Fabian Heim ist vom Fachverband GFF BW mit dem ersten Platz beim MeisterAward in der Kategorie Fachpraxis ausgezeichnet worden. Lesen Sie, wie dem Junghandwerker der Spagat zwischen Betrieb, Besuch des Meisterkurses und Privatleben gelungen ist.
Es ist Freitagnachmittag um kurz nach 17 Uhr. Die Tore der diesjährigen Weltleitmesse für Fenster, Türen und Fassaden haben sich soeben geschlossen. Auf dem neuen FENSTERBAU FRONTALE-Forum ist die Verleihung des renommierten MeisterAwards noch in vollem Gang. Mit dem Preis zeichnet der Fachverband Glas Fenster Fassade Baden-Württemberg (GFF BW) traditionell die jeweils drei besten Meisterschüler der Jahrgänge 2017/2018 in den Kategorien Fachtheorie und Fachpraxis aus. Der diesjährige Gewinner des Meisterprüfungsprojekts – Glasermeister Fabian Heim aus Neckartenzlingen – steigt gerade aufs Siegerpodest. Mit seinen herausragenden Praxisleistungen konnte er die Karlsruher Jury überzeugen.
Wir wollen mehr über den Sieger des MeisterAwards erfahren und ziehen uns mit ihm zum Skypen in eine ruhige Ecke zurück. Trotz des turbulenten Messegeschehens nimmt er sich die Zeit für ein kurzes Interview. Wie fühlt man sich als Gewinner? „Es ist ein tolles Gefühl“, strahlt Heim.
Das Ziel klar vor Augen
Sein prämiertes Meisterstück, eine elektrisch betriebene Hebeschiebe-Tür mit komplett verdeckt liegendem Beschlag (siehe dazu auch S. 39), hat Heim an der Außenseite in Ganzglasoptik inklusive einer Ganzglasecke gefertigt. Von innen ist die Lösung mit einem Rahmen in Eiche Natur geölt versehen. Der integrierte Antrieb HS ePower von GU, der auf der Messe Premiere feierte und kurz vor der Markteinführung steht, ermöglicht es Nutzern, die Tür komfortabel zu öffnen, sich durch sie hindurchzubewegen und sie zu schließen. Die Herausforderung: „Der Motor musste komplett verdeckt liegend ins Holz eingebracht werden“, sagt der frischgebackene Glasermeister. Besonders die Konstruktion sei sehr aufwändig gewesen. Eine Woche habe er Zeit gehabt, um die barrierefreie Hebeschiebe-Tür zu planen, zu zeichnen und zu realisieren, ehe sie zur Bewertung nach Karlsruhe gebracht werden musste.
Ungefähr anderthalb Jahre drückte Heim die Schulbank an der Fachschule für Glas-, Fenster- und Fassadentechnik in Karlsruhe, bevor er Anfang 2018 die Meisterprüfung erfolgreich ablegte. Um seinem Betrieb keinen mehrmonatigen Totalausfall zuzumuten, absolvierte er den vierteiligen Kurs in Teilzeit. „Es war schon manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bringen“, gesteht Heim, der seit dem 1. März 2018 sein eigener Herr ist: In dritter Familiengeneration hat er die Geschäftsführung der Fensterbau Heim GmbH & Co. KG in Neckartenzlingen im Landkreis Esslingen übernommen.
Leidenschaft von Kindesbeinen an
Damit ist er in die Fußstapfen seines Vaters Ulrich Heim getreten, der sich zeitgleich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Schon als Kind brannte der Junior für das Glaserhandwerk. „Ich bin quasi in der Werkstatt aufgewachsen“, erinnert sich der Junghandwerker lachend. Sein Betrieb befindet sich fest in Familienhand: Zu den sechs Mitarbeitern gehören Schwester und Buchhalterin Anja Weinmann und seine Frau Katrin Heim, zuständig für das Sekretariat und die Büroorganisation. In der Region südlich von Stuttgart hat sich der Fensterbaubetrieb mit der Beratung, Fertigung und Montage von hochwertigen Fenstern aus Kunststoff, Holz und Holz/Aluminium einen Namen gemacht.
Wichtig ist familiärer Rückhalt
Für den Meisterkurs pendelte Fabian Heim zweimal die Woche von Neckartenzlingen ins mehr als 90 Kilometer entfernte Karlsruhe. Abends und an den Wochenenden lernte er neben seinem Job als Produktionsleiter bei Fensterbau Heim für Klausuren und Prüfungen. Wie ist da noch ein Privatleben möglich? „Wir wussten ja, das es zeitlich begrenzt ist“, sagt der Vater einer siebenjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohnes. „Meine Frau hat mich sehr unterstützt und mir den Rücken freigehalten.“ Auch seine Berufsausbildung zum Glaser hat er im elterlichen Betrieb absolviert und 2004 mit dem Gesellenbrief abgeschlossen.
Dass er später mal die Unternehmensnachfolge antreten wird, stand schon früh fest. Aber: „Die Entscheidung, erst ein paar Jahre zu arbeiten, bevor ich den Meister machte, war goldrichtig“, sagt Heim rückblickend. Um die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse auf ein solides Fundament zu stellen, hat er sich zwischenzeitlich auch zum Betriebswirt des Handwerks (HwO) weitergebildet.
„Obwohl es manches Mal schwierig war, man sollte doch immer dranbleiben.“
Die Fachschule für Glas-, Fenster- und Fassadentechnik in Karlsruhe ist Heim noch in lebhafter Erinnerung: Als angehender Glaser hat er dort an der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung teilgenommen (ÜLU). „Die Schule hat einen guten Ruf“, bestätigt der 32-Jährige. „Deshalb wollte ich auch meine Meisterausbildung dort absolvieren.“ Die Lerninhalte seien qualitativ hochwertig und die Dozenten hätten ein gutes Fachwissen. Über den Schulleiter sagt Heim: „Waldemar Dörr ist unglaublich engagiert.“ Mit seiner hohen Motivation könne er andere anstecken und begeistern.
Auf die Frage, ob er den Meisterkurs noch ein zweites Mal machen würde, sagt Heim spontan: „Ich habe den Schritt nie bereut, es lohnt sich auf jeden Fall.“ Auch wenn es zwischenzeitlich eine Belastungsprobe sei – man sollte immer dranbleiben. Und eine bestandene Prüfung sei die größte Belohnung für die vorübergehenden Strapazen.