Von Montage über technische Unterstützung bis Automatisierung An welchen Schrauben dreht die Beschlagbranche?

Wohin gehen die Entwicklungen beim Beschlag? Was wünschen sich Verarbeiter von ihren Lieferanten? Welche Themen beschäftigen die Branche auf EU-Ebene in Brüssel? GFF liefert Antworten.

Fekke van Dijk ist Geschäftsführer von Maco Deutschland. - © Maco

Wohin geht die Entwicklung beim Beschlag? Laut Fekke van Dijk, Geschäftsführung Maco Beschläge in Schöllnach, sind dabei verschiedene Aspekte zu betrachten:

  • Technik zur Serviceunterstützung: "Die technische Entwicklung geht dahin, Kunden mit vorkonfigurierten Baukastensystemen logistisch zu unterstützen und auszustatten: fertig kommissionierte Beschlagszusammenstellungen, die dem Verarbeiter das tägliche Leben erleichtern", sagt van Dijk. Wichtig seien diese Schritte im Hinblick auf Service. "Damit unterstützen wir unsere Kunden, damit sie am Ende des Tages ihre Wertschöpfung erhöhen: sei es durch einfache und schnellere Verarbeitung oder reduzierte Wartungsarbeiten."
  • Montage und Bauanschluss: Größere Entwicklungen als am Fenster erwartet van Dijk bei den Themen Montage bzw. Bauanschluss. Sie seien die größte Fehlerquelle im Prozess und beschäftigten alle beteiligten Gewerke. "Hierfür braucht es Lösungen, die einfachen Einbau ermöglichen." Besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel sei es wichtig, jegliche Fehlerquellen auszuschließen. "Für die Beschläge bedeutet das, größere Toleranzen zu kalkulieren und mit so wenig Einstellarbeiten wie möglich fehlerfrei montieren zu können: plug & play sozusagen."
  • Öffnungsarten: manuell oder automatisch : Um bei plug & play zu bleiben – dieses Thema wird sich van Dijk zufolge hinsichtlich der Öffnungsarten mehr durchsetzen als diese selbst. "Kippen und ganz öffnen – ob nach innen oder nach außen – ist abhängig von Land und Kultur – daran wird sich nicht viel ändern. Aber der Frage, ob das Öffnen manuell oder automatisch geschieht, stellen wir uns." Dass sich die Welt in diese Richtung entwickeln wird, steht laut van Dijk außer Zweifel. "Wir bereiten uns daher vor." Automatisierte Elemente nehmen seiner Erfahrung nach in allen Lebensbereichen zu und werden am Fenster nicht Halt machen. Besonders die junge Generation – Z oder digital natives genannt – werde diese Entwicklung rasant vorantreiben.

    "Sie sind seit Geburt an von Gadgets und Devices umgegeben, die sie auf Knopfdruck mit Informationen und Komfort umsorgt, so dass ihnen viele alltägliche Dinge als trivial und unwichtig erscheinen." Regelmäßiges, natürliches Lüften sei so ein Beispiel. "Was für uns heute Zukunft ist, wird morgen Alltag und völlig selbstverständlich sein: Lüften auf Knopfdruck, von unterwegs aus, zu fixen Zeiten oder spontan bevor man heimkommt", sagt van Dijk. Und weiter: "Warum sollen nur die Rollläden auf Knopfdruck aufgehen und nicht das ganze Fenster? Was im Hebeschiebe-Bereich schon Standard ist, muss doch auch am Fenster möglich sein."

Was wünschen sich die Verarbeiter?

Das ist laut van Dijk ganz einfach: "Kunden wollen Qualität und pünktliche Lieferung und für Rückfragen einen kompetenten Ansprechpartner, der erreichbar ist." Das seien die wichtigsten Eckpfeiler. Was Maco an Extra-Services liefert, werde geschätzt und je nach Bedarf angenommen. Aktuell rollt das Unternehmen in Deutschland mit der MacoAcademy das CE4All aus. "Die Online-Plattform macht Verarbeiter leistungsfähiger und sichert sie rechtlich ab: Sie werden durch den Dschungel der CE-Kennzeichnung geführt, aber auch sensibilisiert, was in dem Prozess alles berücksichtigt werden muss", sagt van Dijk. Bei der Vorstellung auf den Salzburger Sicherheitstagen seien viele Teilnehmer erstaunt gewesen, was in diesem Prozess steckt, aber auch welche Chancen sie damit in der Kundenberatung und Planung für maßgeschneiderte Elemente haben.

Jens Busse, der Roto-Mann für Brüssel

Die Wünsche der Maco Kunden decken sich mit denen der Roto Verarbeiter. "Roto Kunden wünschen und bekommen vor allem Produkte, die sie in ihrer Fertigung einfach und effizient verarbeiten können und die dann sehr lange zuverlässig funktionieren", sagt Jens Busse, Direktor Kunden und Märkte D/A/CH, Mittel- und Osteuropa bei Roto Frank Fenster- und Türtechnologie. Außerdem werden nach seinen Angaben die Beschläge bedarfsgerecht zeitpunktgenau geliefert. "Auch das wird in unseren regelmäßigen Befragungen kundenseitig immer sehr hoch priorisiert." Ein weiterer wichtiger Aspekt für Fensterhersteller sei die technische Unterstützung. "Deshalb organisieren wir uns bei Roto so, dass wir dann für den Kunden da sind, wenn er uns braucht, sei es für technischen oder kaufmännischen Rat."

Jens Busse, Direktor Kunden und Märkte D/A/CH, Mittel- und Osteuropa der Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH - © Roto

Neben seiner Funktion bei Roto ist Jens Busse siet Kurzem neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Verbände der europäischen Schloss- und Beschlagindustrie (ARGE). "Die an der Erschaffung und der Veränderung von europäischen Regeln beteiligten Organisationen brauchen einen Dialogpartner in der Industrie. Diese Rolle übernimmt die ARGE als Dachverband", sagt Busse. Sie fasse die Interessen der gesamten europäischen Industrie zusammen.Themen, die laut Busse auf europäischer Ebene angegangen werden, sind u.a.:

  • Smarte Türschlösser: Wie können elektronische Türschlösser zertifiziert werden? Wie sicher sind verschiedene Klassen und wie unterscheiden sich diese voneinander?
  • Environmental Product Declaration (EPDs): Welche Angaben enthalten unsere EPDs in Zukunft? Soll es eine Branchenlösung geben, die die Mitgliedsunternehmen nutzen können? Ist eine EPD zukünftig vielleicht ganz einfach online erhältlich?
  • Sollten Türkomponenten noch der CE-Kennzeichnungspflicht unterliegen? Ist es nicht besser, wenn die gesamte Tür gekennzeichnet ist und nicht die Komponente? Denn letztlich interessiert die Leistung des gesamten Elements. Das einzelne Bauteil kann nur im Zusammenspiel mit den anderen Komponenten die gesamte Leistung sichern.