Fachhandel und Industrie Beschlagbranche: Hoffnung trotz Krise

Steigende Kosten, wuchernde Bürokratie und schlechte Zahlungsmoral belasten die Beschlagbranche schwer. Doch erste Studien zeigen: Die Talsohle scheint erreicht – und es gibt konkrete Anzeichen für eine Trendwende.

80 Vertreter aus der Schloss- und Beschlagbranche seitens der Industrie und des Fachhandels kamen in Hannover zur 64. Ständigen Konferenz zusammen. - © FVSB

Die 64. Ständige Konferenz in Hannover zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Wirtschaftslage. 80 Vertreter aus der Schloss- und Beschlagindustrie sowie dem Fachhandel kamen am 19. November zusammen, um sich über die Herausforderungen der Branche auszutauschen. Organisiert wird das Treffen traditionell vom Arbeitskreis Baubeschlag (AKB) im Zentralverband Hartwarenhandel (ZHH) und dem Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB).

Oliver Nagel von Seefelder, Vorstandsvorsitzender des AKB, berichtete von einer wirtschaftlichen Stagnation im Fachhandel. Die Kosten steigen kontinuierlich, während die Bürokratie immer mehr Ressourcen frisst. "Es ist wahnsinnig, welche Kapazitäten das mittlerweile im Unternehmen bindet", sagte Nagel. Der Ukraine-Krieg bremse zusätzlich die Investitionen und sorge für massive Planungsunsicherheiten.

Durchwachsene Stimmung im Fachhandel

Dorentina Kodralija, Geschäftsführerin des AKB, präsentierte konkrete Zahlen zur konjunkturellen Lage. Der Handel sitze "zwischen den Stühlen": 26 Prozent der Befragten bewerteten die Lage als schlecht, 22 Prozent als befriedigend, 48 Prozent als ausreichend und nur vier Prozent als gut. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Stimmung damit verschlechtert.

Dennoch verzeichnen einzelne Produktbereiche deutliche Zuwächse: Bauelemente wuchsen um 8,94 Prozent, Schließ- und Sicherheitstechnik um 10,56 Prozent, Automation um 8,62 Prozent, smarte Gebäudetechnik um zehn Prozent und Service- sowie Dienstleistungen um 11,5 Prozent. Rückgänge gab es bei Möbelbeschlag (-4,22 Prozent), Werkzeugen (-2,73 Prozent) und mechanischer Befestigungstechnik (-0,78 Prozent).

Für das Jahr 2026 erwarten 28 Prozent der Befragten einen schlechteren Umsatz, 39 Prozent rechnen mit keiner Veränderung und 33 Prozent erwarten eine Verbesserung.

Zahlungsmoral verschlechtert sich dramatisch

Ein besonders großes Problem stellt die sich verschlechternde Zahlungsmoral der Kunden dar. 63 Prozent der Befragten bemängelten diese Entwicklung, 33 Prozent sahen keine Veränderung der seit Jahren bestehenden Herausforderung, nur vier Prozent berichteten von Verbesserungen. Der Zahlungsverzug liegt mittlerweile bei bis zu zehn Tagen. Die Folgen seien Insolvenzen und Forderungsausfälle.

Nagel appellierte trotz allem an die Branche: Klagen helfe nicht. Vielmehr gelte es, den Blick nach vorn zu richten, wettbewerbsfähig zu bleiben, Künstliche Intelligenz einzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen und zu vernetzen.

Industrie sieht positive Anzeichen

Karl Kristian Woelm, Vorstandsvorsitzender des FVSB, äußerte sich vorsichtig zuversichtlich. Die Schloss- und Beschlagindustrie sehe bereits eine Tendenz zur baldigen Besserung und positive Anzeichen für eine Trendwende. Beispielsweise würden Kritis-Regulierungen Impulse geben. Dennoch leiden auch die Industrieunternehmen unter der überbordenden Bürokratie, die nach Woelms Angaben ein bislang nicht gekanntes Niveau erreicht habe.

FVSB-Geschäftsführer Stephan Schmidt untermauerte die positive Tendenz mit zwei Studien: der Innentürenstudie von B+L und der Fenster- und Außentürstudie von Heinze. Beide Studien zeigen, dass die Talsohle erreicht ist und es ab jetzt aufwärts geht.

Innentürenmarkt zeigt Erholung

Für das Jahr 2026 rechnen die Experten im Innentürbereich mit einem Zuwachs von 1,6 Prozent und im Jahr 2027 mit einem Plus von 5,7 Prozent auf 7,45 Millionen Innentüren in Deutschland. Allerdings dämpft B+L die Erwartungshaltung für das laufende Jahr: Trotz des sehr erfreulichen ersten Quartals 2025 rechne das Marktforschungsunternehmen aufgrund der fehlenden Baugenehmigungen aus dem Jahr 2024 mit einem Rückgang von 3,3 Prozent auf dem gesamten Türenmarkt in 2025.

Der Außentürenmarkt folgt einer ähnlichen Entwicklung wie der Fenstermarkt. Für dieses Jahr erwarten die Experten einen Rückgang von 0,2 Prozent auf 1,134 Millionen Stück. 2026 steigt die Nachfrage auf 1,163 Millionen Stück (+2,6 Prozent). Der Neubau zieht dabei deutlich an (+6,5 Prozent), während die Sanierung nur leicht wächst (+1,5 Prozent).

Sicherheitstüren mit großem Potenzial

Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Türen mit erhöhter Sicherheit: 2026 liegt dieser bei 62,5 Prozent. Während im Wohnungsbau bereits mehr als 70 Prozent erreicht werden, ist im Nichtwohnbau mit zirka 40 Prozent noch erhebliches Potenzial vorhanden.

Zusammenfassend, verwies Schmidt auf positive Indikatoren: Die Genehmigungen steigen, die Zinsen sind moderat, der Bau-Turbo startet, es gibt Vereinfachungen bei der KfW-Förderung, die Abschreibungsmöglichkeiten sind gut und Bedarf ist reichlich vorhanden.

Trotz der durchwachsenen Lage waren sich Organisatoren und Teilnehmer einig: Die Teilnehmerzahl der Ständigen Konferenz zeigt, wie wichtig das Format ist. Die Veranstaltung sei eine feste Größe und der Austausch miteinander sehr wertvoll. Die 65. Ständige Konferenz findet am 11. November 2026 nach derzeitiger Planung in Fulda statt.