Prozessverbesserung bei laufender Produktion So nutzt ein Fensterhersteller gezielt Industriekompetenz

„Qualität bedeutet, dass der Kunde und nicht die Ware zurückkommt“: Die von Kaufhaus-Pionier Hermann Tietz überlieferte Erkenntnis ist noch heute der Schlüssel zum Erfolg. Gayko sowie Roto haben dieses Konzept umfassend interpretiert – und vor allem umgesetzt.

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    © Roto/Gayko
    Konsequent optimierte Produktionsprozesse sind bei und für Gayko letztlich auch ein Qualitätsnachweis, so wie hier im Bild die Verschweißung in der Blendrahmenfertigung.
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    © Roto/Gayko
    Noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg: Das „Optimierungs-Teamwork“ funktioniert. Darin sind sich u.a. Gayko-Geschäftsführer Oliver Gerdes (ganz links) und der Roto Lean-Manager Christoph Rüth (ganz rechts) einig.

Für Klaus Gayko macht es überhaupt keinen Sinn, sich auf den vor allem durch die Importflut aus Osteuropa ausgelösten Preiskampf am Markt einzulassen. Bei der Differenzierung und Abgrenzung gegenüber dem aggressiven Wettbewerb setzt der geschäftsführende Gesellschafter des gleichnamigen Fenster- und Türenherstellers im nordrhein-westfälischen Wilnsdorf stattdessen auf ein innovatives, hochwertiges Produktprogramm sowie eine konsequente Qualitätsstrategie auf jeder Ebene. Im GFF-Interview auf Seite 38 erläutert der Unternehmer Inhalte, Instrumente, Intentionen des Konzepts.

Die Entwicklung des Unternehmens gibt ihm recht. So kletterte die Zahl der Mitarbeiter von drei zum Firmenstart 1981 kontinuierlich auf derzeit 210. Und: Neben der Bearbeitung des Endkundenmarkts durch autorisierte Fachbetriebe  in der Region spielt inzwischen auch das Auslandsgeschäft eine wichtige Rolle. Das gelte primär für die Benelux-Staaten. In den Niederlanden etwa habe Gayko ebenfalls ein großes Partnernetz aufgebaut.

Gemeinsame Produktentwicklungen

Wer der Austauschbarkeit eine so klare Absage erteilt, erwartet natürlich auch eine Menge von der Industrie. Für Gayko sind Innovationskraft, das frühzeitige Erkennen und Umsetzen von Marktbedürfnissen sowie ein hoher Qualitätsanspruch entscheidende Auswahlkriterien. Im Beschlagsektor erfülle sie Roto gut, so dass das Unternehmen „seit vielen Jahren zu unseren wichtigsten Partnern gehört“. Die Intensität der Zusammenarbeit schlage sich nicht zuletzt in gemeinsamen Produktentwicklungen nieder. Als jüngstes Beispiel dafür nennt Geschäftsführer Oliver Gerdes das nach DIN EN 1627ff. geprüfte und zertifizierte Sicherheitssystem Gayko SafeGA, das in Kippstellung RC 2-Anforderungen entspreche und damit eine komfortable Lüftung mit wirksamem Einbruchschutz verbinde (vgl. dazu GFF 11/2016, Seite 100). Auch der seit 2002 laut Gerdes „ausschließlich und mit großem Erfolg eingesetzte“ Drehkipp-Beschlag NT S zähle zu den exklusiven Kooperationslösungen. Das S steht dabei für eine gemeinsam entwickelte schwarze Oberfläche.

Gemeisterte Herausforderung

Eine ganz andere, aber nicht weniger relevante Form des Miteinanders hat 2015 begonnen. Gerdes meint damit die praktische Nutzung der Beratungsleistung Roto Lean (vgl. Kasten). Die fachliche Unterstützung von außen diene dazu, die Prozesse und Abläufe in der Kunststoff-Fensterproduktion weiter zu optimieren, nachhaltig neue, mit Kennzahlen dokumentierbare Strukturen zu schaffen und dabei die betroffenen Mitarbeiter vollständig zu integrieren.

Nach der Vorstellung des Projekts seien die konkreten Vorteile schnell klar geworden. Aus der internen Analyse der von Roto angestellten Ist-Aufnahme resultierten genaue Projektbeschreibungen sowie -pläne. Die Grundlagen dafür waren die Module A (Arbeitplatzgestaltung) und F (Fertigung im Fluss) aus dem Lean-Portfolio, erläutert der Gayko-Geschäftsführer.

Mitarbeiter mitnehmen

Nach der Aussage von Produktionsleiter Stefan Klein sorgten spezielle Workshops für die unverzichtbare Einbindung der Mitarbeiter am Ort der Wertschöpfung – also in der Fertigung. Als „besondere Herausforderung“ bezeichnet er die Umsetzung der Maßnahmen bei laufender Produktion. Das habe von allen Beteiligten eine „hohe Disziplin“ gerade in der Phase verlangt, in der sich die Einzelprojekte mit einem schon früher terminierten Fertigungsumbau überschnitten. Obwohl es dadurch zu einer geringfügigen Zeitverschiebung gekommen sei, habe die Mannschaft den „einen oder anderen Engpass“ doch relativ schnell beseitigen können. Überhaupt sei die Zusammenarbeit unter dem Strich „effektiv, partnerschaftlich und gut“ verlaufen. Daran habe das Lean-Team einen großen Anteil. Das gelte in fachlicher und persönlicher Hinsicht gleichermaßen. Kompetenz und Erfahrung der Roto-Experten wirkten sich danach ebenso positiv aus wie die Tatsache, dass „wir die Herren seit Jahren kennen und schätzen“, sagt Gerdes. Das dadurch gegebene Vertrauensverhältnis bewährt sich auch oder gerade bei „kontroversen Diskussionen“.

Hier kommen die Ergebnisse

Und wie fielen die Resultate des Optimierungsprozesses aus? Für drei abgeschlossene Teilprojekte meldet Gerdes einen höheren Durchsatz bzw. die Einsparung wichtiger Produktionszeit. Konkret handelt es sich dabei um die Arbeitsstationen Glasleistenzuschnitt, Flügelmontage/Beschlagverschraubung und Verglasung beim System SafeGA von Gayko. Trotzdem sei der Hersteller noch nicht am Ziel. Es kommt nun darauf an, die neuen Abläufe langfristig zum Standard zu machen und ihre Effekte dauerhaft zu dokumentieren. Dabei greife Gayko „gerne weiter auf die Unterstützung von Roto zurück“.

Generell empfiehlt Gerdes Fensterherstellern, bei derart komplexen Projekten in erster Linie auf ein gutes Zeitmanagement zu achten. Viele kleine Etappen seien häufig besser als ein großer Schritt. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, erreichte positive Veränderungen fest zu etablieren. Kein Zweifel besteht seiner Ansicht nach daran, dass dieser Punkt ganz im Sinn der Tietz’schen Qualitätsdefinition ist.