Virtueller Asbestgipfel von GFF und GFF BW Altlast Asbest – das müssen Sie wissen

Auch das Glaserhandwerk ist von Asbest-Altlasten betroffen. In einem Zoom-Meeting mit GFF haben Jan Eiermann, technischer Berater beim Fachverband GFF BW, sowie die Glasermeister Wolfgang Gastel und Thomas Wagner die dringendsten Fragen geklärt.

Asbest beseitigen
Achtung, Asbest: Fensterbauer müssen das Thema auf dem Schirm haben. - © RioPatuca Images – stock.adobe.com

Lesen Sie hier, ergänzend zum Heftbeitrag in Ausgabe 3/21, was sich die Experten bzgl. der Asbestproblematik von der Politik erwarten und wie der Stand ist, für den Fenstertausch ein emissionsarmes Verfahren zu erarbeiten.

Verfahren für den Fenstertausch: Das ist Stand der Dinge

Der GFF BW bemüht sich gemeinsam mit anderen Verbänden darum, ein emissionsarmes Verfahren für den Fenstertausch zu erarbeiten. Wie Eiermann erläutert, strebe man ein Verfahren mit Maschinenunterstützung an. „Ein händisches Verfahren ist für einzelne Fenster sinnvoll, aber nicht, wenn das gesamte Haus neue Fenster braucht“, sagt der technische Berater. Die Herausforderung bei der Erarbeitung des maschinellen Verfahrens liege darin, dass trotz Maschineneinsatz – klassischerweise kommen elektrischer Fuchsschwanz und/oder Trennschleifer beim Fensterausbau zum Einsatz – die Faserfreisetzung bei Ausführung der Tätigkeiten unterhalb von 10.000 Fasern pro Kubikmeter bleibt. "Wir brauchen ein Verfahren, das möglichst wenig in den Putz eingreift", sagt Eiermann. Die Arbeiten an dem Verfahren, das geprüft und anerkannt werden muss, seien wegen Corona in Stocken geraten.

(Noch) keine Beweise für Nord-Süd-Gefälle

Zudem hat es sich bislang als schwierig erwiesen, asbestbelastete Objekte zu finden, an denen man ein Verfahren hätte testen können. Von einem Nord-Süd-Gefälle bei der Asbestbelastung war sogar schon die Rede. Hier mahnen die drei Experten allerdings zur Vorsicht. "Für diese Annahme fehlen belastbare Beweise", sagt Gastel. Insgesamt werde zu wenig getestet. "Bei dem Gefälle handelt sich um eine Momentaufnahme, das kann auch Zufall sein." Aus diesem Grund müssen Handwerker im Süden genauso achtsam vorgehen wie die Kollegen im Norden, wenn sie an entsprechend alten Gebäuden im Einsatz sind. Dass auch sie geschult bzw. sensibilisiert sein müssen, versteht sich von selbst.

Und was erwarten sich die Experten von der Politik?

Gastel hofft, dass die Politik nicht in Aktionismus verfällt mit Vorschriften, die nicht mit dem Handwerk abgesprochen sind und ein "heilloses Durcheinander" zur Folge hätten. "Die Politik soll die übergeordneten Leitlinien vorgeben. Die gewerkespezifische Ausarbeitung von Regeln und Vorgehensweisen muss aber dem jeweiligen Handwerk überlassen bleiben", sagt Gastel. "In der Praxis kennen wir uns am besten aus."

Wagner stimmt zu. "Wir brauchen eine in der Praxis umsetzbare Regulatorik – und das gelingt nur in Abstimmung mit den Praktikern." Mut mache der vonseiten der Politik einberufene Nationale Asbestdialog, bei welchem explizit auch die Meinung von Berufsverbänden gefragt war. "Die Politik hat hier die interessierten Kreise zusammengeführt. Das war gut geplant und umgesetzt", ergänzt Eiermann. Die zuständigen Ministerien und Fachgremien wollen das Feedback der Dialogpartner in ihre Entscheidungen einbeziehen.