Insolvenzen in der Baubranche nehmen zu – betroffen sind auch bekannte Namen wie Stürtz Maschinenbau und Helmut Meeth Fensterbau. Fachanwalt Dr. Alexander Jüchser von Lieser Rechtsanwälte erläutert im Interview mit GFF, welche Ursachen er hinter der Entwicklung sieht, wie Sanierungsverfahren ablaufen und woran sich entscheidet, ob ein Unternehmen gerettet werden kann.

GFF: Herr Jüchser, Sie haben zuletzt die Verfahren von Stürtz Maschinenbau und Helmut Meeth Fensterbau begleitet. Welche Entwicklungen und Ursachen sehen Sie derzeit bei Insolvenzen in der Baubranche?
Alexander Jüchser: Sowohl die Helmuth Meeth GmbH & Co. KG als auch die Stürtz Maschinenbau GmbH waren über eine lange Zeit Familienbetriebe. Während bei Helmut Meeth der Familienunternehmer im Rahmen der Nachfolge ausschied, wurde Stürtz bereits 2013 im Rahmen der ersten Insolvenz veräußert und in der Folge von einer Private Equity-Gesellschaft übernommen. Beide Unternehmen hatten sich über viele Jahre im Bereich Fassaden sowie bei Fenster- und Türlösungen in der Branche einen Namen verschafft. Allerdings zählen Private Equity-Gesellschaften nicht zwingend zu den langfristigen Investoren.
Hinzu kam das Problem, dass Umsatzwachstum in der Regel durch die Hausbanken begleitet werden muss, da das Kapital in den Projekten gebunden wird. Am Kapitalmarkt war allerdings in den letzten Jahren eine starke Zurückhaltung zu spüren. Erschwerend kam hinzu, dass seit der Coronapandemie sich die Baubranche in einer tiefgreifenden Krise befand und die Kunden sich zurückhielten, was bei Helmuth Meeth zu Umsatzeinbrüchen geführt hatte.