Podiumsdiskussion auf den Windays 2023 Stebler: "Wir müssen ein neues System schaffen."

Am 23. und 24. März fanden im Kongresshaus in Biel die 11. Windays statt. Mit auf dem Programm stand eine Podiumsdiskussion zum Thema Fachkräftemangel. An der Diskussionsrunde nahmen die Unternehmer Nicole Wenger (Wenger Fensterbau), Markus Stebler (Stebler Glashaus), Heinrich Hochuli (Hochuli Schreinerei) und Tom Sali (kohler + partner) teil.

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde tauschten sich zum Thema Fachkräftemangel aus. (v. li. Christoph Rellstab, Heinrich Hochuli, Markus Stebler, Nicole Wenger, Tom Sahli und Reinhold Kober) - © Kellner

Der Fachkräftemangel ist ein Thema, das alle in der Branche angeht. Neu dazugekommen ist auf Seiten der Arbeitgeber eine gewisse Flexibilität, die von Arbeitnehmern immer häufiger gewünscht wird. Arbeitszeitmodelle mit 32-Stunden-Woche stehen – gerade bei jüngeren Arbeitnehmern – hoch im Kurs. Doch wie schafft es die Fenster- und Glasbranche, diesen Anforderungen gerecht zu werden, wenn auf der anderen Seite die Auftragslage entsprechend hoch ist? Das war eine der Fragen, über die sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde im Rahmen der 11. Windays im schweizerischen Biel austauschten. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Christoph Rellstab und Reinhold Kober.

Hochuli: "Flexibilität ist nichts Neues."

"Dass Mitarbeiter eine gewisse Flexibilität fordern, ist für unseren Betrieb nichts Neues", sagteHeinrich Hochuli, der den Familienbetrieb, die Schreinerei Hochuli, nunmehr in dritter Generation leitet. "Wir sind ein Betrieb, der auf dem Dorf angesiedelt ist, und schon zu Zeiten meines Großvaters mussten wir flexibel sein. Unsere Mitarbeiter bestanden größtenteils aus Bauernjungen und wenn beispielsweise die Felder aufgrund des Wetters bestellt werden mussten, hatten wir uns anzupassen." Für kleine und kleinste Betrieb ist die Vereinbarkeit, die hier gefordert werde, seiner Meinung nach also nichts Neues – allerdings werde durch den Fachkräftemangel diese Diskussion weiter angeheizt. Denn diesen Bedarf hätten jetzt sehr viele – auch größere Unternehmen.

Nicole Wenger leitet Wenger Fenster mit einer Betriebsgröße von 120 Mitarbeitern. Während Hochuli als kleinerer Familienbetrieb auf jeden Mitarbeiter eingehen könne, stelle sie das vor Herausforderungen. "Für mich ist es schwierig, auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Mitarbeiters einzugehen", sagte Wenger. "Trotzdem haben wir uns sehr gut organisiert, gerade durch die Teilzeitarbeit. "Wo es zu Beginn noch schwierig war, Teilzeitmodelle umzusetzen, funktioniere das heute immer besser."

Individuelle Konzepte sind gefordert

Markus Stebler, der Inhaber von Stebler Glashaus, der mit seinem Unternehmen eher industrieller aufgestellt ist, arbeitet, wie er betont, in der Produktion sehr viel mit Frauen. Diese gleichen die flexibleren Arbeitszeiten der Männer aus, die zu einem großen Teil 80 Prozent arbeiten würden. Die Frauen arbeiten 40 bis 60 Prozent. "Durch die Frauen in der Produktion kann ich die fehlenden 20 bis 30 Prozent der Männer ausgleichen", erklärte Stebler. "Und ich muss ehrlicherweise zugeben, die Qualität der 40 Prozent ist teilweise besser als die der 80 Prozent. Aber es ist an manchen Tagen für den Produktionsleiter auch herausfordernd." Denn gerade Frauen fielen auch kurzfristig aus, etwa weil sie sich auch mal um ein krankes Kind kümmern müssten.

Mehr Möglichkeiten für Quereinsteiger schaffen

Abgesehen von flexibleren Arbeitszeitmodellen muss die Branche nach Ansicht von Christoph Rellstab (Berner Fachhochschule) mit den bestehenden Ressourcen besser umgehen, wenn die Branche etwas zur Energiewende beitragen soll.

Mehr Möglichkeiten für Quereinsteiger zu schaffen, sei eine Möglichkeit, wie Stebler erläuterte. "Denn unser Problem ist oft, die Leute wollen keine Lehre mehr machen, denn die kommen oft viel zu spät in den Beruf." In seinem Betrieb seien viele Mitarbeiter, die intern geschult und auf das entsprechende Niveau gebracht wurden. Diese hätten Freude an der Arbeit und dem Material, seien aber eigentlich nicht qualifiziert. "Und genau dort haben wir ein Problem. Wir müssen ein System schaffen, um diese Mitarbeiter abzuholen und mitzunehmen", appellierte Stebler weiter.

"Wir haben auch Probleme, junge Mitarbeiter zu finden, die eine Lehre machen wollen", sagte Wenger. "Die kommen dann später zu uns und stellen uns vor die Herausforderung, sie auf unser Niveau zu heben.“ Und nicht nur das sei ein Problem „Wir haben aktuell den Fall, dass eine Person eine Lehre bei uns machen wollte, aber das Geld zum Leben nicht ausreicht. Sie eignet sich das Fachwissen nun über uns an, ohne Lehre." Sie erklärte weiter, dass es auch für solche Personen Aufgaben und Funktionen gebe, die diese gut ausführen könnten. Es sei für ihren Betrieb eine gute Gelegenheit, Mitarbeitern eine Chance zu geben.

Tom Sali (kohler + partner) ergänzte, dass er es vielfach erlebe, dass Leute motiviert seien, in einem Betrieb arbeiten zu gehen, aber notwendige fachliche Qualifikationen nicht mitbringen. "Viele Betriebsinhaber sind dann gehemmt oder haben nicht die Kapazität, diese Leute auszubilden." Hier lägen ungenutzte Chancen, "denn wenn die Betriebsinhaber sich dort etwas mehr bewegen würden, könnten die Mitarbeiter und Betriebe gute Entwicklungen machen".

Den kompletten Artikel zu den Windays 2023 lesen Interessierte in der Maiausgabe der GFF.