Die Glaserei Doerfert im niedersächsischen Salzgitter blickt auf eine 100-jährige Tradition zurück. Mittlerweile wird der Betrieb in dritter Familiengeneration geführt und auch die vierte steht bereits in den Startlöchern. Das Besondere: Mit den beiden Glasermeisterinnen Andrea Thomann und ihrer Tochter Lina ist die Glaserei fest in Frauenhand.
Die Glaserei wurde im Jahr 1919 von Glasermeister Friedrich Doerfert gegründet. Zunächst war er in Breslau tätig, nach dem Zweiten Weltkrieg baute er den Betrieb im niedersäschsischen Salzgitter neu auf.
Auf und Ab über drei Generationen hinweg
1968 trat Doerferts Tochter Ute Dolberg in seine Fußstapfen. "Meine Mutter musste den Betrieb übernehmen", erklärt Andrea Thomann, die Tochter von Ute Dolberg und jetzige Inhaberin der Glaserei, beim Werkstattbesuch von GFF. "Sie hatte fünf Geschwister, aber mein Großvater traute ihr die Leitung am ehesten zu." Damals habe die Glaserei rote Zahlen geschrieben, doch mit viel Willensstärke sei es Dolberg gelungen, sie wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen. "Das war hart", erinnert sich die Firmenchefin, die – wie sollte es anders sein – in der Werkstatt großgeworden ist. Nach dem Abi entschied sie sich zunächst für eine kaufmännische Ausbildung, die sie aber schon bald darauf abbrach, um sich dem Familienbetrieb zuzuwenden. Es folgte die Glaserlehre mit anschließender Meisterprüfung. Als Thomanns Mutter im Jahr 2014 plötzlich verstarb, war sie gezwungen, die Geschäfte alleine weiterzuführen. Unterstützung erhielt sie von ihrem Mann Martin Thomann, der als Bautechniker und Zimmermann die technische Leitung des Betriebs innehat. "Das waren schwierige Zeiten, eine Übergabe hatte noch nicht stattgefunden", sagt die Seniorchefin rückblickend. Wie sie es dennoch schaffte, die Glaserei am Laufen zu halten, weiß sie heute selbst nicht mehr. Aber eines sei sicher: Sie habe daraus gelernt und das sei vor allem in Hinblick auf die künftige Übernahme durch ihre Tochter Lina wichtig. Die 25-Jährige hat nach ihrer Glaserausbildung gerade den Meisterkurs in Hadamar erfolgreich absolviert.
Mutter und Tochter – ein eingespieltes Duo
Das Erfolgsrezept des Sechs-Mann-Betriebs: Mutter und Tochter ziehen an einem Strang und setzen auf eine familiäre Atmosphäre. In der Region hat sich die Glaserei mit einem breiten Portfolio einen Namen gemacht, das von Vordächern, Spiegeln, Duschen und Türen über Reparaturverglasungen, Rollläden, Markisen, Insektenschutz sowie den Fenstereinbau bis hin zu Ganzglasanlagen und Bildereinrahmungen reicht. Die Auftragslage bezeichnet die Seniorchefin als gut, in Corona-Zeiten habe das Unternehmen u.a. mit der Montage von Glasabtrennungen für Arztpraxen oder Büros seine Nische gefunden. Obwohl das Glasergewerk nach wie vor eine Männerdomäne sei und man sich so manches Mal im Gespräch mit Architekten, Kunden oder Kollegen auf der Baustelle behaupten müsse, bereuen beide Frauen ihre Berufswahl nicht. "Man wird zwar nicht in Watte gepackt, aber der Beruf macht Spaß. Wir würden immer wieder so entscheiden“, sagen sie einstimmig.
Den vollständigen Bericht über die Glaserei Doerfert lesen Sie in der Oktoberausgabe von GFF .
