Mehr Sicherheit am Fenster Bouzrara: „Service als Chance für den Handwerker“

Karim Bouzrara ist wissbegierig, immer auf der Suche nach Chancen, sich zu verbessern. Nach Ausbildungen in anderen Handwerksberufen und einer Reihe von Praktika suchen mittlerweile Branchengrößen seinen Rat und beauftragen ihn, wenn sie nicht mehr weiterwissen.

Einschneidende Erlebnisse haben schon so manchen Betroffenen erfinderisch werden lassen. Karim Bouzraras Aha-Moment war der Einbruch in seine Wohnung vor etwa 30 Jahren. Was der heute 57-jährige Geschäftsführer von BVS Bouzrara Verschluss- und Vertriebstechnik (BVS) in Langenfeld im Rheinland aus dieser Lage heraus geschaffen hat, sucht seinesgleichen.

50 Mark Startkapital – wie alles begann

Nach dem Einbruch beschäftigte sich Bouzrara intensiv mit den Themen Fenster und Sicherheit. Er klapperte verschiedene Fensterbeschlagshersteller ab und besuchte Informationsveranstaltungen der Kriminialpolizei zur Einbruchprävention. Was er dabei lernte: Viele Endverbraucher, die sich teure Fenster einbauen lassen, machen sich selbst keinerlei Gedanken über Sicherheit. Sie seien der Meinung, mit einem teuren Fenster sei man genug abgesichert. Bouzrara wollte das ändern, investierte 50 Deutsche Mark in die Gewerbeanmeldung seiner Firma und verbrachte die darauffolgenden zwei Jahre alle ein bis zwei Wochen als unbezahlter Praktikant in verschiedenen Abteilungen von namhaften Beschlagherstellern. Möglich sei ihm diese Fortbildung auf eigene Kappe damals nur gewesen, weil seine Frau einen gut bezahlten Job hatte.

Ich bin Unternehmer, aber kein Unterlasser.

Mit dem, was er in seinen Praktika lernte, startete der gelernte Boots- und Motorenmechaniker von einer Garage aus in die Selbstständigkeit. Die Garage gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Das jetzige Firmengelände misst 6.000 Quadratmeter.

Den schwarzen Schafen unter seinen Wettbewerbern aus dem Fensterbau wirft er vor, den Kunden lieber ein neues Fenster zu verkaufen, anstatt das alte nachzurüsten. Bouzrara sagt, er mache, was andere nicht machen wollen oder können, weil ihnen teilweise die Expertise fehle. Der Fehler liege aber auch bei den Beschlagherstellern, die das Thema Sicherheit bei der Nachrüstung mit Beschlägen lange Zeit verschlafen hätten und Baupläne von alten Fenstern längst entsorgt hätten. Bouzrara hortet in seiner Firma Artikel längst eingestellter Produktlinien: Das sind teilweise Serien, über die bei den Herstellern keine Informationen mehr vorhanden seien. Sie würden sich bei ihm melden, wenn sie nicht mehr weiter wüssten.

Mein Job ist das, was andere nicht machen wollen oder was sie eben auch nicht können.

Durch seine gesammelte Expertise, seine Kontakte zur Beschlagsindustrie, die ihn mit Reparaturfällen zu älteren Produkten beauftragen, ist in Bouzrara der Gedanke an eine Eigenentwicklung herangewachsen. Für Schüco-Fenster hat der Rheinländer einen nachrüstbaren Sicherheitsbeschlag entwickelt. Das Besondere an dem Beschlag sei, dass sich die Pilzzapfen selber ausrichten. Kurz nach der erfolgreichen Prüfung bei VdS in Köln habe sich dann Schüco bei dem Unternehmer gemeldet und nach dem Entwicklungsstand gefragt. Bouzrara konnte freudig vermelden, dass sein nachrüstbarer Beschlag als Erster im Leichtmetallbereich nach der DIN 18104-2 zertifiziert wurde.

Etabliert am Markt, bei Groß und Klein

Mittlerweile habe sich Bouzrara einen guten Ruf – nicht nur im Rheinland – erarbeitet. Pro Jahr kämen etwa 1.300 Neukunden hinzu – dabei hat sich seine Expertise mittlerweile bundesweit herumgesprochen. Fast die Häfte seien Privathaushalte und Hausverwaltungen, die über Mundpropaganda von dem guten Service erfahren. Doch jedes zweite Jahr könne sich BVS ein Großprojekt sichern.

Für Großprojekte schafft Bouzrara schon mal alle Gerätschaften und Maschinen neu an, um seinen Auftraggebern nur beste Arbeit abzuliefern. Zwischen Auftragannahme und Ausführung liegen selten mehr als zwei Wochen. Bouzrara weiß Dinge gerne erledigt. Viele seiner Aufträge betreffen Bestand, Reparatur und Instandhaltung: Darauf habe sich sein Unternehmen spezialisiert.

Wenn ich etwas anpacke, dann geht das sehr zügig.

Und darin sieht Bouzrara auch eine Chance für andere Handwerksbetriebe. Hausverwaltungen, so sagt er, sind oft mit der Instandhaltung überfordert. Handwerker könnten sich hier einen Namen machen und ihr Unternehmen zukunftssicher aufstellen.

Ausbildung nur für den Eigenbedarf

Er vertraut bei den Aufträgen der Firma auf acht Außendienstmitarbeiter. Ist mal Not am Mann, springt Bouzrara selbst ein. Bei seinen Mitarbeitern achtet er nicht auf Zertifikate, sie müssen die Materie verstehen. Was er und seine Angestellten leisten, ist kein Lehrberuf, bei Service- und Instandhaltungsarbeiten müsse man von allem ein bisschen können. Daher bildet er auch nur für den Eigenbedarf aus. Dass ihm Meisterbriefe nicht wichtig sind, zeigt sich auch an Bouzraras eigener Biografie: Nach drei Jahren als Bootsmotor- und Schreinertechniker im Ausland und drei Jahren Aushilfe am Sonderbau schulte er in Deutschland zum Zerspanungstechniker um. Seine parallel laufende Ausbildung zum Kfz-Mechaniker brach er kurz vor der Meisterprüfung ab, um auf Korsika die Boote der damals weltweit größten Segelschule instand zu halten. Etwa 170 Boote hatte er zu warten und seetauglich zu halten. Sein jetziger Job scheint mehr eine Berufung denn eine normale Arbeit zu sein. In seiner Firma im Rheinland tüftelt Bouzrara schon an neuen Erfindungen.