Anlässlich der großen VFF-Sause in Bad Homburg haben wir mit Verbandspräsident Detlef Timm über das Gezerre um die DIN 18008, die Haltung zu ausländischen Fensterimporteuren und die Verdienste des scheidenden Geschäftsführers Ulrich Tschorn gesprochen.

GFF: Herr Timm, was glauben Sie, woran wird man sich in zehn, 15 Jahren in Verbindung mit Herrn Tschorn erinnern, wenn man in der VFF-Historie blättert? Was haben Sie an ihm geschätzt?
Timm: Mit Sicherheit wird man sich an die prosperierenden Jahre der Branche erinnern, die Ulrich Tschorn als Geschäftsführer des VFF mit viel Geschick in der Initiierung erfolgreicher Marketingmaßnahmen und effektiver politischer Interessenvertretung begleitet hat. Insofern war Ulrich Tschorn ein Glücksfall für die Branche genauso wie für den Verband. In den 13 Jahren mit Ulrich Tschorn an der Spitze hat der VFF seine Mitglieder in allen wichtigen Arbeitsschwerpunkten (Statistik und Markt, VOB und Recht, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sowie Normung und Technik) bestens unterstützt und immer auf dem Laufenden gehalten. Dazu hatte Ulrich Tschorn mit Frank Koos einen Stellvertreter, später Ko-Geschäftsführer an seiner Seite, der sich für alle Belange im Bereich Normung und Technik sowie im Zuge der europäischen Branchenvertretung EuroWindoor eingesetzt hat und damit ein ideales Pendant für Ulrich Tschorn darstellte. Eine wichtige Basis dieser erfolgreichen Arbeit war die von Ulrich Tschorn und Frank Koos bestens organisierte Geschäftsstelle mit ihren kompetenten Mitarbeitern. Es ist nicht übertrieben, wenn ich hier betone, dass ich ohne die engagierte, zunehmend freundschaftliche „Anwerbung“ und Unterstützung von Ulrich Tschorn das Amt des VFF-Präsidenten kaum übernommen hätte.
Welche, vielleicht seiner Tätigkeit als Unternehmer geschuldeten, Impulse erwarten Sie von Frank Lange?
Ich denke, Frank Lange wird zunächst einmal Zeit brauchen, in die komplexe Aufgabe als Geschäftsführer des VFF hineinzuwachsen und dabei die erfolgreiche Arbeit von Ulrich Tschorn fortzusetzen. Er ist jung, hat in der Praxis („Objektgeschäft“) einige Stationen durchlaufen und Erfahrungen gesammelt. Somit bin ich sicher, dass er dann, wenn, und da, wo er es für notwendig hält, Impulse liefern wird. Ich setze dabei auf sein Durchsetzungsvermögen sowie seine schnelle Entscheidungsfindung und Anpassung an sich ändernde Märkte.
Was muss der VFF Mitgliedern bieten, um dem eigenen Anspruch, führender Vertreter der Branche zu sein, zu entsprechen? Und ist die eher reservierte Haltung gegenüber Fensterproduzenten aus dem Ausland noch zeitgemäß bzw. dauerhaft aufrechtzuerhalten?
Zu Ihrer ersten Frage: Als führende Branchenvertretung sind wir unseren Mitgliedern erstklassige Unterstützung schuldig: durch Seminare und Fachtagungen, durch unsere umfangreiche Merkblattsammlung und durch die Interessenvertretung in Normierungsorganisationen und in der Politik gleichermaßen, um nur das Wichtigste zu nennen. Wir sind nach innen Dienstleister und nach außen Sprachrohr der Branche. Dabei gehen wir natürlich auch Kooperationen ein, beispielsweise mit dem ift Rosenheim oder dem Bundesverband Flachglas.Zu Ihrer zweiten Frage: Wir haben keine reservierte Haltung gegenüber ausländischen Fensterproduzenten. Als nationaler Verband sind wir aber auch nicht für diese zuständig. Auf europäischer Ebene gibt es die Branchenvertretung EuroWindoor, in der wir zusammen mit anderen nationalen Verbänden gemeinsam unsere Interessen vertreten. Frank Koos ist unser „Verbindungsmann“ zwischen VFF und EuroWindoor.
Das Gezerre um die DIN 18008 hat gezeigt, dass eine bessere Abstimmung von bisweilen inhaltlich ähnlichen Positionen – in dem Fall zwischen VFF und handwerklich strukturierten Herstellern – Sinn macht: Würden Sie dem zustimmen, welche Möglichkeiten sehen Sie?
In dieser Form kann ich Ihnen nicht zustimmen. Bei der Diskussion um die DIN 18008 ging es nicht um einen Abstimmungskonflikt zwischen VFF und handwerklich strukturierten Herstellern, sondern um das Ringen zwischen den unterschiedlichen Interessen der Fenster- und der Glashersteller. Solche Interessenkonflikte gehören auch in engen Kooperationen zur Tagesordnung und müssen – das ist die einzige Bedingung – offen und fair mit der nötigen Zurückhaltung in der Einspruchs- und Beratungsphase geführt werden. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Gespräche, die wir dazu geführt haben, für zukünftige „Auseinandersetzungen“ hilfreich sein werden und nicht wieder zur Verunsicherung der Branche führen werden.
Danke, Herr Timm, für das Interview.