Wie ein großer Glashersteller die Coronakrise meistert Arnold: "Mein Vater hat ganz andere Zeiten erlebt."

Deutlich relativiert hat Hans-Joachim Arnold die aufkommende Kritik an den Corona-Maßnahmen: "Ich möchte bestimmt nicht in der Haut der Politiker stecken", sagte der Geschäftsmann am GFF-Telefon.

Hans-Joachim Arnold ist Member of the Board bei den Glaswerken Arnold sowie seit gut einem Jahr ehrenamtlicher Präsident des BF. - © Glaswerke Arnold

Zunehmend gehen Menschen auf die Straße, die gegen die von der Politik ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Anfang des Jahres ausgebrochenen Coronakrise protestieren, unter anderem in Stuttgart. Nicht weit davon entfernt, in Remshalden an der Murr, vertritt der Inhaber eines der größten deutschen Glashersteller eine andere Meinung – und relativiert: "Mein Vater, Alfred Arnold (er hätte 2019 seinen 100. Geburtstag gefeiert; d. Red.), kam 1945 verwundet aus dem Krieg nach Hause, ohne was zum Essen, ohne Wohnung. Und wir beschweren uns, wenn wir mal für ein paar Wochen nicht jeden anhusten dürfen." Zumal wolle er, Hans-Joachim Arnold, sich den Schuh nicht anziehen – wie in der Diskussion gefordert – in ein Altenheim zu gehen, um den Menschen dort klarzumachen, es seien Werte abzuwägen und infolgedessen ihr Schutz nicht mehr oberste Priorität: "Das entspricht nicht meinem Weltbild."

"90, 95 Prozent der Möglichkeiten decken wir ab."

Wie hat sich sein Unternehmen, das er als Vorsitzender des Aufsichtsrats, gleichsam Member of the Board, begleitet, an den zehn Standorten auf die Situation eingestellt? "90, 95 Prozent der Möglichkeiten, die wir zuvor ausgeschöpft haben, decken wir ab, mit Webinaren oder zum Beispiel für unsere US-amerikanischen Partner Onlinealternativen zu den dort beliebten Learn & Lunch-Formaten für Fassadeningenieure, Architekten– natürlich mit HomeOffice, geteilten Schichten und Abstandsregelungen in der Fertigung", sagt der Geschäftsmann. Es ist deutlich spürbar, dass Arnold versucht, der Lage etwas Positives abzugewinnen: "Zum Beispiel als Verband BF spüren wir für diverse Themen wieder eine neue Aufmerksamkeit. Und wir alle haben gelernt, die technischen Optionen, die bereitstehen, noch mehr zu nutzen." Wer den Unternehmer kennt, der weiß, dass dessen ungeachtet der persönliche Austausch und das gemeinsame Engagement in- und außerhalb der Branche zentrale Elemente seines Wirkens sind.

GFF hat am 4. Juni am Onlineanlass des Bundesverbands Flachglas als Ersatz für das entfallene Fachpressegespräch in Kloster Hornbach teilgenommen und berichtet über die wichtigsten Aussagen in seiner großen Sommerausgabe 7-8/20 ab dem 3. Juli. Mit Hans-Joachim Arnold haben wir vorab telefoniert.