Seit 25 Jahren bietet der Verband für Fassadentechnik (VFT) Planern, Fassadenbauern, Sachverständigen und Technikern mit dem VFT-Seminar Fortbildung auf hohem Niveau.Zum Jubiläum informierten sich Besucher u.a. über die dampfdichte Innenabdichtung.
„Danke für die vielen positiven Rückmeldungen. Diese Gespräche haben mich berührt“, richtete Hugo Philipp als Vorsitzender des Verbands für Fassadentechnik (VFT) zum Ende des 25. VFT-Seminars seine Abschiedsworte an die 305 Teilnehmer.
Fachinfos und Zeit zum Netzwerken
Unter ihnen waren 56 Studenten, deren Besuch neun Sponsoren ermöglichten, sie nutzten die Gelegenheit, sich über Bauphysik mit Blick auf die Fassade, Digitalisierung, auf Schadensfälle, Recycling, CE-Zeichen für Brandschutztüren in Fassaden und die Automation zu informieren. Technik zum Anfassen präsentierten die 34 Fachaussteller als Zusatzangebot der Veranstaltung, die den Besuchern zwei Tage lang mit vielen Pausen Raum für Netzwerken und die Kontaktaufnahme bot. In vielen Leistungsverzeichnissen steht die Anforderung, Anschlussfugen luftdicht und dampfdicht auszuführen. Ist das überhaupt möglich und sinnvoll?
Müssen Fassadenfugen dampfdicht sein?
Diese Frage beantwortete Dipl.-Ing. Andreas Zimmermann von Tremco Illbruck. Seiner Einschätzung nach verwechseln viele am Bau und an der Planung Beteiligte die Begriffe luft- und dampfdicht: In Ausschreibungen und Angeboten werde Dampfdichtheit oft in Zusammenhang mit sd-Werten von 150 Meter genannt, das bedeute aber nicht dampfdicht. Der sd-Wert gibt die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke an und müsse für Dampfdichtheit einen Wert von 1.500 Meter erreichen. Zwischen einem halben und 1.500 Meter beschreibt die Kenngröße eine dampfbremsende Eigenschaft des verwendeten Dichtsystems. Bei einem in vielen Leistungsverzeichnissen geforderten μ-Wert für die Innenabdichtung von 300.000 müsse die verwendete Dichtbahn fünf Millimeter dick sein, um Dampfdichtheit zu gewährleisten. Er stellte die Frage, wer solche Dichtsysteme denn verarbeiten könne und wolle.
Zimmermann gab statt der absoluten Dampfdichtheit der Anschlussfugen vier wichtige Grundsätze mit auf den Weg: Verarbeiter sollten die Konstruktion raumseitig umlaufend luftdicht ausführen. Dabei sollten sie auf potenzielle Wärmebrücken in der Planung achten und diese minimieren. Außen entscheide die Schlagregendichtheit der Wetterschutz-ebene über die Funktionsfähigkeit der Anschlussfuge. Feuchtigkeit in der Fuge muss nach außen abgeführt werden können – deshalb sollte der Fachmann beim Einsatz von Folien zur Außenabdichtung auf dampfdiffusionsoffene Varianten achten. Damit spart er sich zusätzliche Öffnungen, die wasserdampfdiffusionsdichte Folien als Wetterschutz zum Außenklima hin brauchen, um Wasser abzuleiten und einen Dampfdruckausgleich zu gewährleisten. Die Dicke der Dichtfolie sollte bei mehr als 0,6 Millimeter liegen.
Terrassen- und Balkontüren barrierefrei abdichten
Jahrelang konnten sich Planer und ausführende Betriebe auf das technische Erfordernis berufen, um untere Türanschläge und Türschwellen mit bis zu zwei Zentimeter Höhe zu realisieren. Nach der DIN 18040, in den Teilen 1 und 2, gilt das Schlupfloch nicht für Türen zu Freisitzen: Für Terrasse, Balkon, Veranda, Loggia sind untere Anschläge und Schwellen unzulässig. Diese Botschaft sandten Bernd Harder und Matthias Möckl von Abdichtungsspezialist ACO an die Zuhörer. Sie gaben Fassadenplanern und Fachbetrieben den Rat, die örtlichen Verhältnisse auf der Baustelle genau unter die Lupe zu nehmen und besonders auf zwei Punkte zu achten: einen einwandfreien Wasserablauf und das Ausmaß der zu erwartenden Spritzwasserbelastung bei Regen. Planer und Fassadenbauer sollten mit dem Betrieb, der die Abdichtung ausführt, Kontakt aufnehmen und eine Lösung suchen. Als Lösungen eignen sich zum Beispiel:
- ein revisionierbarer, rinnenförmiger Entwässerungsrost mit Stichkanal als definiertem Hohlraum oder eine vergleichbare Konstruktion mit unmittelbarem Anschluss an die Entwässerung – bei Bedarf beheizbar
- Gefälle der wasserführenden Ebenen vom Übergang zur Fläche
- eine Überdachung für Schlagregen- und Spritzwasserschutz
- ein Türrahmen mit Flanschkonstruktion
- Türen mit spezieller Abdichtungsfunktion
- eine zusätzliche Abdichtung im Innenraum mit gesonderter Entwässerung
Gemeinsam haben ACO, Profine und Alwitra eine vom TÜV Süd geprüfte Systemlösung für die Abdichtung und Entwässerung von schwellenlosen Übergängen an Balkon-, Terrassen- und Loggientüren nach der DIN 18040 entwickelt.
Die Experten testeten PremiPlan Plus unter extremen Bedingungen, die einen Jahrhundertregen als starken Lastfall simulierten. Bei einer Fassadenhöhe von 26 Meter drang kein Wasser in den Innenraum des Prüfkörpers ein. Diese Leistung erreicht das gewerkeübergreifende Schwellensystem mit einer Kombination aus barrierefreier Tür, der Abdichtung der Ablauffläche und einer Entwässerung mit seitlichen Drainschlitzen auf abgedichteten Flächen nach der DIN 18531 oder einem Ablaufstutzen im erdberührten Erdreich nach der DIN 18533.
25 Jahre – und weiter geht’s
Philipp vermeldete im Gespräch mit GFF eine positive Entwicklung: Drei neue Mitglieder gewann der Verband 2018 und zählt jetzt 83. Einen Arbeitskreis des VFT zum Thema BIM inklusive geplanter Kooperation mit anderen Branchenverbänden und den Ausbau des VFT-Sachverständigenkreises nannte der Vorsitzende als aktuelle Projekte des Verbands. Den Erfahrungsaustausch unter Sachverständigen und Tipps zur Ausbildung für Anwärter will Philipp im kommenden Jahr ausbauen. Anlässlich des 25. Jubiläums blickte er auf die Anfänge des VFT-Seminars zurück: „Wir haben die Veranstaltungsreihe zum Start jährlich zweimal ausgerichtet. Das war wirklich ein Berg an Arbeit, der mich nervös gemacht hat.“ Philipp dankte seinem Team um Geschäftsstellenleiterin Carmen Christmann-Kaiser, ohne dessen Hilfe das Seminar in der heutigen Form nicht möglich wäre.
Zum ersten Mal besuchte der Sachverständige Gerhard Riegler das VFT-Seminar: „Einige Vorträge fand ich sehr gut und fundiert – andere dagegen waren eher flach.“ Er, Riegler, wünsche sich weniger, dafür aber längere Beiträge, um dadurch fachlich noch tiefer in die Themen einzusteigen. Schließlich richte sich die Tagung ja an Experten aus der Fassadenbranche.