Thomas Klode ist seit Mitte Juni Verbandsvorsitzender von Tischler NRW. GFF fragte den 49-jährigen Düsseldorfer nach Schwerpunkten und Zielen für die künftige Arbeit.
Bei der digitalen Mitgliederversammlung am 16. Juni haben die Delegierten der Tischler-Innungen in Nordrhein-Westfalen Thomas Klode mit großer Mehrheit zum neuen Verbandsvorsitzenden gewählt. Er tritt die Nachfolge von Rainer Söntgerath an.
"Eine der großen Herausforderungen wird es sein, den digitalen Wandel unseres Berufes zu begleiten“, sagte Kluge unmittelbar nach der Wahl. Ebenso sei die Gewinnung von geeigneten Nachwuchskräften für ihn ein großes Thema.
Digitaler Wandel
Auf GFF-Nachfrage erläuterte Klode seine Pläne genauer. Zum Thema digitaler Wandel sagt er: "Die Digitalisierung bedeutet aus meiner Sicht in erster Linie eine Optimierung von Prozessen. Eine CAD-gestützte Planung und Zeichnung ermöglicht es beispielsweise, den Kunden eine genauere Vorstellung von ihren späteren Produkten zu geben. Eine digitale Lagerverwaltung spart Zeit und Kosten. Und mithilfe von CNC-Technik sind wir in der Lage, Dinge zu fertigen, die wir so früher nur sehr schwer oder gar nicht realisieren konnten.“
„Auf der anderen Seite führt die Digitalisierung nicht nur bei uns im Handwerk, sondern auch in der industriellen Fertigung zu neuen Möglichkeiten – das gilt im Bereich Möbel genauso wie im Bereich der Bauelemente. Die individuelle Fertigung ab Losgröße 1 ist hier nur ein Beispiel. Sich hier als Handwerk mit Beratungskompetenz, besonderen Produkten und speziellen Dienstleistungen am Markt zu behaupten, ist eine der großen Herausforderung für die Zukunft.“
Arbeitsabläufe digital verzahnen
"Außerdem wird es in den nächsten Jahren eine unserer Aufgaben als Verband sein, die Betriebe dabei zu unterstützen, die Arbeitsabläufe digital miteinander zu verzahnen – vom Aufmaß über das Lager und die Produktion bis hin zur Endmontage. Die Planung mit CAD und die Fertigung mithilfe von CNC-Technik beispielsweise gehört für viele Betriebe schon zum Alltag. Doch vielfach sind das derzeit Insellösungen im Bereich der Digitalisierung. Hier möchten wir als Fachverband dabei unterstützen, die gesamte Prozesskette zu optimieren.“
Fachkräfte suchen und finden
Zum Thema Nachwuchsgewinnung sagt er: "Wenn es um die Suche nach Auszubildenden geht, stehen wir im Tischlerhandwerk im Vergleich mit manch anderem Handwerk noch einigermaßen gut da. Viele Betriebe jedoch haben in den vergangenen Jahren gespürt, dass es immer schwieriger wird, genügend oder auch die passenden Auszubildenden zu finden. Mit unserer auf Bundesebene organisierten Nachwuchskampagne Born2BTischler bzw. Born2BSchreiner versuchen wir seit fast zehn Jahren, junge Menschen für das Tischlerhandwerk zu begeistern.“
"Neben einer zentral organisierten und gerade neu aufgelegten Webseite sowie einem Azubi-Blog sind es vor allem die Aktivitäten der Innungen vor Ort, die für die Ansprache der Jugendlichen enorm wichtig sind. Ob der Besuch in Schulen, die Teilnahme an Berufsmessen oder einfach Betriebspraktika: Mit ganz vielen Kolleginnen und Kollegen sprechen wir immer wieder gezielt die jungen Menschen an, um ihnen überhaupt erst einmal die Option für Ausbildung im Handwerk aufzuzeigen. Denn vielfach wird das Studium immer noch als Nonplusultra für eine berufliche Karriere angesehen.“
Zahl der Ausbildungsbetriebe sinkt
"Ein anderes Problem, dass wir bei uns im nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerk beobachten, ist die kontinuierlich sinkende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe. 2.152 Ausbildungsstätten gab es im nordrhein-westfälischen Tischlerhandwerk im Jahr 2020. Das ist ein neuer Tiefststand. Vor zehn Jahren lag die Zahl noch über 2.500. Die Kolleginnen und Kollegen zu motivieren und ihnen die Wichtigkeit der Ausbildung immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, sehe ich ebenfalls als eine der zentralen Aufgaben für die nächsten Jahre.“
