Das Klima wird rauer

Reinhold Kober, Chefredakteur GFF - © Foto:privat

Das Klima wird rauer. Die Beschlüsse des Klimapakets werden im Grunde genauso diskutiert wie alles, was in der Interpretation von Wetterphänomen – zwischen ehrlicher Sorge und ganz egoistischen Motiven politischer und anderer Krisengewinnler – an Meinungen, Studien und Gegenstudien auf den Tisch kommt. Und sind wir mal ganz ehrlich: Dass die GFF -Branche fast zehn Jahre nach dem deutschen Herbst 2010 mit Norbert Röttgen und der Klimakanzlerin den endlich erfolgten Zuschlag für die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten nach einer energetischen Gebäudemodernisierung unisono begrüßt, hat nicht nur mit CO2, sondern auch mit Zweieurofuffzich zu tun. Dabei ist die Politik der Bundesregierung ein Spiegel des gesellschaftlichen Meinungsbildes, wenngleich medial verstärkt in erster Linie die Stimmen der konsequenten Befürworter des Klimaschutzes werden. Und so fehlt weiter das, was viele meinen, wenn sie eine rote Linie einfordern. Zuletzt erkennbar ist das durch das Absenken von sog. Verpflichtungsermächtigungen (vulgo Haushaltsmitteln) im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), die 2021 in die angewandte Energieforschung hätten fließen sollen, um knackige 90 Prozent. Weil angeblich viele Projektergebnisse in der Schublade verschwinden, sagt der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion Eckhardt Rehberg (CDU), werde lieber die Erprobung neuer Technologien und Geschäftsmodelle in sog. Reallaboren mit 400 Millionen Euro innert der nächsten vier Jahre unterstützt, berichtet der Berliner Tagesspiegel im Jänner. Institutionen wie der Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE), die freilich selbst betroffen sind, halten das nach den Worten von Geschäftsführer Niklas Martin für „absurd“. Kritik kommt u.a. vom Verein der deutschen Ingenieure (VDI), VDMA und dort das Forum Glastechnik ringen um eine Position: Siegfried Glaser fürchtet „mittelfristig erhebliche Nachteile für Glas und Fenster“ respektive die angeschlossenen R&D-Aktivitäten. Da ist sie also wieder, die Forderung nach „verlässlichen Rahmenbedingungen“, diesmal für die Forschung.

Daraus ergeben sich Fragen: Die gerne ins Spiel gebrachte Mittelverstetigung, also Fixzusage planbarer Forschungsgelder, am besten über mehrere Jahre, und die sich aus der Generationenverantwortung ergebende Verpflichtung zu einem maßvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln – wie verträgt sich das? Wie gut wird kontrolliert, ob das, was alle bezahlen, auch allen oder wenigstens vielen zugutekommt? Mir fällt an dieser Stelle ein Unternehmer ein, der gesagt hat: Entscheidungen von den Fährnissen der Tagespolitik abhängig zu machen, kann teuer sein. Am besten ist es, wenn uns (die Unternehmer) der Staat in Ruhe unsere Arbeit machen lässt. Mehrnutzen für den Anwender/Kunden ist eben die beste Absatzförderung.

Noch bis 7. Mai wählen Sie auf www.gff-magazin.de unter diesen Vorschlägen das GFF-Wunsch-thema für die Sommerausgabe Juli/August 2020.

1. Scherben bringen Glück: Details aus dem Forschungsvorhaben des ift und ein Blick darauf, wie Glasleute in anderen Märkten Recycling managen

2. Zeig mir den Zettel: Was bringen Zertifizierungen wie des QMs nach DIN EN ISO 9001 und wirken sie eigentlich mehr nach innen oder nach außen?

3. Under pressure: Das Bedrucken von Glas ist noch eine Nische. GFF analysiert die Marktsituation und erklärt Anforderungen an den Maschinenpark.

Ihr

Reinhold Kober