Lebenselixier Sonnenlicht Tageslicht managen

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Dr. Helmut Köster hat Lösungen für intelligentes Tageslichtmanagement entwickelt. - © Erbrich

Alexander Kohlen, Retro Solar, verdeutlicht in seinem Vortrag die Besonderheiten von Tageslicht: Es unterscheidet sich signifikant von künstlichem Licht, sowohl in seiner unmittelbar sichtbaren als auch in seiner nicht sichtbaren Wirkung. Das Sonnenlicht regt mit seinem breiten Farbspektrum den Organismus an. Während Wissenschaftler dies früher auf die Wirkung einzelner Spektralfarben zurückführten (z.B. mache Blau wach, Rot eher müde), schreiben sie heute der Dynamik des Tageslichts großen Einfluss zu. Durch die Wolkendecke variiert die Intensität der Beleuchtung. Bei einem bedeckten Himmel sind wir einer Beleuchtungsstärke zwischen 5.000 und 15.000 Lux, bei einem klaren Himmel mit Sonne zwischen 10.000 (morgens und abends) und 50.000 Lux (um die Mittagszeit) ausgesetzt. Die Norm für die Innenbeleuchtung liegt bei 500 Lux. Aber erst ab mindestens 1.000 Lux sind biologische Effekte auf den Menschen nachweisbar. Tageslicht wirkt auf drei Ebenen: körperlich, visuell und emotional. Daraus ergeben sich nach Aussage des Referenten folgende, einfache Planungshinweise:

  • Eine tiefe Raumausleuchtung mit Tageslicht über die Reflexion an der Decke ist ideal: Der Mensch nimmt die Helligkeit stets als von oben kommend wahr – auch im geschlossenen Raum. Insbesondere die Gleichmäßigkeit des Lichts ist wichtig.
  • Viel und lange frequentierte Orte sollten mit Tageslicht ausgestattet sein.
  • Blendung ist unbedingt zu verhindern, der Ausblick nach draußen zu erhalten: Ein effektiver Sonnenschutz ist zu gewährleisten, Schlagschatten sind zu vermeiden – aber die Außenbeleuchtungsstärke und ihre Dynamik gilt es zu nutzen.
  • Die Eintrittsschwellen, d.h. die Übergänge zwischen draußen und drinnen, sollten so sanft wie möglich gehalten sein, um für das menschliche Auge die Adaption an die Lichtverhältnisse zu vereinfachen.
  • Human Centric Lightning (HCL)-Kunstlicht ersetzt keine Tageslichtplanung.

Die Wirkung und damit die ungeheuere Bedeutung von Tageslicht auf den menschlichen Körper zeigen, dass das Thema Lichtmanagement ein zentrales Thema bei der Planung von Bauvorhaben sein muss und zukünftig an Bedeutung gewinnt. Die von Dr. Helmut Köster präsentierten betriebswirtschaftlichen Effekte sprechen ebenfalls für sich: 25 Prozent der Energiekosten im Verwaltungsbau verursacht die Innenbeleuchtung untertags. Die Tageslicht-Autonomie werde sich zu einer Kernfrage bei der Betrachtung des Mehrwerts für Fassaden entwickeln, ist sich Köster sicher. Der Spezialist für Tageslichttechnik arbeitet mit dem einfachen physikalischen Prinzip: Lichteinfallswinkel ist gleich Lichtausfallswinkel. Mithilfe so genannter Spiegellamellen gelingt es ihm, das Licht zu lenken und so Reflexion (Blendung), Absorption (Wärme) und Transmission (Helligkeit) zu steuern. Sein Credo lautet: „Der g-Wert muss reduziert werden bei gleichzeitiger Erhöhung der Lichttransmission.“ Das Lösungskonzept sind lenkbare Spiegel-Lamellensysteme, die über die Firma Retro Solar vertrieben werden. Eine Fülle international umgesetzter Projekte veranschaulichen deren Einsatz.