Aus- und Weiterbildung "Kundendienst macht mir sehr viel Spaß."

Mit diesem Interview beginnt eine kleine Serie, in der wir ausgezeichnete Nachwuchskräfte vorstellen. Anthony Osifoh ist Stipendiat der Werner-Stober-Stiftung und besucht gerade den Meisterkurs an der Fachschule des GFF Baden-Württemberg in Karlsruhe. Wir sprachen mit ihm über seinen Weg in den Beruf und seine Zukunftspläne.

Anthony Osifoh (30) stammt aus Lagos/Nigeria, seit acht Leben lebt er in Deutschland. - © Osifoh
GFF: Herr Osifoh, seit April 25 sind Sie Stipendiat der Werner-Stober-Stiftung, im Moment besuchen Sie als Meisterschüler die Fachschule des GFF Baden-Württemberg in Karlsruhe. Glückwunsch zu dem Stipendium, das hat Sie sicherlich sehr motiviert.

Anthony Osifoh: Vielen Dank. Ich hatte damit nicht gerechnet. Ja, das hat mich so motiviert. Es ist nicht so einfach, ein Stipendium zu bekommen.

Wie geht es jetzt weiter bei Ihnen?

Ich habe viele Pläne. Zurzeit mache ich den Meister. Ich überlege noch, was ich hinterher mache. Wahrscheinlich werde ich bei Firma Müller Fensterbau in Stuttgart weiterarbeiten, dort arbeite ich momentan. Mein Ziel ist, weiter Erfahrung zu sammeln.

Wie kamen Sie zu dem Beruf?

Als ich nach Deutschland kam, habe ich zuerst einen Deutschkurs gemacht bis zum Niveau B1, um mich zu integrieren.

In Afrika habe ich davon geträumt, Polizist zu werden und hätte dies sehr gerne hier in Deutschland umgesetzt, aber aufgrund meines Asylstatus durfte ich diesen Beruf nicht ergreifen. Schließlich habe ich eine Ausbildung zum Glaser gemacht, aber ich hatte keine Vorstellung, wie umfangreich dieser Beruf ist, und war sehr beeindruckt, wie viel exaktes Fachwissen und handwerkliche Fähigkeiten und Möglichkeiten in diesem Handwerksberuf vereint sind.

Was gefällt Ihnen besonders gut?

Das Arbeiten mit Glas und Holz, die Vielfalt des Berufs im Wechsel zwischen der Fertigung in der Werkstatt, der Montage außerhalb und den Kundenkontakt finde ich sehr interessant und abwechslungsreich und es motiviert mich. Nach meiner Ausbildung zum Glaser wollte ich weiter Erfahrung sammeln. So kam ich zur Meisterschule. Mit dem Ziel, meinen Horizont zu erweitern.

Mit dem Stipendium sind Sie jetzt auch finanziell abgesichert.

Ja, von meinem Verdienst blieb mir nach Abzug von Miete, Krankenversicherung, Zugticket usw. nur noch wenig Geld zum Leben. Zeitweise fehlte mir Geld, um notwendige Kleidung und Essen zu kaufen. Mit dem Geld vom Stipendium ist das anders geworden, und die finanzielle Notlage hat sich entspannt. Das hat mir sehr geholfen. Wenn ich mit dem Zug von Stuttgart nach Karlsruhe fahre, bin ich immer glücklich und dankbar. Das ist jetzt ein anderes Gefühl.

Sie haben es gesagt, der Berufsalltag ist vielfältig. Was machen Sie besonders gerne?

Kundendienst macht mir sehr viel Spaß, Reparaturen direkt beim Kunden. Man kommt direkt in Kontakt mit den Menschen. Die erzählen aus ihrem Leben, vor allem die älteren Menschen, wenn sie allein leben, weil ein Ehepartner gestorben ist und die Kinder nicht vor Ort wohnen. Das gibt es in Afrika nicht.

Wie gefällt Ihnen die Meisterschule?

Insgesamt gut, aber es gibt auch Herausforderungen.

Zum Beispiel?

Viele Mitschüler kommen aus einem Familienbetrieb und kennen alle Schritte für Planung, Fertigung und Montage. Ich habe in einem Betrieb gelernt, der keine eigene Fertigung hat. Die Firma ist auf Montage und Kundendienst spezialisiert. Ich habe bislang nur zwei Wochen bei einer Firma mit eigener Produktion gearbeitet, das war für mich sehr schwer.

Ihnen fehlt also noch Erfahrung im Umgang mit den Produktionsmaschinen.

Ja. In der Ausbildung waren wir den ganzen Tag auf der Baustelle.

Auf der Baustelle herrscht manchmal ein rauer Ton. Sie kommen gebürtig aus Nigeria, seit acht Jahren leben Sie in Deutschland, war es schwer, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen?

Es war nicht einfach, aber ich habe es geschafft. Als Lehrling hatte man manchmal keine Motivation mehr. Jeden Tag schwere Fenster tragen über die Treppen in die oberen Etagen. Aber ich habe das durchgezogen.

Ich habe auch festgestellt, dass es auf den Umgang der Kollegen untereinander ankommt, ob die Arbeit Spaß macht oder nicht. Es ist ein schöner Beruf, aber das Miteinander kann ein entscheidender Faktor sein.

Wenn Sie einiges Tages Meister sind, müssen Sie die Technik beherrschen, aber auch Dinge wie Personalführung. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Wenn man gut ist, muss man fair sein und anderen die Chance geben, genauso gut zu werden, wie man selbst ist. Ein respektvoller, freundlicher und wertschätzender Umgang ist mir sehr wichtig.