Expertengespräch zur fachgerechten Dübelmontage Von der Befestigung hängt alles ab

Immer wieder bringt Berufsschullehrer Michael Höhler Experten zum Dialog an die David-Roentgen-Schule in Neuwied/Rhein. Dieses Mal war ein Würth-Fachmann zum Thema fachgerechte Dübelmontage vor Ort.

Das Erlernte umsetzen: Unter Anleitung von Würth-Profi Benjamin Maus legten Schüler im Praxisteil des Expertengesprächs Hand an. - © xxx

Wenn ein externer Fachmann vor den angehenden Metallbauern und künftigen technischen Produktdesignern/Systemplanern der David-Roentgen-Schule steht, dann verfolgt Berufsschullehrer Michael Höhler damit ein konkretes Ziel: Die Schüler sollen von den Hands on-Erfahrungen der Profis profitieren und Erkenntnisse für ihren beruflichen Alltag mitnehmen. Im April sprach daher Benjamin Maus, Vertriebsmitarbeiter im Außendienst von Würth, mit den Schülern über die fachgerechte Dübelmontage im Metallbau.

Um die Fachklassen für den richtigen Einsatz und die richtige Auswahl der Befestigungslösungen zu sensibilisieren, zeigte Maus ihnen zunächst Beispiele für fehlerhafte Befestigungen, die teilweise zu schwerwiegenden Unfällen führten, bei denen Personen ums Leben kamen. Der Fachmann appellierte an das Gewissen der mit ersten beruflichen Erfahrungen ausgestatteten Schüler – und erklärte zudem, dass sie nach aktueller Rechtsprechung bei einer falschen Auswahl und Montage der Systeme auch Jahre nach dem Einbau noch für Fehler hafteten: „Murks verjährt nie.“

Wichtige Parameter ermitteln

Zur Auswahl der richtigen Befestigungslösungen erklärte Maus anschließend die wesentlichen Größen: „Die Dübelwahl hängt von vielen Faktoren wie beispielsweise dem Mauerwerk ab.“ In der fachgerechten Dübelmontage erweist sich damit die Planung als elementar. Um die passende Befestigungslösung zu bestimmen, benötige es bestimmte Grundkenntnisse. „Ihr müsst wissen, mit welchem Verankerungsgrund Ihr es zu tun habt“, sagte Maus. Er gab einen Überblick über die verschiedenen Untergründe wie z.B. gerissener Beton, ungerissener Beton, Mauerwerk aus Lochstein, aus Vollstein, aus Porenstein. „Im Idealfall erhaltet Ihr eine schriftliche Info vom Bauherrn, um was für einen Untergrund es sich handelt“, sagte Maus. Wenn das nicht der Fall sei, müsse der Handwerker eigene Bohrversuche unternehmen, die es ihm erlauben, das Mauerwerk zu bestimmen. Als Tipp gab der Würth-Fachmann den Schülern mit, dass es in Betonuntergründen oft nicht möglich sei, zu bestimmen, ob es sich um gerissenen oder ungerissenen Beton handelt. „Wenn Ihr euch nicht sicher seid, verwendet Dübel oder Befestigungsanker, die sich für gerissenen Beton eignen und die über eine entsprechende ETA-Zulassung verfügen“, riet er.

Nach und nach ging Maus verschiedene Parameter für die korrekte Auswahl der Dübel mit den Schülern durch, wie z.B. den Einfluss der Umgebung oder die Berechnung der Länge des Befestigungssystems. Dabei erklärte er u.a. die verschiedenen Montagearten: Bei der Durchsteckmontage steckt der Monteur den Dübel durch das Anbauteil. Es gibt auch die Option der Vorsteckmontage, dabei befindet sich der Dübel in der Wand, wenn der Fachmann das Element befestigt. Wenn der Profi das Anbauteil im Abstand zum Untergrund montiert, nennt sich das Abstandsmontage. In dem Zusammenhang erklärte Maus die verschiedenen Wirkprinzipien der unterschiedlichen Dübelarten: Form-, Reib-, Stoffschluss. Da bei den meisten Arbeiten im Metallbau bei Versagen der Befestigung Leib und Leben von Personen gefährdet sind und/oder ein hoher wirtschaftlicher Schaden entsteht, sind sie bauaufsichtlich relevant. Die verwendeten Systeme müssen daher über einen Nachweis verfügen – also eine Europäisch Technische Zulassung bzw. Bewertung oder eine Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. „Wenn Ihr einzelne Komponenten eines geprüften Systems austauscht, gilt der Nachweis aber nicht mehr“, mahnt der Fachmann.

Von der Theorie in die Praxis

Im Anschluss testeten die Schüler unter der Anleitung von Maus ihr erlerntes Wissen: Sie setzten z.B. einen Schwerlastanker in Beton und überprüften, was passiert, wenn sie das Bohrloch vorher nicht vom Bohrstaub befreien. Das Ergebnis: Das Element lässt sich nicht vollständig einsetzen, weil die Befestigung den Staub unten einpresst. Zudem demonstrierte Maus, welche Auswirkungen die Art der Bohrung auf den Untergrund hat. So engagierten sich die angehenden Fachkräfte und ihr Lehrer bei der Herstellung der Montagelöcher durch Dreh- und Hammerbohren und beim Setzen unterschiedlicher Dübel. Danach prüfte der Experte, wie viel die eingesetzten Anker tragen. Das System, das der Schüler im Loch durch Hammerbohrung ohne Bohrlochreinigung eingesetzt hatte, gab bei deutlich weniger Zugkraft nach. Zusammen mit Maus kamen die Schüler zu der Erklärung, dass der Grund dafür eine verminderte Übertragung der Reibkraft zwischen Anker und Bohrlochwandung ist.

Um zu testen, ob ein Dübelsystem für die jeweilige Montagesituation und die aufzunehmenden Lasten geeignet ist, empfahl Maus den Würth Montagefinder. Über die Angabe verschiedener Parameter, wie z.B. der Umgebung, des Untergrunds und der Befestigungsart, ermittelt das System die geeignete Befestigung. Am Ende des Tages lobten die Schüler das von Höhler aufwändig organisierte Format, da sie viel Wissen für die berufliche Praxis mitnehmen konnten.