Ausstoß sowohl in der Produktion als auch im Betrieb", betont Jerome Goubau, Fineo General Manager.
Der Herstellungsprozess kehrt laut AGC den Aufbau konventioneller Isolierverglasung um. "Im Reinraum wird das sogenannte Motherboard, eine große Platte von 1.605 x 2.500 Millimetern, in die benötigten Scheibenabschnitte unterteilt, vollständig evakuiert und versiegelt. Da kein Ventil in das Glas integriert ist, steht die gesamte Fläche zur Verfügung. Erst danach wird das Glas zugeschnitten", heißt es in einer Mitteilung von AGC.
Ein weiterer Unterschied: Konventionelles Isolierglas besteht aus Glas, Aluminium, Butyl und Polysulfid. Fineo besteht vollständig aus keramischen Materialien, ist zu 100 Prozent recycelbar und kreislauffähig. Alle Bestandteile können in den Glasofen zurückgeführt werden. "Das Ende der Lebensdauer der heutigen Scheiben werde ich nicht mehr erleben. Hätte Ludwig XIV. Fineo für Versailles zur Verfügung gehabt, hätte das Glas heute noch seinen ursprünglichen Dämmwert", sagt Operations Manager Jean-Charles Dumont.
Antwort auf einen wachsenden Markt
Angesichts der klimatischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sowie mit Blick auf den Nutzerkomfort besteht kein Zweifel daran, dass Europas umfangreicher Gebäudebestand seine verglasten Flächen sanieren muss. Viele dieser Gebäude sind schlecht gedämmt, und die Nachrüstung mit dickerem Isolierglas ist oft nur schwer möglich. Konventionelles Mehrscheiben-Isolierglas stößt dabei schnell an Grenzen: Profile sind häufig zu schlank, und Tragfähigkeit sowie Gewicht werden problematisch. "Fineo Vakuumglas erreicht die thermische Leistung von Dreifachverglasung bei deutlich reduzierter Dicke und geringerem Gewicht und bietet damit eine präzise Antwort auf diese Anforderungen", so AGC weiter.
"Dank seiner schlanken Randversiegelung und der Vielseitigkeit in der Formgebung ist Fineo die ideale Lösung für den Scheibentausch bei der Restaurierung und Renovierung historischer Fenster. Darüber hinaus eröffnet die fortschrittliche Vakuumverglasungstechnologie eine klare Marktchance im Neubau", erklärt Stefan Lips, Sales Director Europe bei Fineo by AGC. Aufgrund seiner nachgewiesenen Vorteile gewinnt Vakuumisolierglas kontinuierlich Marktanteile gegenüber konventionellen Isolierglaslösungen.
Energielabel und Kreislaufwirtschaft
Energielabels werden strenger, und Kreislaufwirtschaft sowie Langlebigkeit rücken in den Mittelpunkt von Ausschreibungen und Planungsentscheidungen. Eine Analyse dieses Markttrends hat das Fineo Management dazu veranlasst, die Marke als 'die grünste' unter den Isolierglaslösungen zu positionieren. Fineo ist laut AGC das einzige Vakuumisolierglas, das in Europa produziert wird. Mit einer eigenen Beschichtungsanlage vor Ort können zudem Spezialprodukte wie Fineo Solar Control, Fineo Acoustic sowie brandschutzgeprüfte Varianten in Kombination mit Pyrobel hergestellt werden, was dünnere Brandschutzlösungen als bisher ermöglicht.
Die Floatglasproduktion in Moustier liegt in unmittelbarer Nähe, sodass AGC das Floatglas herstellt, vor Ort beschichtet und ohne lange Transportwege zu Fineo Vakuumglas verarbeitet. Fineo profitiert außerdem vom Engagement von AGC, den ökologischen Fußabdruck des Produkts weiter zu reduzieren – durch den zunehmenden Einsatz von Glasscherben als Recyclingrohstoff, die Elektrifizierung der Produktion und einen steigenden Anteil erneuerbarer Energie.
"Der Anspruch von Fineo, im Bereich Nachhaltigkeit voranzugehen, zeigt sich in den jüngst erhaltenen Zertifizierungen", teilt AGC mit. "Fineo ist das erste Vakuumisolierglas mit einer extern verifizierten Umweltproduktdeklaration (EPD) durch INIES und erreicht in der Low Carbon Variante einen außergewöhnlich niedrigen Wert von 18,9 kg CO₂ Äquivalent pro Quadratmeter. Fineo ist zudem das einzige Produkt, das eine EPD der „Nationale Milieu Database“ (NMD) erhalten hat, die in der niederländischen Bauindustrie stark nachgefragt wird. Langzeittests bestätigen darüber hinaus eine thermische und akustische Leistungsfähigkeit von mehr als sechzig Jahren."
Fineo war weltweit der erste VIG-Hersteller mit CE Kennzeichnung (ETA 20/0048) und verfügt über alle relevanten lokalen Zulassungen: aBG des DIBt in Deutschland, Avis Technique (CSTB) in Frankreich, BCRG in den Niederlanden und ATG in Belgien. "Kein anderer Anbieter kann das von sich behaupten. Aber eines muss man bedenken: Ein Zertifikat ist kein Prüfbericht. Entscheidend ist, ob ein Produkt zuverlässig und im industriellen Maßstab geliefert werden kann. Fineo kann das", erklärt Clément Lemoine, Head of Product & Marketing. Für Planer und Architekten bedeutet dies höhere Planungssicherheit, vereinfachte Nachweisführung und schnellere Genehmigungsprozesse.