Tagung der Glaser-Innung Niedersachsen Von Ganzglasduschen und Sicherheitslücken

Ungefähr 40 Teilnehmer haben sich am 16. November 2018 zu der Fachtagung der Glaser-Innung Niedersachsen in Verden getroffen. Wichtige Themen waren die neue Technische Richtline 24 für Ganzglasduschen, die verschärfte DIN 18008 sowie die Gefahren, die durch Hackerangriffe lauern.

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    Vor Beginn der Tagung bestand die Gelegenheit, an einer Betriebsbesichtigung bei Frerichs Glas, Fördermitglied der Glaser-Innung, teilzunehmen.
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    Roger Möhle (re.) und Glasermeister Karl-Heinz Tute moderierten die Veranstaltung.
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    Luigi Rosati von KL Megla stellte die neue TR 24 zur Errichtung von Glasduschen vor.
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    Mit dabei (v.li.): die Glasermeister Sven Sterz, Andreas Schulz und Olaf Peinemann

Zu Beginn seines Vortrags „Neue Produkte, Marktanalyse und Digitalisierung“ präsentierte Jürgen Dersch, Vertrieb Interior Glas Systems bei Dormakaba, Branchenzahlen über Türen: Laut einer Studie seien 2018 an die acht Millionen Innentüren verbaut worden. Davon entfielen 670.000 auf Ganzglastüren, was einem Anteil von knapp 8,4 Prozent entspricht. 2019 soll der Anteil um weitere zwei Prozent zulegen. Seit 2017 habe der Neubau ein Übergewicht, davor hatten Bauherren Türen überwiegend in der Renovierung erneuern lassen. Der Trend geht laut Dersch weg von Glasdreh- hin zu Glasschiebetüren. Knapp 80 Prozent der verbauten Ganzglastüren seien in der Gewichstklasse von 50 bis 60 Kilogramm angesiedelt.

Ansprüche an Glasduschen steigen

Im Anschluss stellte Luigi Rosati, Vertriebsaußendienst von KL Megla, die Technische Richtlinie (TR) 24 vor, die 2018 erstmals der Bundesinnungsverband des Glaserhandwerks herausgegeben hatte. Der Wellnesstrend hat auch vor privaten Badezimmern nicht haltgemacht: Duschen dienen nicht länger nur der Körperhygiene, sondern werden zur Wohlfühloase. Im Zuge der zunehmenden Nachfrage nach individuellen Duschkonzepten steigen auch die Ansprüche an den Werkstoff Glas, seine Verarbeitung und die Dichtheit der Konstruktionen. Die Anforderungen an Nutzduschen sind in der DIN EN 14428 Duschabtrennungen – Funktionsanforderungen und Prüfverfahren geregelt. „Die Norm erfasst jedoch nicht mehr die Vielzahl möglicher Sonderwünsche der Kunden“, erklärte Rosati. Auf 40 Seiten behandelt die TR 24 die Konstruktion von Raumtrennelementen. Schwerpunkte sind moderne Walk in-Lösungen, bodengleiche Ausführungen sowie plane und gebogene Verglasungen. Dabei werden Verkehrssicherheit, Stabilität, Dichtungen, stromführende Installationen genauso berücksichtigt wie Montage, Abdichtung, Pflege sowie Wartung.

DIN 18008: Klare Regelung muss her

Roger Möhle, Geschäftsführer der Glaser-Innung Niedersachsen, informierte über die Ergebnisse der Einspruchssitzung zur novellierten DIN 18008 in Berlin sowie die Einführung einer ergänzenden Risikoabschätzung. Am Beispiel einer im Jahr 2007 errichteten privaten Türanlage stellte er die Frage in den Raum: „Wie soll der Verarbeiter im Reparaturfall damit umgehen?“ Die kontroverse Diskussion zeigte auf, wie schwierig die praktische Umsetzung künftig sein kann. Während einige Teilnehmer ihre Bedenken in Bezug auf die Risiskoabschätzung zum Ausdruck brachten, wiesen andere auch auf den Nutzen einer Novellierung, z.B. bei der Ausführung von Schaufensterscheiben, hin. Moniert wurden vor allem fehlende Glasbruchstatistiken, allerdings war man sich einig darüber, dass die meisten Schadensfälle bei Innentüren auftreten. „Wir stellen uns nicht gegen die Regelung“, betonte Karl-Heinz Tute, Glasermeister aus Bad Bevensen, der den abwesenden Landesinnungsmeister Uwe Horn vertrat.

Hackern den Garaus machen

Sie müsse aber eindeutig formuliert sein, damit Verarbeiter künftig beim Kunden ganz klar argumentieren könnten. Den Abschluss der Veranstaltung bildete der Vortrag „Live Hacking – Einblick in die Welt der IT-Security“ von Matthias Knoff vom Systemhaus Compi Power. An einem Beispiel demonstrierte er, wie schnell sich Kriminelle Zugang zu einzelnen PCs, Netzwerken oder ganzen Infrastruktruen verschaffen können. Ein Teilnehmer musste sich ein neunstelliges Passwort ausdenken. Innerhalb von weniger als 30 Sekunden gelang es dem Experten, dieses zu knacken. Die Sicherheit der IT müsse in jedem Unternehmen zur Chefsache werden, so lautete das Fazit des Referenten.