Kastenfenster sind im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus verbreitet und gelten seit mehr als 200 Jahren als bewährte Fensterkonstruktion. Durch die enorme Vielzahl an Kombinationen und Konstruktionsvarianten auf der Innen- und Außenebene kann man den Anforderungen an Wärme-, Schall- sowie Einbruchschutz für das jeweilige Objekt immer gerecht werden. Durch die sehr schlanken Ansichten haben Kastenfenster zudem auch eine hohe ästhetische Wertigkeit. Die Herstellung von Kastenfenstern ist heutzutage deutlich wirtschaftlicher als früher, ebenso kann man Kastenfenster natürlich auch gemäß dem Leitfaden HO.09 sach- und fachgerecht runderneuern. Für den Erhalt des vorhandenen Kastenfensterbestands sowie den Austausch von Kastenfenster gegen Kastenfenster spricht auch die Tatsache, dass ein Austausch der Kastenfenster durch moderne Isolierglasfenster ohne massive Eingriffe in den Baukörper in der Regel zu bauphysikalischen Problemen führt. Neben dem üblichen Einsatzgebiet von Kastenfenstern im Denkmalschutz, wodurch insbesondere auch unsere Baukultur sichtbar und erhalten bleibt, kommen Kastenfenster als EnergiePlus-Fenster sowie als Schallschutzfenster im Neubau zur Anwendung. Da moderne Fensterkonstruktionen immer weiter in die Dämmebene geschoben werden, bieten Kastenfenster mit der Integration des Blend- und Sonnenschutzes in den geschützten Kastenfensterzwischenraum für besondere Objektgestaltungen ebenso vielfältige Einsatzmöglichkeiten.
www.timm-fensterbau.de
Kastenfenster sind tolle Konstruktionen, die zu erhalten es sich lohnt. Im Neubau sehe ich die Zukunft dieser Fensterkonstruktion dagegen nicht. Die Leistungseigenschaften sprechen zwar prinzipiell nicht gegen einen Einsatz, aber dafür verschiedene andere Gründe. Da ist zum einen der hohe Preis im Vergleich zu einem modernen Isolierglasfenster – und es ist selten so, dass die Kosten bei Bauherren keine Rolle spielen. Da muss man schon einen Liebhaber finden, der sich der historischen Bauweise besonders verpflichtet fühlt. Zum anderen sieht ein Kastenfenster im Neubau für mich einfach komisch aus, da die entsprechenden Mauerwerksdicken nicht mehr gegeben sind. Bei Mauerwerksdicken von bis zu zirka 60 Zentimeter und entsprechenden Fensterbänken kommt das Kastenfenster toll zur Geltung. Heute müsste man eine Fensterebene in die Dämmung setzen, das passt für mich nicht wirklich zusammen. Ein anderer wichtiger Punkt ist für mich, dass der Vorteil der Kastenfenster gerade in ihrer historisch schlanken Profilgeometrie liegt. Mit unseren Fenstern erreichen wir U-Werte von 1,0 bis 1,1 W/m2K. Natürlich kann man mit den entsprechenden Maßnahmen bei einem modernen Kastenfenster auch Passivhaus-Standard erreichen – das geht aber jedenfalls zulasten der eleganten Profilierung. Der große Vorteil dieser Fensterkonstruktion geht dann verloren. Kurzum: Für mich steht im Vordergrund, historische Gebäude zu revitalisieren und aufzuwerten. Im Neubau sind die Marktchancen dagegen meines Erachtens doch eher gering.
www.tischlerei-hager.at