Ein lichtdurchflutetes Atrium ist das Herzstück im Neubau der Fakultät für Technik der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Stuttgart. Überdacht wird der zentrale Treffpunkt von einem gewölbten Freiformdach, ausgeführt als Stahl-Glas-Konstruktion.
In unmittelbarer Nähe zum Hochschulcampus der Universität Stuttgart entstand in der Innenstadt der Neubau der DHBW, der im Mai 2023 übergeben wurde. Auf sechs Geschossen bietet er eine Nutzfläche von 14.000 Quadratmeter für die 1.800 Studierenden der Technikstudiengänge, die bisher auf verschiedene Gebäude verteilt waren. Mit seiner gläsernen Dachwelle fügt sich der dynamisch wirkende Bau elegant in den Stuttgarter Talkessel ein.
549 Elemente für Freiformdach
Die Bebauung des Blockrands nach einem Entwurf des dänischen Architekturbüros 3XN folgt dem verschobenen Fünfeck des Grundstücks. So entstand ein großer Gebäudekomplex ohne Freiflächen. Stattdessen bildet das von Tageslicht durchflutete Atrium einen wettergeschützten Campus mit hoher Aufenthaltsqualität. Von dort erschließt eine stützenfreie Wendeltreppe alle sechs Ebenen mit Büros, Laboren, Vorlesungsräumen und Werkstätten. Eine Brücke unter dem geschwungenen Glasdach verbindet die beiden Haupteingänge und die Cafeteria.
Die Dachsohle liegt 22 Meter über Boden, die Oberkante 29 Meter. Das 1.400 Quadratmeter große Freiformdach hat Fassadenbauer Gartner aus 549 unterschiedlichen Elementen konstruiert, die mit einer komplexen Schraublösung verbunden sind. Die 472 dreieckigen Standardelemente, die im Schnitt 160 Kilogramm wiegen, weisen eine Seitenlänge von zirka 2,5 Meter und ein Stichmaß von zirka zwei Meter auf. In den Randbereichen ergänzen 53 Vierecke die komplexe Geometrie. 24 Elemente öffnen sich zum Rauch- und Wärmeabzug tulpenförmig und werden in Gruppen einzeln und abhängig von der Windrichtung gesteuert.
Aufbau des Isolierglases
Alle verwendeten Materialien wie der hellgraue beschichtete Stahl RAL 9006 Nasslack und die Gläser sind nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) zertifiziert. Die Isoliergläser von BGT bestehen aus einem Außenglas aus zehn Millimeter ESG-H Weißglas mit Bedruckung auf Position 2, zehn Millimeter Punkten, 45 Grad Rastern, Bedruckungsgrad 40 Prozent sowie Sonnenschutzschicht Ipasol Shine 40/22 ebenfalls auf Position 2, SZR 16 Millimeter, 90 Prozent Argon, Silikonrandverbund schwarz, Innenglas als VSG aus zweimal acht Millimeter TVG, Weißglas.
Ursprünglich wurde die Dreiecks-Gitterschale des Daches als Schweißkonstruktion ausgeschrieben. Gartner konnte den Bauherrn jedoch von einer geschraubten Stab- und Knotenkonstruktion überzeugen, die Schweißverzug und maßliche Unwägbarkeiten vermeidet. Zudem ließ sich die Montage bei gleicher Geometrie durch eine Schraubkonstruktion beschleunigen. Die Knoten der Konstruktion wurden mechanisch bearbeitet und bilden die Grundlage für die Geometrie des Freiformdaches. Da die Komplexität der Geometrie im Knoten aufgenommen wird, ließen sich die Stäbe mit 90 Grad Stabenden ausführen.
RWA-Elemente öffnen sich wie Tulpe
Auch für die Anlagen zum Rauch- und Wärmeabzug entwickelte Gartner zusammen mit den Flügel- und Antriebsherstellern sowie dem Institut für Industrieaerodynamik (I.F.I.) in Aachen eine komplexe Lösung. Die 24 öffenbaren Elemente sind in vier Gruppen zu je sechs Elementen zusammengefasst, deren Flügel sich tulpenförmig öffnen. Bei diesen spitzwinkligen Flügeln öffnen sich die Spitzen wie bei einer Blume. Ihr überhöhter Rahmen gewährleistet eine konfliktfreie Öffnung.
Im Windkanal wurden die RWA-Öffnungen getestet, um die praktischen Werte für den tatsächlichen aerodynamischen Querschnitt der sich gegenseitig beeinflussenden Flügel zu ermitteln. An einem 1:10-Modell wurde die ungünstigste Öffnungsgeometrie in verschiedenen Ausrichtungen getestet. Auf dieser Basis entstand eine Steuerungsmatrix, die eine Entrauchung bei allen Windverhältnissen ermöglicht.
Neubau der DHBW, Stuttgart
- Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Schwäbisch Gmünd
- Architekt: 3XN, Kopenhagen
- Planung: Wenzel+Wenzel, Stuttgart
- Structural Engineer: Mayer-Vorfelder Dinkelacker, Stuttgart
- Konstruktion Freiformdach: Josef Gartner
- Glashersteller: BGT