Besuch der ÜLU in Niedersachsen Schlüsseltechniken im Glaserhandwerk sichern

Ein Besuch der Glaserwerkstatt auf dem Campus Handwerk im niedersächsischen Garbsen zeigt: Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) stellt gerade in Zeiten zunehmender Spezialisierung von Fachbetrieben sicher, dass Auszubildende wichtige Schlüsseltechniken erlernen und anwenden können.

Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, kurz ÜLU, ist eine wichtige Säule der Berufsausbildung im Handwerk – neben der Ausbildung im Betrieb und dem theoretischen Unterricht an der Berufsschule. In Niedersachsen ist Tim Veersmann das Gesicht der ÜLU: Der Landeslehrlingswart der Glaserinnung Niedersachsen leitet bereits seit 2008 die Glaserwerkstatt auf dem Campus Handwerk in Garbsen bei Hannover. Anfang Dezember 2024 haben wir dort für einen Tag an dem Praxistraining teilgenommen. Für die sieben Auszubildenden im dritten Lehrjahr stand das Thema UV-Verklebung auf dem Stundenplan. Dieses gehörte zu einem einwöchigen Kurs zur Planung und Herstellung einer Glaskonstruktion.

Gelebter Technologie- und Wissenstransfer: Tim Veersmann (re.), Landeslehrlingswart der Glaserinnung Niedersachsen, zeigt den Auszubildenden die Arbeitsschritte bei der UV-Verklebung. - © Friedrichs

Auftrag: Herstellung eines CD-Regals

Der achtteilige Arbeitsauftrag bestand darin, ein CD-Regal aus fünf Millimeter Floatglas herzustellen. Dabei mussten die angehenden Glaser zunächst die Arbeitsabläufe strukturieren. Im ersten Praxisschritt galt es, anhand einer Konstruktionsskizze eine maßstabsgetreue Fertigungszeichnung der Einzelteile zu erstellen, dort die richtige Position der Einlegeböden zu markieren und den Verlauf der auszuführenden Oberflächenveredelung zu bemaßen. Anschließend erfolgten die Planung und Ausführung des Glaszuschnitts. Eine Herausforderung dabei war, eine sinnvolle Schnitt-Reihenfolge zu erstellen, um den Verschnitt zu minimieren. Im weiteren Verlauf erfolgten die Kantenbearbeitung an der Glas-Bandschleifmaschine sowie das Erstellen einer Glasbohrung. Ebenso sollte ein Seitenteil des CD-Regals mit verzierenden Bögen in Sandstrahltechnik veredelt werden. Generell galt bei allen Arbeiten, die Unfallverhütungsvorschriften und die Sicherheitsbestimmungen, z.B. im Umgang mit UV-Lampen und -Klebstoffen, zu berücksichtigen

Klebstoff ist nicht gleich Klebstoff

Als siebter und damit vorletzter Arbeitsschritt vor der Endkontrolle stand nunmehr die UV-Verklebung an. Bevor sich die Azubis ans Werk machten, vermittelte Veersmann die theoretischen Grundlagen der Technologie. "Klebstoff ist nicht gleich Klebstoff", sagte er. "Das Produkt muss auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sein." So hat jeder Klebstoff spezielle Eigenschaften wie sehr gutes Kapillarverhalten, guter Spannungsausgleich, hohe Feuchtigkeitsbeständigkeit oder keine Vergilbung. Daraus leiten sich die Einsatzgebiete, z.B. Möbelbau, Verklebungen von Glas/Metall, schwach lichtdurchlässigen Gläsern oder Konstruktionen mit hoher statischer Belastung ab. Ebenfalls entscheidend sind die Verbindungen, sprich ob Glas mit Glas, VSG mit Kunststoffen, VSG mit VSG oder ESG mit ESG verklebt wird.

Für die Verklebung des CD-Regals verwendeten die Azubis den UV-Klebstoff B 665-0 von Bohle. Das Produkt zeichnet sich durch niedrige Viskosität, Temperaturbeständigkeit von -40 bis +120 Grad Celsius, Zugscherfestigkeit von 23 N/mm2, glasklare Farbe und sehr gutes Kapillarverhalten aus. Er eignet sich laut Hersteller zur rationellen Produktion von Glasmöbeln und Vitrinen. "Anhand der Zugscherfestigkeit lässt sich ermitteln, wie belastbar der ausgehärtete Klebstoff ist", erläuterte der Werkstattchef.

Als nächstes demonstrierte Veersmann, wie die Klebefläche gereinigt wird, um z.B. Staub und Fett vom Glas zu entfernen. "Hier gilt: Immer Spezialreiniger und keine Haushaltsreiniger verwenden", sagte er. Im weiteren Verlauf widmeten sich die Azubis der Vorbehandlung ihres Werkstücks mit einem Heißluftgerät. Auf diese Weise lässt sich unsichtbare Restfeuchtigkeit von den Klebeflächen entfernen oder Glas, das im Außenbereich gelagert wird, vorwärmen.

Klebeteile sicher fixieren

Für die Aushärtung von UV-Klebstoffen ist es unerlässlich, die Teile mit Fixierhilfen vor dem Verrutschen zu schützen. Bohle bietet hier mit dem Verifix-Programm, z.B. Magnetwürfel und Winkelpumpensauger, professionelle Hilfsmittel an, mit denen sich die Montageteile in einer festen Winkelposition ausrichten lassen. So ist eine einzelne Person in der Lage, alle Arbeitsschritte alleine auszuführen.

Im nächsten Schritt erfolgte der Klebstoffauftrag. Die Herausforderung für die Azubis bestand u.a. darin, vorab die richtige Reihenfolge der Klebungen festzulegen. "Hier ist es wichtig, die Einzelteile mit Pfeilen zu markieren", so Veersmann. Mit der Dosiernadel ließ sich nun der Klebstoff gut in den Spalt der aufeinander stehenden Scheiben auftragen. Sein Tipp: "Ziehen sie die Nadel nicht zu schnell am Werkstück entlang, damit der Klebstoff gut in die Fuge kapillieren kann."

Aushärtung in zwei Schritten

Zur Aushärtung kam eine UVA-Handleuchte zum Einsatz. "Zur Sicherheit sollten hier Schutzbrille und Schutzhandschuhe getragen werden", so seine Empfehlung. Die Werkstücke wurden zunächst mit einer Belichtung von 20 bis 25 Sekunden vorgehärtet, um die Arbeitsfestigkeit zu erreichen. "In dem Stadium lassen sich Kleberückstände noch mühelos mit Glasreiniger entfernen", sagte Veersmann. Generell ist die Aushärtezeit abhängig von Faktoren wie Lampenleistung, UV-Durchlässigkeit des Glases und Glasdicke. Abschließend erfolgte die Endaushärtung der UV-Klebstoffe mit einer Dauer von rund zwei Minuten.

Am Ende des Arbeitstags mussten die CD-Regale nur noch gereinigt werden. In den Gesichtern der Azubis zeigten sich Stolz und Zufriedenheit, als die Werkstücke sicher auf der Ablage standen.

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    Vorbehandlung mit Heißluftgerät: Dabei ließ sich unsichtbare Restfeuchtigkeit von den Klebeflächen entfernen.
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    Zur Aushärtung kam eine UVA-Handleuchte zum Einsatz. Diese wird im geringstmöglichen Abstand zur Klebefläche positioniert.
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    Nach der Voraushärtung wurden die Flächen mit einem handelsüblichen Glasreiniger gesäubert, um Kleberückstände zu entfernen.
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    Im vierten Arbeitsschritt erfolgte die Kantenbearbeitung der Teile an der Glas-Bandschleifmaschine.
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    Strahlende Gesichter : Nach dem einwöchigen Kurs war die Freude über das fertiggestellte CD-Regal groß.

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