Die Konjunkturschwäche der deutschen Wirtschaft macht auch vor dem Tischlerhandwerk in Nordrhein-Westfalen nicht halt. Die aktuelle Frühjahrsumfrage des Fachverbands Tischler NRW und neue Daten des Landesbetriebs Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) zeichnen ein klares Bild: Der Abschwung setzt sich – wenn auch leicht abgebremst – fort. Die Erwartungen an die nächsten Monate haben sich jedoch im Vergleich zum vergangenen halben Jahr leicht verbessert.

Erstmals seit mehr als zehn Jahren mussten die zirka 6.540 in die Handwerksrolle eingetragenen Tischlereien in NRW 2023 spürbare Umsatzeinbußen hinnehmen. Laut IT.NRW sank der Branchenumsatz um 4,9 Prozent auf zirka 8,27 Milliarden Euro. 2024 setzte sich dieser Trend fort: Der Umsatz fiel nochmals um 3,9 Prozent auf 7,95 Milliarden Euro – ein Rückgang um weitere 322 Millionen Euro.
Auch auf dem Arbeitsmarkt hinterlässt die konjunkturelle Eintrübung Spuren. Die Zahl der Beschäftigten schrumpfte 2023 um 0,6 Prozent und 2024 nochmals deutlich um 2,8 Prozent. Damit gingen zirka 1.000 Arbeitsplätze verloren – aktuell beschäftigt das Tischlerhandwerk in NRW etwa 48.200 Menschen.
Wirtschaftsklima auf niedrigem Niveau
Die Einschätzungen der Betriebe bestätigen die Entwicklung: Nur noch 38,2 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut – ein Wert, der klar unter dem Niveau der vergangenen Jahre liegt. Immerhin stufen nur noch 14,8 Prozent (Vorjahr: 18,2 Prozent) ihre Situation als schlecht ein. Der Geschäftsklimaindex liegt mit 82,7 Punkten auf schwachem Niveau – etwa auf Höhe des Vorjahres.
Schwächelnde Auftragslage
Nur knapp die Hälfte der Betriebe (47,3 Prozent) konnte ihre Umsätze stabil halten, während 36,7 Prozent Einbußen hinnehmen mussten. Der Hauptgrund: eine spürbar schwächelnde Auftragslage. Fast vier von zehn Betrieben (38 Prozent) melden Auftragsverluste – ein ungewöhnlich hoher Wert. Stabil zeigen sich nur 46,3 Prozent der Betriebe, während lediglich 15,7 Prozent Zuwächse verzeichneten. Zwar liegt die durchschnittliche Auftragsreichweite noch bei 8,4 Wochen, erreicht aber nicht das Niveau der Jahre 2021 bis 2023, in denen die Auftragsreichweite im Durchschnitt teilweise bei über zehn Wochen lag.
Personalabbau und steigende Kosten belasten Betriebe
Aufgrund der schwierigen Situation hat fast ein Viertel der Betriebe (23,9 Prozent) Personal abgebaut. Nur 9,8 Prozent konnten ihre Belegschaft aufstocken. Auch die Preisspirale dreht sich weiter: 57,2 Prozent der Unternehmen berichten von steigenden Einkaufspreisen, lediglich 2,3 Prozent sehen Rückgänge. Fast 40 Prozent reagierten mit höheren Verkaufspreisen.
Wohnungsbaukrise trifft baunahe Tischlereien besonders hart
Besonders stark betroffen sind Tischlereien im baunahen Bereich. Die anhaltende Flaute im Wohnungsbau – verursacht durch hohe Baukosten und gestiegene Zinsen – wirkt sich unmittelbar auf das Ausbaugewerbe aus. Viele Betriebe hoffen daher auf politische Impulse, insbesondere durch staatliche Förderprogramme für Gebäudemodernisierung.
Verhaltene Erwartungen – Branche hofft auf Wende
Die Zukunftsaussichten bleiben verhalten: 62 Prozent der Betriebe erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage, 22,2 Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung. Nur 15,8 Prozent zeigen sich vorsichtig optimistisch – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Herbst 2024.