Mundgeblasenes Flachglas Unikate aus Feuer und Atemluft

Bevor Glas zum industriellen Standardmaterial wurde, entstand jede Fensterscheibe in Handarbeit. Heute halten nur noch wenige Glashütten weltweit die Tradition des mundgeblasenen Flachglases lebendig – und liefern Unikate für Denkmalpflege, Kunst und moderne Architektur. Wo das seltene Handwerk fortbesteht und warum seine Bedeutung wieder wächst.

Qualitätsprüfung in Waldsassen: Durch die Handarbeit entstehen unverwechselbare, lebendige Oberflächen. Genau das macht jedes Stück zum Unikat. - © Robert Christ

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der Belgier Émile Fourcault ein Verfahren, um Glas maschinell herzustellen – und löste damit quasi eine Revolution aus: Im Handumdrehen wurde Glas zum industriellen Massenprodukt, das bis heute die moderne Architektur prägt und in schier unbegrenzten Mengen zur Verfügung steht.

Blickt man jedoch in die Geschichte, so waren flache Glasscheiben für Fenster oder Türen ganz und gar kein Alltagsprodukt: Noch bis in die 1920er-Jahre wurden Flachgläser rein handwerklich im Mundblasverfahren hergestellt – eine Technik, die sich seit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert mit der Glasmacherpfeife entwickelt hatte.

Nur noch wenige Glashütten weltweit

Heute gibt es weltweit nur noch wenige Glashütten, die sich der traditionellen Methode der Flachglasherstellung verschrieben haben. Die älteste noch aktive Glashütte befindet sich in Frankreich am Ufer der Loire: Die Verrerie de Saint-Just wurde 1826 gegründet und produzierte ursprünglich Flaschen und Flakons mit Sand aus der Loire. Als Mathias André Pelletier das Unternehmen 1865 übernahm, stellte er die Produktion von Flaschenglas auf Glastafeln um, entwickelte Färbetechniken und erzielte damit eine Palette von mehr als 300 Farben.

Bereits seit den 1920er-Jahren ist Saint-Gobain Anteilseigner an der Verrerie de Saint-Just; seit 1961 gehört sie vollständig zum französischen Glasgiganten und wird heute von Aurélie Kostka geleitet. "Wir fertigen die Gläser unter anderem für die Restaurierung von Fenstern und Buntglastafeln der Louvre-Pyramide oder von Schloss Versailles", sagt sie. Man sei sehr stolz auf die lange Tradition und auf viele verfügbare, schimmernde Farben. Insgesamt sind in Saint-Just 36 Mitarbeiter beschäftigt, zehn von ihnen als Glasmacher.

Glaskunst in die Region holen

Deutlich jünger ist das Monarch Glass Studio, das 2015 vom Glaskünstler Tyler Kimball im historischen Stadtteil von Kansas City/USA gegründet wurde. Laut Kimball verfügt es über die größte Glasbläserei der Region mit drei Arbeitsplätzen und einem Ofen, der 300 Pfund Glas fasst – das sind rund 136 Kilogramm.

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