Interview mit FVSB-Spitze Schlösser und Beschläge: Markt bleibt herausfordernd

Wir sprachen mit den beiden Geschäftsführern des Fachverbands Schloss- und Beschlagindustrie, Stephan Schmidt und Holger Koch, über die Marktlage in Deutschland sowie die steigenden Exporte der Hersteller ins Ausland. Ein weiteres Thema: Der Anteil von erhöhter Sicherheit im Nichtwohnbau.

Stephan Schmidt (li.) ist Geschäftsführer des Fachverbands Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) in Velbert. Holger Koch ist sein Stellvertreter. - © FVSB

GFF: Laut einer Umfrage rechneten die FVSB-Mitglieder im Vorjahr mit keiner Verbesserung des deutschen Marktes bis Jahresende 2024. Bereits seit Ende 2022 geht der Produktionswert zurück. 2023 sank der Umsatz im Vergleich zu 2022 um 4,4 Prozent. Wie gehen die Verbandsmitglieder damit im Moment um? Die Prognosen sagen auch für 2025 keine Trendwende am Bau in Deutschland voraus, frühestens 2026.

Holger Koch: Die Produktionszahlen für Schlösser und Beschläge für Gebäude haben seit dem zweiten Quartal 2024 wieder leicht zugenommen. Für das Gesamtjahr zeichnet sich damit eine Stabilisierung auf dem geringen Vorjahresniveau ab, wobei sich die einzelnen Produktsegmente deutlich unterschiedlich entwickeln.

Je nach Bedeutung des Renovierungsbereichs oder des Exportgeschäfts können die dramatischen Rückgänge im deutschen Wohnungsneubau abgemildert oder sogar kompensiert werden. Die anhaltend schlechte Entwicklung der Genehmigungszahlen im Wohnungsneubau überlagern den stabilisierend wirkenden Renovierungsbereich. Der gestoppte Preisverfall bei Immobilien, die gesunkenen Zinsen, das wieder anziehende Hypothekengeschäft sowie steigende Projektzahlen bei Immobilienentwicklern deuten auf eine Bodenbildung hin. Auch auf der Bau hatte man den Eindruck, dass die Zuversicht langsam wieder steigt. Trotzdem wird das Marktumfeld von den Schloss- und Beschlagherstellern auch für das Jahr 2025 noch als herausfordernd eingestuft. Wir blicken mit Spannung auf unsere nächste Mitgliederbefragung.

Die Produktionszahlen für Schlösser und Beschläge für Gebäude haben seit dem zweiten Quartal 2024 wieder leicht zugenommen.

Holger Koch, FVSB

Der Nichtwohnbau in Deutschland hatte zuletzt einen Anteil von 40 Prozent bei erhöhter Sicherheit, im Wohnbau betrug der Anteil über 70 Prozent. Lässt sich diese Lücke schließen, und wenn ja, wie?

Koch: Heinze Marktforschung hat in einer Gemeinschaftsstudie für die Branchenverbände FVSB, VFF, BF und Pro-K bei 62,6 Prozent aller Türen eine erhöhte Sicherheit ermittelt. Im Wohnbau kommt dabei das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Bewohner gut zum Ausdruck, hier liegt die Quote insgesamt bei über 70 Prozent. Im Nichtwohnbau ist der Einsatz von Außentüren mit erhöhter Sicherheit erst bei gut 40 Prozent angelangt. Die Sorge über ein mögliches Eindringen in die Privatsphäre hat im Nichtwohnbau ein geringeres Gewicht als z.B. bei Eigenheimen und dürfte bei der Kalkulation dementsprechend weniger gewürdigt werden.

Zugehörige Themenseiten:
Exklusiv