Ein Betrieb, der einen Teil seines Umsatzes im Elsass erwirtschaftet, ein Fensterbauer, der für die Kunden von Handwerksbetrieben die BEG-Zuschussförderung abwickelt, und ein Fachbetrieb, der auf Denkmalschutz spezialisiert ist. GFF zeigt drei Beispiele, wie sich Nischen besetzen lassen.

Der Fachbetrieb Vordermayer Wohnen mit Glas sitzt in Neuenburg am Rhein und damit direkt an der Grenze zu Frankreich. Es überrascht daher nicht, dass das Unternehmen einen Teil seines Umsatzes mit Aufträgen im benachbarten Elsass erwirtschaftet. Was hingegen verwundert, ist, dass der Betrieb damit nach eigenen Angaben eine Sonderstellung einnimmt. "Zahlreiche andere Betriebe entlang der Grenze haben das Auslandsgeschäft mittlerweile aufgegeben", erläutert Juniorchef Florian Vordermayer. Grund dafür seien die strengen bürokratischen Auflagen – und verhängte Bußgelder. "Mitarbeiter müssen für jeden Auftrag einzeln auf einer französischen Internetseite angemeldet werden, sonst drohen Strafen bis zu 4.000 Euro pro Mitarbeiter", nennt der Glasermeister ein Beispiel.
Bürokratie und Strafen schrecken ab
Was bei einer Tätigkeit in Frankreich außerdem zu beachten sei: Man braucht eine französische Steuernummer und muss aufgrund dreier anwendbarer Steuersätze zusätzlichen Aufwand hinsichtlich Buchhaltung und Software betreiben. Des Weiteren sollten sämtliche Dokumente vom Angebot bis zur Rechnung auf Französisch verfasst sein, um rechtsgültig zu sein. Apropos: Die Kommunikation mit dem Kunden kann bisweilen herausfordernd sein, wenn dieser nicht auch Deutsch spricht.
"Ich hatte zwar in der Schule Französisch als erste Fremdsprache. Das reicht aber vorne und hinten nicht aus", sagt Vordermayer. Zugute kommt dem Betrieb hier, dass die Mehrheit der eigenen Mitarbeiter aus dem Elsass stammt. "Wir haben in jedem Montagetrupp mindestens einen Mitarbeiter, der zweisprachig ist. Ein versierter Kollege unterstützt bei Bedarf zudem bei Beratungsgesprächen."
Früher ein einträgliches Geschäft
Was die Arbeit selbst angeht, weist Vordermayer darauf hin, dass Elsässer geizig seien, wenn es um die Beauftragung von Architektenleistungen geht. "Bei Neubauten sorgt das für höheren Aufwand bei Planung und Ausführung, da die Planung durch den Handwerker selbst erfolgen muss", sagt der Glasermeister. Zudem bemängelt er, dass Vorgewerke ihre Arbeit häufig schlampig ausführten.
Trotz aller Hürden war das Frankreich-Geschäft für Vordermayer Wohnen mit Glas lange Zeit ein einträgliches Geschäft. "Vor zehn Jahren lag der Umsatzanteil bei zirka 40 Prozent. Die Franzosen schätzten unsere Qualitätsprodukte und die deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit", sagt Vordermayer. Ein eigener Außendienstmitarbeiter war in Vollzeit im Elsass unterwegs und mit den Kundenanfragen voll ausgelastet.
Gründe für den Umsatzeinbruch
Heute sieht das anders aus. Der Betrieb erwirtschafte nur noch zehn bis 15 Prozent des Umsatzes in Frankreich, wobei das Unternehmen hauptsächlich Reparaturen und Instandhaltungen älterer Aufträge ausführe sowie vereinzelt im Neubau tätig sei. Was sind die Gründe für den Einbruch? "Der Umsatz ist sicherlich dadurch zurückgegangen, dass wir in Frankreich nicht mehr auf Messen präsent sind und weniger Werbung schalten – das ist sehr teuer", sagt Vordermayer.
Andererseits habe er das Gefühl, dass die Elsässer sparsamer geworden seien und günstigere Anbieter bzw. günstigere Produkte bevorzugten. "Viele Kunden sind früher zu uns gekommen, weil wir Schüco Fenster verkaufen und diese Marke für den Elsässer wohl der Mercedes unter den Fenstern ist", sagt der Glasermeister. "Es war gewissermaßen alles egal – Hauptsache, es ist Schüco. Seit einigen Jahren ist das nicht mehr der Fall."
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der GFF 7-8, die am 9. Juli erscheint.