Vier Freunde zum Kleben Im Klebedschungel den Durchblick behalten

Welcher ist der richtige Klebstoff, wenn Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen oder UV-Strahlung einwirken? Ein Experte von Otto-Chemie klärt über die Anwendungsgebiete und die Eigenschaften von Silikon-, Acrylat-, Hybrid- und PU-Klebstoffe auf.

Die Grafik veranschaulicht die unterschiedlichen Eigenschaften der vier Klebstoff-Gruppen Acrylate, Polyurethane (PU), Hybride und Silikone. - © Otto-Chemie

Hochleistungsfähige Klebstoffe ersetzen heute zunehmend mechanische Verbindungstechniken. Anders als der Haushalts-Alleskleber müssen Klebstoffe, die in der Industrie oder am Bau zum Einsatz kommen, ein auf die jeweilige Montageaufgabe abgestimmtes Leistungsprofil aufweisen. Wer aus der Fülle der am Markt erhältlichen Produkte den für seine spezielle Anwendung geeigneten Klebstoff herausfiltern möchte, muss nicht nur diese unterschiedlichen Leistungsprofile kennen.

Vier Klebstoffgruppen im Vergleich

Er muss auch berücksichtigen, wie sich der jeweilige Klebstoff unter Praxisbedingungen verhält, also z.B. bei Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen oder UV-Strahlung. Andreas Huber, Projekt- und Schulungsleiter bei Otto-Chemie, erläutert nachfolgend, wie sich die vier gängigen Klebstoffgruppen Silikone, Hybride auf Basis von MS- oder silanterminierten Polymeren, Dispersionsacrylate und Polyurethane (PU) nach seinen Angaben in ihren Eigenschaften unterscheiden.

Silikon-Klebstoffe: Flexibel und belastbar

Silikon-Klebstoffe zeichnen sich einerseits durch ihre hohe Elastizität aus, andererseits durch ihre Unempfindlichkeit gegenüber Wasser und Feuchtigkeit, Sonnenlicht, Einwirken von Temperaturen und Temperaturschwankungen, chemischen Einflüssen und Alterung. Damit eignen sie sich für Anwendungen in Umgebungen, an denen andere Klebstoffe scheitern: an Glasfassaden im Freien, in Sanitärbereichen, unter Wasser oder bei extrem hoher Temperaturbelastung wie im Backofenbereich.

Ihr hohes Rückstellvermögen macht sie zusätzlich zum Klebstoff der Wahl, wo Bewegungen auf die Klebestellen einwirken können. Hier haben sie ausgleichende Eigenschaften, was dazu führt, dass die Klebestelle auch bei Schub-, Scher- und Druckkräften nicht beschädigt wird und nach der Belastung wieder in die Ausgangslage zurückkehrt. Das ist ideal zum Beispiel für die Klebung im Glas- und Fensterbau, wo die Klebepartner sich aufgrund von Temperaturschwankungen unterschiedlich stark ausdehnen. Allerdings ist die maximale Klebfestigkeit von Silikon-Klebstoffen – verglichen mit anderen Klebstoffen – eher gering.

Hybrid-Klebstoffe: Zwischen zwei Welten

In Bereichen, wo Silikon nicht zur Anwendung kommen soll, gelten Hybrid-Klebstoffe als elastische Alternative mit ähnlichen spannungsausgleichenden Eigenschaften – auch wenn sie ein insgesamt geringeres Leistungsvermögen aufweisen und hohen Temperaturen nicht ebenso standhalten wie Silikon.

Hybrid-Klebstoffe sind ebenfalls sehr kerbfest und weisen eine hohe Weiterreißfestigkeit auf. Durch ihr gutes Haftungsspektrum selbst bei Wasserbelastung sowie die gute UV- und Witterungsbeständigkeit eignen sie sich für Klebungen im Innen- wie im Außenbereich und sind gut anstrichverträglich.

Dispersionsacrylat-Klebstoffe: Die günstige Alternative

Acrylat-Klebstoffe auf Dispersionsbasis sind überstreichbar und zeichnen sich darüber hinaus durch eine gute Klebfestigkeit aus. Jedoch bereits ihre UV-Beständigkeit ist verhältnismäßig gering und noch viel geringer sind ihre Temperatur- und Witterungsbeständigkeit, ebenso ihre spannungsausgleichenden Eigenschaften. Da Acrylat-Klebstoffe auf Wasser basieren, sind sie im nicht ausgehärteten Zustand frostempfindlich.

Schließlich schränkt auch die Tatsache, dass Acrylat-Klebstoffe stets einen saugfähigen Klebepartner benötigen, ihr Einsatzspektrum ein. Vorzugsweise in Innenräumen ist die Gruppe der Acrylat-Klebstoffe jedoch eine kostengünstige Alternative zu den übrigen Klebstoffen.

PU-Klebstoffe: Unschlagbar in puncto Haftkraft

Strukturelle Polyurethan-Klebstoffe sind für den Profi-Handwerker die Klebstoffgruppe der Wahl, wenn eine kraftschlüssige Klebung mit sehr hoher Festigkeit gefragt ist. Einkomponentige PU-Klebstoffe schäumen bei der Anwendung leicht auf, füllen so kleine Hohlräume unebener oder rauer Oberflächen und bieten damit optimale Voraussetzungen für eine zuverlässige Haftung.

Nach der Aushärtung lassen sich PU-Klebstoffe problemlos schleifen und überstreichen. Wegen ihrer geringen UV- und Temperaturbeständigkeit und der eingeschränkten Witterungsbeständigkeit sollten sie jedoch nur für Innen- und vor Wasser geschützten Außenanwendungen genutzt werden. Was die Klebfestigkeit angeht, gelten Klebstoffe auf PU-Basis unter Profis in Handwerk und Industrie als unschlagbar. Sie benötigen allerdings einen Stoff, der in Verdacht steht, die Gesundheit zu gefährden: Diphenyl­methandiisocyanat (MDI).