Die Aufgabe, maximalen Lichteinlass ins Gebäude und individuellen Komfort für Nutzer zu gewährleisten sowie gleichzeitig den Energieeintrag zu kontrollieren, ist so alt wie die Architektur selbst. Beschichtetes Glas erlaubt es, bestimmte Wellenlängen des Lichts selektiv zu filtern und so, unter Erhaltung der Transparenz, den Energieeintrag durch die Fassade passend zu regeln. Statische Lösungen ersetzen nicht weitere Produkte für Blendschutz und Lichtlenkung sowie temporär notwendige Vorkehrungen für die Klimatisierung. Der Digitaldruck auf Glas ist prinzipiell eine weitere Möglichkeit des statischen und passiven Sonnenschutzes, der jedoch ohne zusätzliche Technologien wie beschichtetes Glas relativ wirkungslos wäre. Der Digitaldruck alleine erlaubt es nur unzureichend, die Wärmeregulierung bei gleichzeitig hoher Transparenz der Fassade zu optimieren. Die Wirksamkeit ist begrenzt. Lange ersehnt sind energieeffiziente und gleichzeitig nutzerorientierte, komfortverbessernde adaptive Glaslösungen. Solche Gläser lassen sich selektiv abdunkeln, und Licht sowie Energieeintrag können je nach Klima und Nutzerbedarf individuell geregelt werden. Bisherige Nachteile überwindet die Flüssigkristalltechnologie. Die Schaltzeiten vom hellen zum dunklen Zustand betragen weniger als eine Sekunde – und das ungeachtet der Glasgröße. Ferner lassen sich Fensterflächen durch die Wahl der dichroitischen Farbstoffe, die Bestandteil der Flüssigkristall-Mischung sind, farblich individuell sowie künftig ohne Maßbegrenzung gestalten.
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Schaltbare Gläser und Digitaldruck lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen, es handelt sich um zwei verschiedene Anwendungsbereiche. Während Digitaldruck als permanente Lösung vorzugsweise im gestalterischen/künstlerischen Bereich zum Einsatz kommt oder auch für den Sichtschutz – das Auge fokussiert hier auf das Motiv – erfüllen schaltbare Gläser einen funktionalen Zweck. Sie ermöglichen temporären Sicht- und/oder Sonnenschutz – ohne gestalterische Funktion. Insbesondere im Innenbereich kommen sie als Sichtschutz zur Anwendung. Es gibt auch schaltbare Gläser in dem Sinn, dass sich mit LEDs Animationen, Bilder oder Präsentationen temporär projizieren lassen – auf der glasstec 2016 wurde beispielsweise ein Glasboden vorgestellt, bei dem sich auf Knopfdruck die Spielfeldlinien auf dem Hallenboden ändern. Hier ist allerdings eine Durchsicht aufgrund der verbauten LEDs nicht mehr möglich. Bei Digitaldruck wiederum lassen sich Bereiche transparent halten. Mit der aktuellen Technik sind Bandmaße von bis zu sechs mal 3,20 Meter möglich. Das Glas wird mit keramischen Farben bedruckt, die im Härteprozess dauerhaft in die Glasoberfläche eingebrannt werden. Die Qualität ist heute schon sehr hoch, es lassen sich auch dreidimensionale Effekte erzielen. Nichtsdestoweniger gilt, dass sich beide Technologien – Digitaldruck wie schaltbare Verglasungen – derzeit noch in der Entwicklung befinden. Da ist in der Zukunft noch einiges zu erwarten, auch was den Einsatz von Glas für Bildschirme in einer Fassade betrifft.
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