Neue Podcast-Folge Denkmalpflege: Herzblut als Erfolgsfaktor

In der elften Folge unseres Podcasts GFF PraxisTalk erläutert Andreas Armbrust vom Karlsruher Fachbetrieb Glaserei Sand, wie Fensterbauer erfolgreich in der Denkmalpflege arbeiten. Dabei verrät er, welche Fehler Betriebe am Anfang unbedingt vermeiden sollten.

In der elften Folge unseres Podcasts GFF PraxisTalk erläutert Andreas Armbrust vom Karlsruher Fachbetrieb Glaserei Sand, wie Fensterbauer erfolgreich in der Denkmalpflege arbeiten. - © HMM

Der Denkmalschutz erfordert von Fensterbauern besondere Expertise und Geduld. Andreas Armbrust, Glasermeister und Sachverständiger vom Karlsruher Fachbetrieb Glaserei Sand, verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in diesem Bereich. In der elften Folge des GFF PraxisTalk spricht er über die Herausforderungen bei der Sanierung historischer Fenster und gibt praktische Tipps für Betriebe, die in diesem Geschäftsfeld aktiv werden möchten.

Eigene Abteilung als Grundvoraussetzung

Armbrust betont, dass Betriebe eine klare Entscheidung treffen müssen, wenn sie in der Denkmalpflege tätig sein möchten: "Wenn sie das tatsächlich wollen, dann müssen sie überzeugt sein. Das kannst du nicht einfach nebenher machen, sondern dann brauchst du eine eigene Abteilung, die nur Denkmal macht." Ein ständiges Wechseln der Mitarbeiter zwischen verschiedenen Geschäftsbereichen funktioniere nicht.

Der Maschinenpark muss nach seinen Angaben nicht umfangreich sein. "Man braucht ein paar Handmaschinen, zum Beispiel zum Lackentfernen", erläutert Armbrust. Eine Fräse und eine Hobelmaschine sollten ebenfalls zur Ausstattung gehören.

Aller Anfang ist schwer: Lernprozess mit hohen Kosten

Wie Armbrust ausführt, zahlte die Glaserei Sand gerade in der Anfangsphase viel Lehrgeld. "Am Anfang war es kalkulatorisch schwierig", schildert der Fachmann. Den Zeitaufwand für die anfallenden Arbeiten richtig einzuschätzen, sei eine Herausforderung gewesen; ebenso die Entwicklung geeigneter Arbeitsabläufe. "Es war ein Learning by Doing".

Mit der Zeit entwickelte das Unternehmen eigene Techniken und Prozesse. Doch auch nach drei Jahrzehnten Erfahrung bleibt die Denkmalpflege ein kontinuierlicher Lernprozess. "Man lernt jeden Tag neu", sagt Armbrust. Jedes Objekt bringe individuelle Herausforderungen mit sich. Doch gerade diese permanente Herausforderung mache sowohl ihm als auch den Mitarbeitern Spaß. Auch Fort- und Weiterbildungen spielen für den Betrieb eine zentrale Rolle.

Energetische Sanierung im Fokus

Die typischen Arbeiten in der Denkmalpflege umfassen nach Armbrusts Erfahrung meist mehr als reine Werterhaltung. "Grundsätzlich geht es um energetische Sanierung, in den wenigsten Fällen nur um Wertehaltung", sagt Armbrust. Die Fenster werden ausgehängt, in der Werkstatt bearbeitet und für moderne Isoliergläser vorbereitet. Dabei werden Falze tiefer gefräst, Dichtungen eingefräst und die Elemente neu verkittet und lackiert.

Künftig kann sich Armbrust auch den Einsatz von Vakuumisolierglas vorstellen, das Karlsruher Denkmalamt habe diesen grundsätzlich genehmigt. Allerdings sieht er noch Herausforderungen: "Im Moment ist es noch ein bisschen schwierig mit der Verfügbarkeit und den Preisen." Auch bei Sonderformen wie Bögen stoße die Technologie an ihre Grenzen.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Behörden

Apropos Denkmalamt: Der Kontakt zur Behörde entwickelte sich über Jahre. "Am Anfang war es kein Austausch auf Augenhöhe", räumt Armbrust ein. Heute nicke das Denkmalamt Angebote der Glaserei Sand zu "98 Prozent" ab, weil es das Unternehmen und dessen Arbeitsweise kenne – die Firma tausche nur notwendige Teile aus.

Gespannt ist Armbrust schon auf einen Termin im November: Das Denkmalamt Baden-Württemberg möchte mit ihm mit Blick auf ein Projekt in Esslingen über den Umgang mit den vorhandenen Thermopen-Scheiben sprechen. "Da stellen sich die Denkmalämter vor, diese Scheiben unter Denkmalschutz zu stellen. Jetzt haben wir natürlich blinde Scheiben. Wie soll das funktionieren?", fragt sich Armbrust.

Herzblut als Erfolgsfaktor

Sein wichtigster Rat für Betriebe, die auch im Denkmalschutz tätig werden wollen: "Man muss das Herzblut haben. Wenn man die Einstellung hat, der alte Gruscht, was soll das? Dann sollte man die Finger davon weglassen." Nur wer alte Substanz wertschätze, könne in der Denkmalpflege erfolgreich arbeiten.

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