Was im Jahr 1966 mit vier Mitarbeitern begann, hat sich zu einer international anerkannten Prüf- und Zertifizierungsstelle mit 230 Beschäftigten entwickelt. Das ift Rosenheim feiert seinen 60. Geburtstag – und richtet den Blick auf Herausforderungen, die das Institut grundlegend verändern dürften.

Dr. Jochen Peichl (v. li.). - © ift Rosenheim
Um die Qualität von Holzfenstern durch Forschung, Prüfung und Zertifizierung zu verbessern, wurde am 10. März 1966 auf Initiative des Arbeitskreises Holzfenster das Institut für Fenstertechnik gegründet. Es startete mit vier Personen und einem Haushalt von 103.400 D-Mark. Institutsleiter Oberbaurat Erich Seifert und die Ingenieure Josef Schmid sowie Hans H. Froelich legten den Grundstein für eine Institution, die sich seither kontinuierlich weiterentwickelt hat. Bereits im Jahr 1967 erarbeitete das Team Empfehlungen für die Ausschreibung von Holzfenstern sowie Beanspruchungsgruppen für Schlagregensicherheit und Verglasung. Ein Jahr später schloss das Institut sein erstes großes Forschungsprojekt ab: Schäden an Holzfenstern.
Über sechs Jahrzehnte hinweg hat das ift Rosenheim nach eigenen Angaben für anstehende Probleme praxistaugliche Lösungen erarbeitet. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Prüfverfahren samt Prüfgeräten sowie Richtlinien und Normen, da bis dahin nichts Vergleichbares existierte. Die Themenfelder reichen von Luft- und Schlagregendichtheit über Wärme- und Brandschutz bis hin zum Schutz von Gebäuden vor Wetterextremen, Einbruch, Vandalismus und Sabotage. Aus dieser Arbeit ging auch der Vorläufer der ift Messtec hervor, die heute als eigenständige Gesellschaft Prüf- und Kalibriertechnik entwickelt, bautund kalibriert – für das ift Rosenheim selbst, aber auch für Laborebei Herstellern, Zulieferern und anderen Prüfinstituten.
Dynamisches Wachstum seit 2004
Eine besonders dynamische Phase begann im Jahr 2004, als Dr. Jochen Peichl die Geschäftsführung und Prof. Ulrich Sieberath die Institutsleitung übernahmen. Damals beschäftigte das ift Rosenheim knapp 100 Mitarbeiter. Mit der europäischen Bauproduktenrichtlinie, der CE-Kennzeichnung und den komplexen Themenfeldern Nachhaltigkeit, Umwelt und Sicherheit kamen neue Anforderungen auf die Branche zu. Das Institut baute seine Dienstleistungen aus und verdoppelte die Belegschaft auf 230 Beschäftigten. Zugleich schritt die Internationalisierung voran: Zirka 30 Prozent des Umsatzes entfallen aktuell auf Kunden aus aller Welt.
Heute versteht sich das ift Rosenheim nicht mehr als reines Fensterinstitut, sondern als Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle für Bauelemente und Baustoffe. Aus einer Hand unterstützt es Hersteller, Dienstleister, Planer und die öffentliche Hand – in Deutschland, Europa und mit internationalen Netzwerkpartnern über die Grenzen Europas hinaus.
Mit Wissen und Erfahrung in die Zukunft
Aktuell stehe die Branche vor tiefgreifenden Veränderungen, so das Institut. Produktion und Produkte müssten nachhaltiger, kreislauffähig und resilienter gestaltet sein. Die Verantwortung der Hersteller werde sich künftig von der Herstellung über die Nutzung bis zum Rückbau erstrecken. Dafür seien Konzepte für Reparatur, Ersatzteilversorgung, sortenreines Recycling sowie Ideen für die Umnutzung und Wiederverwendung einzelner Materialien und Produkte erforderlich. Hinzu kämen Verschiebungen auf nationalen und globalen Märkten sowie in den Lieferketten. Auch künstliche Intelligenz werde alle Unternehmensbereiche beeinflussen – von der Konstruktion über die Produktion bis zum Vertrieb.
"Im Zeichen des Klimawandels, der Digitalisierung und der KI stehen wir vor epochalen Änderungen, für die wir Lösungen entwickeln werden, um der Branche Chancen zu eröffnen", sagt Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler. Das ift Rosenheim investiere deshalb in Technik, IT und Personal, um den Erfahrungsschatz, das Wissen und die Daten aus 60 Jahren zum Vorteil der Kunden und der Branche zu nutzen – gemäß dem Motto Mit Wissen und Erfahrung in die Zukunft!