Sagrada Familia Gartner vollendet höchsten Kirchturm der Welt

Fast 144 Jahre nach Baubeginn hat Gartner die Sagrada Familia in Barcelona vollendet. Monteure des Fassadenbauers setzten eine fünf Meter hohe Kirchturmspitze auf das begehbare Glaskreuz und machten die Kathedrale damit zum höchsten Kirchturm der Welt.

Mit einem Hochkran setzten Monteure von Gartner die fünf Meter hohe Spitze auf die Konstruktion aus Glas, Stahl und Ultra-Hochleistungsbeton. - © Josef Gartner

Mit einer Gesamthöhe von 172,5 Meter übertrifft die Sagrada Familia das Ulmer Münster nunmehr als bisher höchsten Kirchturm der Welt um knapp zehn Meter.

"Heute war es endlich relativ windstill. So konnten wir den oberen Kreuzarm mit einem Hochkran sicher hochziehen und passgenau befestigen. Dabei mussten wir Toleranzen von wenigen Millimetern einhalten. Aber schon im ersten Versuch passten alle Verschraubungen", sagt Montageleiter Rainer Deininger, der gemeinsam mit Gartner-Supervisor Michael Gola und seinem Team das Glaskreuz montiert hat.

Millimeterarbeit in 54 Meter Höhe

Die Turmspitze bildet den oberen Kreuzarm – fünf Meter hoch, 3,2 Meter breit und 12,5 Tonnen schwer. Unten achteckig, oben viereckig, montierten die Fachleute das Bauteil auf einer Arbeitsplattform in 54 Meter Höhe vor, bevor ein Hochkran es auf das zentrale Element des Glaskreuzes hievte. Dort verschraubte das Team die Spitze mit dem sogenannten Nukleus, an dem auch die vier horizontalen Arme mit einer Spannweite von zirka 13,5 Meter befestigt sind.

Sieben Bauteile aus Gundelfingen

Im Hauptwerk in Gundelfingen an der Donau stellte Gartner die sieben Bauteile für das Glaskreuz her. Die Konstruktion besteht aus hochwertigem Edelstahl (Duplex), in den Ultra-Hochleistungsbeton (UHPC) vergossen ist. Eine Verkleidung aus Steinen und weiß glasierter Keramik sowie transparente und transluzente Scheiben umhüllen das Kreuz. So soll es den ursprünglichen Vorstellungen von Architekt Antonio Gaudi entsprechen: tagsüber strahlen und nachts leuchten. Die witterungsbeständigen Materialien sowie ein spezieller Schliff der teilweise gebogenen und pyramidenförmig geformten Gläser reflektieren dem Unternehmen zufolge das Licht. Zusätzlich strahlen die umliegenden Evangelisten- und Aposteltürme die Spitze an.

Wie die Säulen und Kreuze der Sagrada Familia folgt auch das Glaskreuz einer Doppeldreh-Geometrie und erforderte eine verdrillte Konstruktion. Die achteckigen Arme und die Spitze verdrehen sich zu einem quadratischen Endstück.

Begehbar für Besucher – fertig zum Gaudi-Jubiläum

Über eine Wendeltreppe gelangen Besucher künftig in die vier seitlichen Arme des Glaskreuzes und blicken von dort auf die katalanische Metropole. Klappen im oberen Arm belüften die Konstruktion, eine Ausstiegsluke ermöglicht die Wartung von außen.

"Heute haben wir die Außenarbeiten an unserem 17 Meter hohen Glaskreuz abgeschlossen und damit die Sagrada Familia vollendet", sagt Geschäftsführer Jürgen Wax. Im März baue das Team die Außengerüste ab. Im Inneren des Kreuzes befestige es noch 880 Onyx-Steine, so dass die Kathedrale pünktlich zum 100. Todestag von Gaudi am 10. Juni fertiggestellt sei. "Dieses begehbare Glaskreuz auf dem höchsten Kirchturm der Welt war technisch eine besondere Herausforderung. Und wir hoffen, dass es Besucher auch noch in Jahrhunderten begeistert", sagt Wax.

Tipp: Podcast mit Gartner

In der Podcast-Folge #156 Wie viel Handwerk steckt im Bau des höchsten Kirchturms der Welt des Handwerker-Radios spricht Moderator Jan-Peter Kruse mit Jürgen Wax, Geschäftsführer Josef Gartner, über das Megaprojekt. Zudem berichtet Rainer Deininger, Site Manager Installation, vor Ort von den Arbeiten in bis zu 172 Metern Höhe: tonnenschwere Elemente, millimetergenaue Passungen und Montage bei starkem Wind. Acht Monteure, unterstützt von internationalen Kollegen, arbeiten seit Monaten über den Dächern Barcelonas.

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