Fit für die Herausforderungen der Zukunft Kemner: "Die Digitalisierung revolutioniert den Fensterbau."

Dipl. Ing. (FH) Rainer Kemner beschäftigt sich mit der Zukunft des Handwerks: "Die Digitalisierung revolutioniert die Geschäftsbeziehungen und Kommunikationswege wie einst die Erfindung der Dampfmaschine", sagt der Ingenieur. Was bedeutet das für den Fensterbau?

Dipl.-Ing. (FH) Rainer Kemner unterstützt Handwerksbetriebe dabei, Arbeitsprozesse zu digitalisieren und Geschäftsmodelle neu zu denken. - © Friedrichs

"Damit Fensterbauer der zunehmenden Komplexität der Arbeitsprozesse Herr werden, ist eine Neupositionierung nötig", fordert der Vordenker. Kemner beschäftigt sich mit einer Anpassung von Abläufen im Geschäftsleben, in den Werkstätten und in der Arbeitsvorbereitung. Was ist zu beachten, was für die Betriebe leistbar? Längst haben Big Data, Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, SmartHome oder BIM Einzug gehalten in den Verkauf, die Fertigung und die Montage von Fenstern, Fassaden, Sonnenschutzsystemen.

Industrie dringt in traditionelles Handwerk vor

"Jede Glaserei oder jeder Fensterbaubetrieb verfügt über ein funktionierendes Geschäftsmodell mit Direktvertrieb, Individualität und Losgröße eins“, sagt Kemner. "Durch hochflexible CNC-gesteuerte Maschinen, Internet oder CAD-Fertigung kopiert die Industrie das handwerkliche Know-how der Manufaktur." Fachbetriebe müssten ihre Geschäftsmodelle neu denken. Ein solches Modell sollte vier Leitfragen beantworten: Wer sind Ihre Zielkunden? Was offerieren Sie Ihren Kunden? Wie generieren Sie Erträge? Wie erstellen Sie das Nutzenversprechen?

Ebenfalls unabdingbar ist laut Kemner die Digitalisierung der Arbeitsprozesse. "Alles, was sich digitalisieren und automatisieren lässt, wird in den nächsten Jahren digitalisiert“, sagt er. Es gelte dazu, Haupt- und Nebenprozesse sowie Unterstützungsprozesse zu optimieren. Der Mangel an Fachkräften zwinge zudem zu weiteren Automatisierungsprojekten innerhalb der Fertigung.

Wissenstransfer im digitalen Zeitalter

Handwerksbetriebe haben sich über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg Wissensschätze, Kompetenzen und Erfahrungen angeeignet, von denen auch die nachfolgenden Generationen profitieren können. "Es ist wichtig, das Wissen im Betrieb zu erhalten“, sagt Kemner. "Hier eröffnet die Digitalisierung neue Chancen."

Anfang 2019 hat sich der Ingenieur und gelernte Tischler mit einem Büro im niedersächsischen Hannover selbstständig gemacht, nachdem er 25 Jahre lang als technischer Berater beim Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen tätig gewesen war. Zudem unterrichtet er als Dozent an Meister- und Technikerschulen wie der Holzfachschule Bad Wildungen und der Berufsakademie Melle. "Ich wollte mich einer neuen Herausforderung stellen und mich auf meine Stärken konzentrieren", ergänzt er. Jetzt unterstützt er Unternehmen dabei, Maschinen, Betriebseinrichtung, Strukturen, Prozesse und Arbeitsplätze fit für die Zukunft zu machen, denn: "Weniger Chaos bedeutet mehr Zeit für Wertschöpfung, Umsätze und Gewinne", resümiert er.