Europäische Hersteller von Maschinen für die Glasbearbeitung beschränken sich längst nicht auf den heimischen Markt. GFF sagt, wie wichtig für die Gimav-Mitglieder und für das finnische Unternehmen Glaston das Nordamerika-Geschäft ist und was die Zukunft dort bereithält.
Für die Mitgliedsunternehmen des italienischen Branchenverbands Gimav, in dem Hersteller von Maschinen und Zubehör für die Glasbearbeitung organisiert sind, spielt der nordamerikanische Markt eine strategisch wichtige Rolle. Das zeigen die statistischen Erhebungen des Verbands. „In den vergangenen Jahren sind die Vereinigten Staaten das Hauptzielland für italienische Exporte“, sagt Gimav-Direktorin Laura Biason. Der Aufwärtstrend habe Anfang der 2000er-Jahre einmal gestoppt – aufgrund der Weltwirtschaftskrise. In den vergangenen zehn Jahren seien die Exportzahlen aber wieder stetig gewachsen. „Mit Blick auf die italienischen Exporte nach Nordamerika ist der Sektor Spezialmaschinen einer der Spitzenreiter – und mehr wert als andere Segmente wie Mode, Lederwaren, Spezialnahrungsmittel, Möbel und Design“, sagt Biason.
Was bedeuten die Ausführungen von Biason in Zahlen? Die statistische Erhebung für 2017 zeigt, dass die Vereinigten Staaten mit einem Anteil von 8,85 Prozent unter allen Kunden italienischer Glasmaschinen- und Zubehörhersteller den ersten Platz belegen, Mexiko liegt auf dem fünften Rang. Der gesamte NAFTA-Raum (USA, Kanada, Mexiko) nimmt einen Anteil von 15,58 Prozent ein.
US-Glasindustrie wächst
„Damit behaupten die USA die Führungsposition, die der Markt nach einem bemerkenswerten Anstieg um 45 Prozent im Jahr 2016 erreicht hat“, sagt Biason. Damals habe der Marktanteil bei 10,75 Prozent gelegen, während der NAFTA-Markt einen Anteil von 21,63 Prozent erreichte – auch dank des Aufstiegs von Mexiko auf den zweiten Platz im Exportranking. Auch in Zukunft wird der amerikanische Markt für die Gimav-Mitglieder eine überaus wichtige Rolle spielen. Darauf deuten nicht zuletzt die Wachstumsraten der dortigen Glasindustrie hin. Der Markt ist in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich gewachsen – und das werde mittelfristig so bleiben. Die Marktanalysten von Research and Markets prognostizieren, dass die Glasindustrie bis 2021 mit einer konstanten Rate von fünfeinhalb Prozent pro Jahr wachsen wird. Die Prognose betrifft Bauglas, Autoglas sowie Spezialglas für technische Anwendungen.
Die allgemein positive Wirtschaftsentwicklung spielt der Branche dabei in die Karten. „Die Daten für 2018 zeigen, dass die US-Bauwirtschaft boomt, angetrieben vom allgemeinen Wirtschaftswachstum“, sagt Biason. Die Baubranche verzeichnet nach ihren Angaben einen stetig steigenden Umsatz, auch dank der Nachfrage nach Architekturglasprodukten. „Die im Jahr 2017 gestiegene Nachfrage im Gewerbe- und Wohnungsbau hat sich auf öffentliche Gebäude, insbesondere für das Gesundheitswesen und den Schulbereich, ausgeweitet“, betont die Gimav-Direktorin.
Architekturglas stark nachgefragt
Auch die Marktforscher von Key Media & Research prognostizieren eine weiterhin hohe Nachfrage nach Architekturglas. Schon in der Vergangenheit seien großformatige und innovative Glasprodukte in immer mehr Vorzeigeprojekten zum Einsatz gekommen. Das setze sich fort. Architekten bevorzugen demnach für ehrgeizige, innovative Projekte Glas anstelle von anderen, billigeren Materialien. „In diesen Fällen ist ein Gebäude nicht nur ein Gebäude“, sagt Biason. In diesem Sinne habe auch der US-Architektenverband auf der AIA-Konferenz darauf hingewiesen, dass Komfort und Energieeffizienz Schlüsselfaktoren seien bei der Gestaltung von Gebäuden, die zunehmend Design und Leistung verbinden. Das hat Auswirkungen: „Die jüngsten Bauprojekte im gewerblichen und öffentlichen Bereich sowie im Mehrfamilien-Wohnungsbau erfordern größere Glasmengen und immer größere, individuell verarbeitete Glasscheiben“, sagt Biason. Prestigeträchtigere Architektur scheint nach ihren Angaben zudem bei Einfamilienhäusern im Trend zu liegen.
Selbstbewusste Marktbearbeitung
Zusammengefasst: Nordamerika ist ein äußerst wichtiger Exportmarkt für die italienischen Maschinenhersteller. „Trotz geopolitischer Unsicherheiten steigert das Wirtschaftswachstum zusammen mit Investitionen und neuen Anreizen die Nachfrage nach Made in Italy-Produkten in den wichtigsten Marktsegmenten unserer Branche”, sagt Biason. Stellt sich nur noch die Frage, warum Glasmaschinen aus Italien überhaupt in Nordamerika beliebt sind. Biason will die Antwort kennen. „Der äußerst aufmerksame Kundendienst nach dem Verkauf, die legendäre Qualität der Maschinen, die niedrigen Gesamtbetriebskosten und die innovativen Technologien ermöglichen es italienischen Unternehmen, sich in der Branche als Weltmarktführer zu präsentieren – insbesondere auf dem nordamerikanischen Markt, wo Käufer den Kaufpreis in Kombination mit der Möglichkeit betrachten, eine langfristige Beziehung mit dem Lieferanten einzugehen“, sagt die Gimav-Chefin. Die Hersteller seien in der Lage, die kundenspezifischen Anforderungen der Kunden zeitnah zu erfüllen und Maschinen zu produzieren, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden.