Knittel Glas kooperiert mit Lattuada Günther: "Einzelfertigungen sind ein wachsender Zukunftsmarkt."

Die Abteilung Engineering von Knittel Glas entwickelt Automatisierungssysteme mit einem oder zwei Robotern für die Flachglasindustrie. In Kooperation mit Lattuada wurde jetzt erstmals eine Linie mit drei Robotern aufgebaut. Welches Potenzial in der Technologie steckt, erläutert Dipl.-Ing. Jochen Günther, Leiter Maschinenbau bei Knittel.

Dipl.-Ing. Jochen Günther ist Leiter der Abteilung Maschinenbau bei Knittel Glas in Bielefeld. - © Friedrichs

Das Spezialgebiet der Abteilung Engineering von Knittel Glas ist die Integration von Robotertechnologie in die Glasverarbeitung. Dabei sind sowohl Einzelstationen als auch ganze Prozesslinien automatisierbar. Seit 2002 hat das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Bielefeld etwa 150 Automatisierungssysteme in der Glasindustrie aufgebaut. Die Erfolgsformel: Ein Standardroboter wird mit Modulen, z.B. zum Säumen, Schleifen und Polieren von Flachglas, sowie spezieller Software kombiniert, um die Linie an die individuellen Kundenanforderungen anzupassen. Auch bestehende Anlagen lassen sich für eine höhere Produktivität und mehr Kapazitäten automatisieren.

Jedes Werkstück wird einzeln vermessen

Seit vielen Jahren kooperiert Knittel Glas mit dem italienischen Maschinenhersteller Lattuada. Jetzt haben beide Partner eine Linie entwickelt, die erstmals zwei Kantenschleifmaschinen mit drei Robotern kombiniert. Dabei bringt Knittel Glas das Know-how im Bereich der Konstruktion und Programmierung sowie die Technik der Roboter von Kuka ein. "Anlagen mit einem oder zwei Robotern haben wir bereits realisiert", erläutert Dipl.-Ing. Jochen Günther, Leiter Maschinenbau bei Knittel, beim Vorort-Besuch von GFF. "Neu bei dieser Linie ist die Integration von drei Robotern – einem Messroboter sowie zwei Zufuhr- und Wenderobotern." Die Linie verarbeitet Abmessungen bis maximal 2,80 mal 3,20 Meter und Glasdicken von zwölf Millimeter. Die Tragkraft der Roboter beträgt 300 Kilogramm. Dank der Vermessung jedes einzelnen Werkstücks lassen sich der Anlage Scheibenformate mit verschiedenen Glasdicken und Oberflächenstrukturen zuführen – in beliebiger Reihenfolge. Die zwischen den Schleifmaschinen installierten Roboter steuern das Be- und Entladen sowie den Weitertransport der Scheiben. Durch die Loopfunktion wird die Scheibe um 90 Grad gedreht, ehe sie der zweiten Maschine zugeführt wird. "Das System ist optimal für Losgröße eins", sagt Günther. "Die Einzelfertigungen sind ein wachsender Zukunftsmarkt in der Glasindustrie."

Eine überzeugende Alternative zum klassischen Vierseiter

Laut Günther amortisiert sich der Einsatz solcher Robotersysteme oft schnell – dank geringerer Produktionskosten, des höheren Automationsgrads, der Verbesserung der Lieferfähigkeit und der Reduzierung der Rüstzeiten um bis zu 40 Prozent. Zudem erfordere die Bedienung weniger Personal und werde der Bediener körperlich entlastet. "Die Knochenarbeit verrichtet die Maschine", sagt der Experte. Ein weiteres Kriterium sei die Erhöhung der Leistungsdichte. "Durch den gestiegenen Wettbewerbsdruck ist der Leerlauf eine Katastrophe für die Glasindustrie", weiß Günther. Ein Jahr lang hat der Diplom-Ingenieur mit seinem Team an dem System getüftelt. Nach der erfolgreichen Testphase bei Knittel folgen der Abbau und die Auslieferung an einen Kunden in der Schweiz. "Zurzeit schaffen wir mit einer Abmessung von einem mal einen Meter eine Schleifleistung von 272 Meter in der Stunde mit Eckenstoßen – das entspricht 68 Glasscheiben", sagt Günther über den aktuellen Stand. Im Format von zwei mal einen Meter liege die derzeitige Schleifleistung inklusive Eckenstoßens bei 376 Meter pro Stunde. Das entspreche einer Kapazität von 62 Elementen. "Wir arbeiten weiter an der Optimierung der Anlage, aber die Ergebnisse zeigen bereits jetzt, dass wir mit unserer Lösung eine leistungsfähige Alternative zum klassischen Vierseiter haben."

Den vollständigen Beitrag über die Automatisierungssysteme von Knittel Glas lesen Sie in der Januarausgabe von GFF .