Um für ein intensives Lernerlebnis zu sorgen, holt Berufsschullehrer Michael Höhler regelmäßig Fachleute zu dem Dialog an die David-Roentgen-Schule in Neuwied/Rhein. Dieses Mal folgte ein Saint-Gobain-Experte der Einladung.

Um das in der Schule gelernte Wissen zu vertiefen und für etwas Abwechselung zu sorgen, hat Berufsschullehrer Michael Höhler für die Fachklassen der Metallbauer und Systemplaner der David-Roentgen-Schule ein Expertengespräch mit Jürgen Künsting, technisches Marketing/Glassinfo bei Saint-Gobain, organisiert. Der Fachmann mit 20 Jahren Erfahrung in der Branche ging im Dialog mit den Schülern verschiedene Themen von der Herstellung bis zur Wirkung von Funktionsgläsern durch – und lieferte damit wichtige Infos, mit denen die angehenden Metallbauer und technischen Produktdesigner/Systemplaner vorab erhaltene Fragestellungen abarbeiten konnten. Zunächst vermittelte Künsting den Schülern dabei wichtiges Wissen zur Glasherstellung. „Wenn von Floatglas die Rede ist, ist Flachglas gemeint, das im Floatglasverfahren hergestellt ist“, sagte er. Bei der Herstellung handelt es sich um den Prozess, bei dem geschmolzene Glasmasse (60 Prozent Sand, 20 Prozent Soda und Sulfat, 20 Prozent Dolomit und Kalk) auf ein flüssiges Zinnbad läuft und so ihre Form erhält. Im Fenster- und Fassadenbau kommt vor allem Floatglas – häufig auch Spiegel- oder Basisglas genannt – zum Einsatz. Gussglas bzw. Ornamentglas wird durch kontinuierliches Gießen und Walzen hergestellt, es wird i.d.R. als Design- oder Solarglas genutzt.
Funktionen durch Beschichtung
Floatglas erhält mithilfe von Beschichtungen weitere Funktionen. Welche Funktionen dies seien? Darauf hatten die Schüler die richtigen Antworten parat. Sie bedienten sich des im Unterricht erlernten Wissens oder ihrer beruflichen Erfahrung. Ver- und Entspiegelung und Wärmedämmung nannte z.B. Arvid Link als mögliche Eigenschaften von beschichtetem Glas. Auch beim Sonnenschutz spielen Beschichtungen eine wichtige Rolle. „Hier geht es aber nicht um Verschattung“, erklärte Künstig den Schülern. Dies sei ein häufig gemachter Denkfehler. „Worauf kommt es dann an“, wollten die Schüler wissen. Es gehe beim Sonnenschutz um die sog. Selektivität, also darum, sichtbares Licht durchzulassen und gleichzeitig die Sonnenenergie abzuhalten. „Glas mit einer Selektivität von zwei lässt z.B. doppelt so viel Licht durch wie Energie“, erklärte der Fachmann. Der g-Wert beträgt in dem Fall 0,28. Er beschreibt den Gesamtenergiedurchlassgrad, gibt also Auskunft, wie hoch der Anteil der Energie ist, der infolge der Sonneneinstrahlung in den Raum hinter der Glasscheibe gelangt.
Einflüsse des Glasaufbaus
Abgesehen von Beschichtungen erhalten Gläser durch verschiedene Aufbauten zusätzliche Funktionen. Zur Wärmedämmung dienen Mehrscheiben-Isoliergläser (MIG). Sie bestehen aus mindestens zwei Scheiben, zwischen denen sich ein Hohlraum befindet. Dieser sog. Scheibenzwischenraum (SZR) ist gas- und feuchtigkeitsdicht verschlossen. „Welches Füllmaterial kommt hier zum Einsatz?“, fragte der Fachmann, woraufhin Schüler Lorenz Riedel „Gas wie Argon oder Luft“ antwortete. Gemessen wird die Wärmedämmung am Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert). Er besagt, wie viel Wärme durch ein Bauteil nach außen abgegeben wird. „Die Einheit ist W/m²K (Watt pro Quadratmeter und pro Kelvin)“, wusste Kai Wranik. Gemeinsam erschlossen Fachmann und Schüler die verschiedenen Einflüsse auf den Wert, wie z.B. das Reflexionsvermögen der Oberfläche, die Leitfähigkeit des Gases, die Dichte der Gasart sowie die Wärmeleitfähigkeit des Abstandhalters.
Für den Schallschutz ist ebenfalls der Aufbau entscheidend. Eine Dämmwirkung gelingt durch einen asymmetrischen Scheibenaufbau und/oder große SZR. Damit wird die Weitergabe der Schallwellen gestört. Ein Parameter des Luftschalls ist die Lautstärke bzw. die Intensität. Sie wird in Dezibel gemessen. Der Wert basiere auf einer logarithmischen Skala. „Das bedeutet u.a., dass eine Minderung einer Lärmquelle um zehn Dezibel sich für Menschen wie eine Halbierung anfühlen kann. In manchen Fällen, wenn eine Schalldämmung gefordert ist, reicht es daher schon, wenn die Dämmwirkung von Fenstern um wenige Dezibel erhöht wird“, erklärte Künsting.
Sicherheit durch Glas
Glas kann auch eine Sicherheitsfunktion erfüllen. Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) wird z.B. durch thermisches Vorspannen (Erhitzen und schlagartiges Abkühlen) von Floatglas in einen Eigenspannungszustand versetzt. Das Glas ist so biegezugfester. Im Gespräch mit dem Experten – und moderiert von Michael Höhler – diskutierten die Schüler weitere Vorteile. „Bei Bruch gibt es keine großen Splitter, sondern stumpfkantige Krümel“, sagte Riedel beispielsweise. Künsting ergänzte: „Hierdurch sinkt das Risiko größerer Schnittverletzungen.“ Weiter ging es mit Verbundsicherheitsglas (VSG). Es besteht aus mindestens zwei Flachglasscheiben, die durch eine reißfeste Folie miteinander verbunden sind, so dass im Fall eines Bruchs der Scheiben die Bruchstücke an der Folie haften bleiben. Dies reduziert das Risiko von Schnitt- oder Stichverletzungen und stellt nach dem Bruch auch die Resttragfähigkeit sicher.