Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) Winterfeld: "Der Trend geht zum industriellen Bauen."

Der Deutsche Fassadenpreis 2022 für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) hat einmal mehr gezeigt, dass der Innovationsgeist in dem Bereich groß ist. Im Interview erläutert Ronald Winterfeld, Geschäftsführer des Fachverbands Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF), welchen Stellenwert der Preis hat und wohin der Trend im Fassadenbau geht.

Ronald Winterfeld ist Geschäftsführer des Fachverbands Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF). - © FVHF

GFF: Auf welche Aspekte achtet die Jury, um zu ihrer Bewertung zu kommen?

Winterfeld: Als wesentlicher Bestandteil der Gebäudehülle erfüllt die Fassade besondere Aufgaben. Sie ist nicht nur die Haut eines Gebäudes oder die Schnittstelle, an der nahezu alle Gewerke zusammenkommen. Die prämierten Projekte müssen gestalterisch ästhetisch und im baukulturellen Kontext in besonderer Weise überzeugen. Wichtige ergänzende Kriterien für die Beurteilung beziehen sich auf besonders energieeffiziente und wirtschaftliche Lösungen, fachgerecht und qualitativ hochwertig ausgeführt, mit möglichst wirtschaftlichen und langfristig nachhaltigen Eigenschaften.

Welchen Stellenwert hat der Preis?

Winterfeld: Der Deutsche Fassadenpreis für VHF wurde durch den FVHF bereits zum 14. Mal vergeben und zeigt anhand der seit 1997 eingereichten Projekte die Entwicklungen im Fassadenbau und die Gestaltungsqualitäten der namhaftesten und innovativsten Architekturbüros in Deutschland.

Als unabhängiger Architekturpreis schafft er die Grundlage für die Publikation nachhaltiger, ästhetischer und baukulturell bedeutender Fassadenlösungen rund um VHF. Die Jury ist unabhängig in ihrer Entscheidung und fachlich immer sehr hochkarätig besetzt. Die Entscheidungen treffen u.a. Vertreter der Preisträger des vorherigen Fassadenpreis-Jahrganges, weitere Persönlichkeiten aus Architektur und Architekturjournalismus bzw. aus Forschung und Lehre. Den Vorsitz führte zum wiederholten Male Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur und Kooperationspartner des FVHF.

Welche Trends prägen den Fassadenbau? Was lässt sich aus den Einreichungen ableiten?

Winterfeld: Ganz aktuell ist der Trend zum industriellen Bauen. Hierbei geht es darum, schneller, qualitativ hochwertiger und kostensicherer zu bauen. Zu nennen sind hierbei die Aspekte Vorfertigung und das modulare bzw. auch das serielle Bauen, beides aber immer in Kombination mit individueller Fassadengestaltung. Ganz wichtig für den Erfolg sind ist dabei die Variabilität der gewählten Fassaden-Bauart und deren Komponenten in Bezug auf ihre gestalterischen und bauwerksintegrativen Möglichkeiten. Zu letzteren gehören vor allem die bauwerksintegrierte Photovoltaik oder Solarthermie und weitere funktionelle Möglichkeiten rund um die Reduzierung von Beeinträchtigungen aus der meist urbanen Umwelt wie z.B. durch Schall oder Schadstoffe aus der Luft.

Weitere Trends sind die Nutzung des Hinterlüftungsraums für die Integration von Gebäude- oder Entwässerungstechnik, die Nutzung aller Möglichkeiten rund um die Demontierbarkeit von Fassadenkomponenten, deren Wiederverwendung in neuen Fassaden oder ihre Rückführung in die Stoffkreisläufe.