Glasbranche und Corona Arnold: "Wir müssen dem Nachbarn die helfende Hand reichen."

Mehr als vier Stunden hat Unternehmer Hans-Joachim Arnold (57) Anfang September dem GFF-Reporter beim Exklusivinterview in Remshalden gewidmet. Die wichtigste Erkenntnis in Sachen Corona: "Staatshilfen alleine bringen uns nicht durch die Krise. Wir schaffen es, wenn wir dem Nachbarn die helfende Hand reichen."

Dass Hans-Joachim Arnold (57) im Jahr 1994 den Weg zu den gleichnamigen Glaswerken fand, schien zu Beginn keineswegs ausgemacht. Nach einem Studium in BWL und Verfahrenstechnik war der heutige Aufsichtsratsvorsitzende zunächst bei einem Schweizer Klima-, Sanitär- und Medizintechnik-Hersteller tätig. - © Kober

Bis auf zwei Standorte ist die Arnold Gruppe, die vollständig konsolidiert um die 120 Millionen Euro umsetzt, bei kontinuierlicher Aufrechterhaltung der Produktion "mit einem blauen Auge" durchs bisherige Coronajahr gekommen, berichtet der 57-jährige Aufsichtsratsvorsitzende. An allen anderen Werken hätten die Arbeiter unter Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte wie des Mindestabstands wenigstens im Zweischichtbetrieb weiterproduziert. Aber nicht nur das: Der Unternehmer weiß, wann es an der Zeit ist, zu investieren und kündigt für die nächsten zwei, drei Jahre eine groß angelegte Offensive von zehn bis 15 Millionen Euro an (über einzelne Punkte des Investitionsprogramms lesen Sie exklusiv in GFF 10; das Heft kommt am 9. Oktober). Doch Arnold ist auch BF-Präsident und abgesehen davon keiner, der nur auf sich schaut, auch wenn er sagt: "Wenn du gut durch die Krise kommen willst, musst du das Geld zusammenhalten."

Misstöne stören Musikfreund

Im GFF-Interview begrüßt er besonders die vielen Aktivitäten des Verbands, der insbesondere am Weg von Onlinekonferenzen Zug um Zug wieder für regelmäßigen Austausch auf allen Ebenen sorgt: "Ausdrücklich machen hier Jochen Grönegräs und die Geschäftsstelle einen super Job", lässt er sich zitieren. Tatsache sei, dass neben den drängendsten Sachthemen die Kommunikation in Zeiten, in denen alle mit einer neuen Situation konfrontiert seien, eine bedeutende Rolle spiele: "Unlängst haben wir uns eine Stunde im Vorstandskreis virtuell ausgetauscht. Dabei stand im Anschluss bei allen das Gefühl im Vordergrund, in einem Boot zu sitzen." Nochmals bekräftigte Hans-Joachim Arnold, der als leidenschaftlicher Hobbymusiker auch auf die eine oder andere Form der Zerstreuung verzichten muss, seine explizite Kritik an den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Stattdessen appelliert er einmal mehr an den Gemeinsinn: "Nicht die Staatshilfen sind es, die uns am Ende da durchbringen werden. Sondern wenn wir mal links und rechts zum Nachbarn rüberschauen und ihm die helfende Hand reichen", lautet seine Antwort auf die Frage, wie es nach Corona weitergehe.

GFF druckt in der Oktoberausgabe auf zwei Seiten ein Wortlautinterview zum Gespräch u.a. über Photovoltaik am Fabrikdach und in der Produktrange und Investitionen in Krisenzeiten.