Die Zeiten für Fenster im Neubau waren schon mal besser – ein guter Moment, um sich auf den Renovierungsmarkt zu konzentrieren? GFF beleuchtet Chancen, Risiken und Herausforderungen und hat Praktiker nach ihren Erfahrungswerten gefragt.

Ein stürmisches Marktszenario zeichnen die von Heinze Marktforschung gemeinsam mit den Branchenverbänden Fenster + Fassade (VFF), Bundesverband Flachglas (BF), pro-K sowie Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) erhobenen Daten für die Fensterbranche. Gemäß den veröffentlichten Daten prognostizierten die Beteiligten für 2023 einen beschleunigten Rückgang des Fensterabsatzes im Wohnneubau von minus 21,7 Prozent auf 3,22 Millionen Fenstereinheiten (FE) im Vergleich zu einem Minus von 2,9 Prozent im Jahr 2022. Für 2024 schätzen Heinze und die Branchenverbände in diesem Segment ein erneutes Minus von 9,5 Prozent auf 2,91 Millionen Fenstereinheiten.
Marktentwicklung 2025/2026
Update 8.12.25: Die aktuellen Marktzahlen für 2025 und die Prognose für 2026 finden Sie hier.
Markteinschätzung für 2024
Im Nichtwohnneubau sagen die Experten eine vergleichbare Entwicklung voraus: von 1,95 Millionen abgesetzten Fenstereinheiten 2022 (plus 3,4 Prozent) über 1,76 Millionen FE 2023 (minus 9,9 Prozent) bis auf 1,55 Millionen FE 2024 (minus 11,6 Prozent). Etwas besser bewerten die Marktforscher den Renovierungsmarkt für Fenster. Rückgänge von minus 2,7 Prozent 2022 (7,37 Millionen FE) und minus 1,5 Prozent 2023 in der Wohnbau-Renovierung soll im Jahr 2024 ein Wachstum von 1,7 Prozent (7,19 Millionen FE) ablösen. In der Nichtwohnbau-Renovierung zeige die Tendenz für 2024 nach minus 2,2 Prozent 2022 (2,28 Millionen FE) und minus 0,2 Prozent 2023 mit einem Wachstum von 2,3 Prozent auf 2,33 Millionen Fenstereinheiten nach oben.
Wie bewerten Unternehmer die Marktentwicklung?
Eine insgesamt schwierige Marktlage erkennt Florian Jehle, Geschäftsführer von Sebnitzer Fensterbau, dessen Unternehmen mindestens 95 Prozent seines Geschäfts im Neubau tätigt. In den vergangenen Jahren gestiegene Materialkosten in Verbindung mit gestiegenen Zinsen und einer Baukostensteigerung um zirka 20 Prozent sieht er als eine Sammlung von Faktoren, die aktuell zu Buche schlagen. Von den angekündigten Förderprojekten der Politik für 2024 erwartet er sich keinen schnellen Effekt.
Jehle treibt die Digitalisierung der Unternehmensprozesse voran, um die Produktivität und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Zudem konzentriert er sich auf größere Objekte, um die rückläufige Zahl der Projekte im Neubau zu kompensieren. Dabei sei Flexibilität in den Angebotspreisen gefragt: "Wir müssen aktiver sein und geben Preisvorteile, die wir mit unseren Lieferanten ausgehandelt haben, direkt an unsere Auftraggeber weiter, die das honorieren."