Die Schüco Gruppe hat sich in einem anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfeld positiv entwickelt und das Geschäftsjahr 2022 mit einem über Vorjahr gestiegenen Gesamtumsatz von 2,28 Milliarden Euro abgeschlossen. Das entspricht einem Plus von 14,3 Prozent.

Die Schüco Gruppe beschäftigte im Jahresdurchschnitt 2022 weltweit insgesamt 6.750 Mitarbeitende, die sich wie folgt aufteilen: Außerhalb Deutschlands waren 2.650 Mitarbeitende für Schüco tätig. Auf Deutschland entfielen 4.100 Mitarbeitende, davon arbeiteten 2.100 Mitarbeitende in der Bielefelder Unternehmenszentrale. In der Region Ostwestfalen-Lippe beschäftigte das Unternehmen insgesamt 2.455 Mitarbeitende.
Die Investitionssumme lag 2022 mit 89,5 Millionen Euro knapp über Vorjahr. Ein Großteil davon floss auch in diesem Jahr in die 2016 gestarteten umfangreichen Baumaßnahmen zur Standorterweiterung, die 2022 mit der Fertigstellung zweier Neubauten ihren Abschluss fanden. Das 4.500 Quadratmeter große Welcome Forum bot seit seiner Eröffnung im Mai 2022 bereits am Jahresende 2022 über 7.800 Gästen einen umfassenden Einblick in die Welt von Schüco. Der im Herbst 2022 fertiggestellte Neubau der Unternehmenszentrale Schüco One setzt einen repräsentativen Akzent auf dem Schüco Campus. Die äußere Gestaltung und die von offenen Kommunikationsräumen im Sinne moderner mitarbeiterorientierter Arbeitswelt geprägte Innenarchitektur des Gebäudes repräsentieren optimal die Unternehmenskultur und setzen auch beim Thema Nachhaltigkeit Maßstäbe: Das Schüco One wurde als erstes Gebäude weltweit mit allen drei Nachhaltigkeitszertifizierungen ausgezeichnet: DGNB Platin, LEED Platin und BREEAM Excellent.
Entwicklung Geschäftsbereich Metallbau
Der Geschäftsbereich Metallbau (Aluminium und Stahl) erzielte weltweit mit 1,820 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr (1,585 Milliarden Euro ) ein Umsatzplus von 14,8 Prozent – trotz großer Unwägbarkeiten in den jeweiligen Beschaffungsmärkten. Außerhalb Europas konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr (320 Millionen Euro) um 32,8 Prozent auf 425 Millionen Euro erhöht werden. Dabei entwickelten sich die meisten Märkte durchgängig heterogen. Während China in der ersten Jahreshälfte noch stark von der lokalen Zero-Covid-Politik beeinträchtigt war, konnten insbesondere zum Jahresende deutliche Aufholeffekte wahrgenommen werden. Die indische Tochtergesellschaft Schüco India profitierte ebenso spürbar von den Nachholeffekten der Corona-Pandemie und konnte mit Umsatzsteigerungen die Erwartungen übertreffen. Dies gilt ebenfalls für die Vertriebsregion Südostasien, die ihren positiven Wachstumstrend fortgesetzt hat. Auch die Gesellschaften in Dubai und in der Türkei konnten ihren Geschäftsbereich erfolgreich abschließen.
Das Geschäftsjahr 2022 – weiterhin geprägt von der weltweit angespannten Lieferkettenproblematik, den stark angestiegenen Rohstoffpreisen, dem anhaltenden Krieg in der Ukraine sowie den massiv gestiegenen Energiekosten und Inflationsraten – stellte die Vertriebsregion Europa vor große Herausforderungen und beeinflusste die Geschäftstätigkeiten maßgeblich in der 2. Jahreshälfte. Dennoch konnten positive Entwicklungen insbesondere in den Märkten Frankreich, Italien, Iberia, Niederlande und Belgien aufgezeigt werden. So konnte die Vertriebsregion Europa des Metallbaubereiches im Vergleich zum Vorjahr (1,185 Milliarden Euro) den Umsatz um 10,5 Prozent auf 1,310 Milliarden Euro steigern.
Der Bausektor war auch 2022 ein stabilisierender Faktor der Wirtschaftsleistung in Deutschland, geriet jedoch zunehmend unter Druck. Während im ersten Halbjahr durch Auftragsüberhänge und Vorzieheffekte eine gute Kundenauslastung verzeichnet werden konnte, mussten ab dem 3. Quartal 2022 deutliche Rückgänge im Auftragseingang vor allem bei Neubauprojekten verzeichnet werden. Auslöser dafür waren der extreme Preisdruck über alle Produkte in der Branche und die zunehmende Verunsicherung aufgrund der geopolitischen Lage. Dennoch lag der Geschäftsbereich Metallbau in seinem Heimatmarkt mit einem Umsatz von 600 Millionen Euro über Vorjahresniveau (558 Millionen Euro ).
Entwicklung Geschäftsbereich Kunststoff
Der Geschäftsbereich Kunststoff entwickelte sich im Jahr 2022 positiv und verzeichnete mit 420 Millionen Euro ein Umsatzwachstum von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr (389 Millionen Euro). Im Kernmarkt Deutschland lag der Umsatz mit 145 Millionen Euro leicht über dem hohen Vorjahresniveau (143 Millionen Euro). Die weiteren europäischen Absatzmärkte entwickelten sich ebenfalls positiv, allen voran Italien, Belgien und die Niederlande.
Motivation Green
Weit über Klima- und Umweltschutz hinaus betrachtet Schüco Nachhaltigkeit als konkrete Aufgabe. Im Geschäftsbereich Kunststoff lag 2022 der Schwerpunkt auf dem Fokusprojekt Go Circular, basierend auf der Idee, dass Gebäudehüllen die Rohstoffdepots der Zukunft sind. So soll mit dem Joint-Venture RE:CORE GmbH ein geschlossener Kunststoff-Wertstoffkreislauf und damit ein weiterer aktiver Beitrag zu einer nachhaltigeren Bauwirtschaft geleistet werden.
Werkstoffübergreifend ist das Erreichen von Klimaneutralität im Gebäudesektor eine der großen Herausforderungen dieser Zeit. Die Bauwirtschaft hat die Aufgabe, den ambitionierten Vorgaben der Politik zu entsprechen und die CO₂-Emissionen, die beim Bau, Betrieb und Rückbau von Gebäuden entstehen, auf null zu setzen. Der CO2-Wert eines Gebäudes wird zu einem Hauptkriterium bei allen zukünftigen Investments und Ausschreibungen. Deshalb ist Schüco 2022 gestartet, ein modulares und auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes ausgerichtetes Angebot aus Produkten und Services zu erarbeiten, um die Dekarbonisierung der Fenster, Türen und Fassaden objektspezifisch steuern zu können.
Ausblick 2023
Klimawandel und Energiekosten bringen große Herausforderungen, aber auch Chancen für die Immobilienwirtschaft und die Bauindustrie. Die politische Hängepartie durch monatelange Diskussionen allein über den Sinn einer Investition in Wärmepumpen führten zur Verunsicherung insbesondere von privaten Bauherren in Deutschland. Darüber hinaus steht die Branche zusätzlich unter Druck aufgrund von Fachkräftemangel, hohen Materialpreisen und Tarifabschlüssen sowie verschlechterten Finanzierungsbedingungen, was zu deutlichen Rückgängen bei den Bauinvestitionen führt.
Die Sanierungsquote für Gebäude muss massiv gesteigert werden, um einen klimaneutralen und energieeffizienten Gebäudebestand zu erreichen. Die Politik muss jetzt nachhaltige, klare Rahmenbedingungen setzen, da ansonsten die Klimaziele im Gebäudesektor verfehlt werden. Ein gutes Zusammenspiel der Gewerke und der Produkte der Gebäudehülle, Haustechnik und Energieinfrastruktur auf Basis eines individuellen Sanierungsfahrplanes ist dabei unabdingbar, um den CO2-Fußabdruck von Gebäuden drastisch zu senken.