Alles im Kasten Die Sanierung von Kastenfenstern

Die guten Gebrauchs- und Funktionseigenschaften und die ästhetischen Vorzüge sprechen für den Erhalt von Kastenfenstern. GFF erläutert, welche Möglichkeiten es gibt, solche Konstruktionen energetisch zu sanieren.

Eine Kunst für sich: Es lohnt sich, bestehende Kastenfenster energetisch zu ertüchtigen. - © Tischlerei Hager

Kastenfenster aus Holz gehören seit mehr als 200 Jahren zu den prägenden Elementen verschiedener Baustile und -epochen. Der Fenstertyp besteht konstruktiv aus zwei hintereinander angeordneten Einfachfenstern, die ein Holzfutter verbindet. Beide Flügel sind voneinander unabhängig und weisen getrennte Verschlussmöglichkeiten auf. Die innere Ebene öffnet generell nach innen, an der äußeren Ebene sind je nach Ausführungsvariante beide Öffnungsrichtungen zu finden.

Sanierung – innere Ebene tauschen

Entstanden ist das Kastenfenster aus einem einfachen Bedürfnis. "Das Ziel war es, die Wärme im Raum zu halten", sagt Ing. Andreas Hager, Inhaber der gleichnamigen Tischlerei in Auersthal nahe Wien, der als Tischler in der vierten Generation das überlieferte Wissen weiterträgt. Nach seinen Angaben zeichnen sich Kastenfenster neben der gesteigerten Wärmedämmung u.a. durch den effektiven Schallschutz sowie die schmalen Rahmen aus. Hinzu komme deren Dauerhaftigkeit. "Durch die Einfachheit und die Reparierbarkeit sind Kastenfenster für mich allen anderen Fensterkonstruktionen überlegen", drückt Hager seine Faszination aus. Beispielsweise seien durch die Einfachheit in der Ausführung nach wie vor die Ersatzteile für die Fenstertriebe und Bänder verfügbar; die Fenster ließen sich somit nach 100 Jahren reparieren.

Für die energetische Sanierung hat die Tischlerei Hager ein eigenes System entwickelt. "Wir empfehlen Kunden den kompletten Tausch der inneren Ebene", sagt Hager. Das sei sinnvoller, als z.B. in bestehende Flügel Dichtungsnuten einzufräsen und/oder Isolierglas einzusetzen. Hager nimmt aus dem bestehenden Kastenfenster die innere Ebene mit Flügeln und falzbildender Leiste komplett heraus und setzt das neu gefertigte Rahmenfenster wieder ein. "Wir haben dann zwei umlaufende Dichtungen und eine Isolierverglasung auf der inneren Ebene und verlieren pro Seite nur zirka zehn Millimeter an Glaslichte im Vergleich zum Originalprofil", erläutert er. Die äußere Ebene setzt er instand und versieht diese mit einem Renovierungsanstrich. Ein Vorteil dieses Vorgehens sei es, dass sich so fast die gleichen Werte erreichen ließen, als würde man das Kastenfenster komplett austauschen – ohne kostenintensive bauliche Eingriffe am Mauerwerk. "Man bekommt mit relativ einfachen Mitteln ein zeitgemäßes Fenster mit entsprechenden U-Werten", führt der Fachmann aus.

Renovieren, statt zu ersetzen

Ganz ähnlich geht Bernt Janssen von der Berliner Tischlerei Janssen vor. Während er die Außenflügel repariert und mit einem neuen Anstrich versieht, ersetzt er die Innenflügel durch neu gefertigte profilierte Flügel mit Isolierverglasung. "Durch die neuen isolierten Innenflügel profitiert der Kunde sowohl von Energiekosten-Einsparungen als auch von der deutlich verringerten Schallentwicklung", sagt Janssen. Zur Montage der Flügel arbeite er lediglich andere Bänder und Verschlussstücke in den vorhandenen Rahmen ein; die Fensterlaibung werde nicht beschädigt und bleibe erhalten – wie die Außenansicht.

Janssen hält das Kastenfenster nicht nur aus ästhetischen Gründen für ein sehr gutes System. Er plädiert dafür, bestehende Fenster aufarbeiten zu lassen, anstatt sie z.B. durch moderne Isolierglasfenster zu ersetzen. "Man muss nicht immer alles herausreißen. Kastenfenster sind ein nachhaltiges Produkt und lassen sich prima renovieren und energetisch instand setzen."

Runderneuerung nach dem VFF-Leitfaden

Das sieht auch Bastian Timm, Teil der Geschäftsführung der Berliner Firma Hans Timm Fensterbau, so. "Kastenfenster weisen sehr gute Gebrauchs- sowie Funktionseigenschaften auf. Es hat sich gezeigt, dass eine energetische Modernisierung sehr gut möglich ist." Die Firma Timm hat sich auf die ganzheitliche Runderneuerung spezialisiert; die erforderlichen Arbeitsschritte sind im VFF-Leitfaden HO.09 beschrieben. Wie Bastian Timm betont, seien an der Runderneuerung mehrere Gewerke beteiligt (Tischler, Maler, Glaser, Klempner). Spezialisierte Fensterbaubetriebe sollten die Arbeiten bei einer anstehenden Kastenfensterrunderneuerung übernehmen. Es bestehe die Möglichkeit, nur die äußere Fensterebene zu erneuern und sie mit einer neuen inneren Vorsatzfensterebene zu ergänzen.

Fazit: Es zahlt sich aus

"Im Ergebnis entstehen bauzeitliche Fensterkonstruktionen mit verbesserter Wärmeschutz-, Schallschutz- und Witterungsschutz-Funktion. Die Gebrauchs- und Funktionseigenschaften sowie der ästhetische Wert bleiben erhalten", sagt Timm. Die Runderneuerung sei eine Maßnahme, die sich kurzfristig auszahle. Neben der eingesparten Heizenergie verringerten sich die laufenden Instandhaltungskosten durch die umfassende Sanierung auf das Niveau bei Neukonstruktionen.

Wissen Sie, was ein Geißfußfenster ist? Alles Interessante zur Geschichte und Sanierung des Kastenfensters lesen Sie in der GFF-Ausgabe 5-6/20, die am 22. Mai erscheint.