Prognos-Studie Bau und Sanierung: Was bringen Förderprogramme?

Derzeit wird kaum etwas so dringend benötigt wie neuer, bezahlbarer Wohnraum und die Sanierung veralteter Bestandsgebäude. Vor dem Hintergrund hat eine Studie das Potenzial einer verbesserten Bau- und Sanierungsförderung untersucht. Das Ergebnis: Die Bundesregierung hält schlagkräftige Instrumente in der Hand, um die Baukonjunktur anzuschieben.

Die Berechnungen zeigen die Fördereffekte bei der Sanierung. - © Prognos; Grafik: GFF

Das Beratungsinstitut Prognos hat im Auftrag der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) mögliche Auswirkungen einer verbesserten Bau- und Sanierungsförderung untersucht. "Mit neuer und besserer Förderung kann die Bundesregierung Milliarden an inländischer Wertschöpfung, zehntausende neue Wohneinheiten und eine beträchtliche CO2-Einsparung erreichen", sagt Nils Thamling von Prognos.

Was mit den richtigen Förderungen möglich wäre

Beim Wohnungsbau könnten z.B. zinsvergünstige Nachrangkredite den Investoren das Bauen erleichtern. Die Studie kommt auf rund zehn Milliarden Euro Investitionen bei 35.000 zusätzlichen Wohneinheiten pro Jahr. Auch die Wiederbelebung des von der Ampel-Regierung gestrichenen Förderstandards Effizienzhaus 55 verspreche schnelle Erfolge. "Wir gehen davon aus, dass kurzfristig mindestens 17.000 Wohnungen, die genehmigt, aber nicht gebaut wurden, mit der Förderung realisierbar sind", erläutert Thamling. Inzwischen hat die Bundesregierung eine Reaktivierung der EH55-Neubauförderung ab Mitte Dezember 2025 angekündigt.

Der angedachten steuerlichen Förderung für die Modernisierung geerbter Häuser schreibt die Studie ein Potenzial von gut drei Milliarden Euro Sanierungsinvestitionen pro Jahr zu. Einen vergleichbaren Effekt hätte eine Verbesserung der bestehenden steuerlichen Förderung parallel zu Bundeszuschüssen von 25 Prozent für einzelne Sanierungsmaßnahmen. Die Autoren schlagen vor, direkte Zuschüsse nur noch an Haushalte mit einem Nettoeinkommen von bis zu 100.000 Euro zu zahlen, um der Förderung eine soziale Komponente zu verleihen. Für Haushalte mit bis zu 200.000 Euro Nettoeinkommen wäre der Steuerabzug das Mittel der Wahl. Zusätzlich gäbe es Boni für Haushalte mit geringem Einkommen.

Arbeitsplätze in der Baubranche sichern

Zudem würden zusätzliche Investitionen erhebliche Beschäftigungseffekte auslösen. Die Studie beziffert diese allein bei der stärksten Fördermaßnahme auf 75.000 Arbeitsplätze. "Zahlreiche Bauunternehmen kämpfen nach drei Jahren Auftragsflaute darum, Arbeitskräfte zu halten", erläutert RTG-Leiter Thomas Drinkuth. Diese würden der Branche fehlen, wenn das Bauen und Sanieren wieder anziehe. Die angespannte Situation in der Bauindustrie schlage sich auch auf die Konjunktur nieder. Sein Fazit: "Die Studie zeigt, dass die Bundesregierung mehrere Kickstarter für die Bau- und Sanierungskonjunktur in der Hand hält."

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